Sportverletzungen im Vollkontakt- und Semikontaktkarate (Ein Vergleich von Kyokushinkai- und traditionellem Karate)
Hintergrund: Karate erfreut sich sowohl im Profi- als auch im Breitensport großer Beliebtheit. Die Einteilung der verschiedenen Stilrichtungen erfolgt anhand des Impacts in Voll-, Halb- und Lowkontakt. Ziel dieser Arbeit war die Analyse von Sportverletzungen im Kyokushinkai- (Vollkontakt) und traditionellem Karate (Semikontakt).
Methoden: Im Rahmen einer Querschnittsbefragung wurden insgesamt 215 aktive Amateurkarateka (114 Vollkontakt- und 101 Semikontaktkarateka) mittels eines standardisierten Fragebogens nach sportarttypischen Verletzungen der letzten 36 Monate befragt. Die Verletzungen wurden nach Verletzungsschwere in vier Gruppen unterteilt. Schweregrad I bedeutete, dass keine ärztliche Behandlung erfolgte, Schweregrad II beinhaltete eine einmalige ärztliche Behandlung, Schweregrad III eine mehrfache ambulante medizinische Behandlung und bei Schweregrad IV erfolgte eine stationäre Behandlung.
Ergebnisse: 217 Verletzungen wurden im Einzelnen beschrieben wobei 125 Verletzungen (58 %) bei Vollkontakt- und 92 Verletzungen (42 %) bei Semikontaktkarateka auftraten. Es ergab sich eine expositionszeitbezogene Verletzungsrate von 1,9/1000 Stunden für Vollkontakt- und 1,3/1000 Stunden für Semikontaktkarateka (p < 0,05). Die häufigsten Verletzungsarten waren muskuloskelettale Kontusionen (33 % Vollkontaktkarate; 20 % Semikontaktkarate), gefolgt von Distorsionen mit 19 bzw. 16 %. Die untere Extremität war bei den Vollkontaktkarateka mit 40 % doppelt so häufig betroffen wie bei Semikontaktkarateka (20 %). 80 % der Vollkontakt- und 77 % der Semikontaktkarateka gaben an, sich während des Trainings verletzt zu haben. Sowohl im Training als auch im Wettkampf kam es beim Kumite (Freikampf) zu den meisten Verletzungen. 75 % der Verletzungen bei Vollkontakt- und 70 % bei Semikontaktkarateka entfielen auf leichte Verletzungen (Grad I oder II).
Schlussfolgerung: Die hohe Verletzungsrate im Training und im Kumite (Freikampf) weist auf spezifische Präventionsziele hin. Hier sollte verstärkt auf propriozeptives Training und auf ein konsequentes Aufwärmen Wert gelegt werden. Zur Prävention im Wettkampf selbst kommt den Schiedsrichtern eine wichtige Aufgabe zu.
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| Notationen: | Kampfsportarten Biowissenschaften und Sportmedizin |
| Veröffentlicht in: | Sportverletzung Sportschaden |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
2014
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| Online-Zugang: | https://www.thieme-connect.de/ejournals/abstract/10.1055/s-0033-1356192 |
| Jahrgang: | 28 |
| Heft: | 1 |
| Seiten: | 31-35 |
| Dokumentenarten: | Artikel |
| Level: | hoch |