Belastungsintensität und Wiederholungszahl in Abhängigkeit von der Trainingsspezifik im Krafttraining

Über die einzelnen Serien kommt es zu einer Reduktion der Wiederholungszahlen wobei der Wiederholungszahlbereich für die spezifischen Trainingsmethoden (hier Kraftausdauertraining, bspw. 20-25 Wdh.) verlassen wird (vgl. Fröhlich, Schmidtbleicher & Emrich, 2002). Detailliert betrachtet konnte die kraftausdauerspezifisch trainierte Gruppe der Ringer in dem für die Kraftsausdauer relevanten Trainingsbereich von 60 % 1-RM signifikant mehr Wiederholungen über alle 6 Serien bewältigen als die beiden anderen Gruppen. Die schnellkraft- bzw. explosivkraftspezifisch trainierte Gruppe der Leichtathleten bewältigte etwa die gleiche Anzahl an Wiederholungen bei 60 % 1-RM über die Serien wie die Gruppe der Freizeitsportler. Geht man davon aus, dass spezifische Trainingsreize zu spezifischen Adaptationen führen (Specific Adaptations to Imposed Demands principle SAID) sind die gefunden Ergebnisse nicht nur plausibel, sondern geradezu das Wesen des jeweiligen Trainings (vgl. Sale & MacDougall 1981; Semmler & Enoka 2000). Während Ringer einen Großteil des Krafttrainings im Kraftausdauerbereich absolvieren (vgl. Hasegawa u. a., 2002) bzw. die Sportart Ringen generell zu den kraftausdauerorientierten Sportarten zählt, zielt das Krafttraining bei Leichtathleten in der Regel auf eine Verbesserung der Schnelligkeit bzw. der Schnell- und/oder Explosivkraft ab (vgl. Rahmentrainingsplan des DLV 1993). Hierbei kommen verstärkt Maximalkrafttrainingsmethoden zur Vergrößerung des Muskelquerschnitts bzw. zur Verbesserung der willkürlichen Aktivierungsfähigkeit zur Anwendung (vgl. Schmidtbleicher 1992). Das heißt, bei den spezifischen Trainingsmethoden der Leichtathleten ist die Belastungsintensität deutlich höher (ca. 75 - 95 %) und die Wiederholungszahl in der Serie ist reduziert (ca. 5 - 10 Wiederholungen) wobei die Serienpause wiederum verlängert ist (> 2 - 3 Minuten). Vergegenwärtigt man sich diese spezifischen Adaptationen, so verwundert es nicht, dass die Gruppe der Ringer einen gestreckteren Kurvenverlauf speziell ab der 3. Serie produziert und, dass sich die Gruppe der Freizeitsportler (kein spezifisches Krafttraining) über die Serien den Wiederholungszahlen der Leichtathleten annähert. Bereits 1993 wurde von Bayer und Ramlow auf die ausgesprochene Variabilitätsspezifik des Zusammenhangs von gehobener Last und möglicher Wiederholungszahl hingewiesen, wobei sich insbesondere für Ausdauersportler ein wesentlich gestreckterer Kurvenlauf zeigt. Selbst Zatsiorsky (1996, 108) weist darauf hin, dass keine feste Beziehung zwischen der Größe der gehobenen Last (als prozentuales Verhältnis von Fmm bei relevanten Bewegungen) und der Wiederholungszahl bis zum Abbruch RM besteht. Vielmehr variiert dieses Verhältnis bei verschiedenen Sportlern und Bewegungen. Ferner ist festzustellen, dass ein bestimmter Prozentsatz von 1-RM bei verschiedenen Hebeleistungen nicht immer der gleichen Anzahl von Wiederholungen bis zum Abbruch entspricht (Zatsiorsky 1996, 108). So ist zu vermuten, dass die mögliche Anzahl an Wiederholungen für eine feste prozentuale Belastungsintensität typabhängig ist (Schnellkrafttyp vs. Ausdauertyp) und vom Trainingszustand (eher Schnell- bzw. Explosivkraft vs. Kraftausdauer) beeinflusst wird. Resümierend kann man Hohmann, Lames & Letzelter (2002, S. 240) für den Bereich der Belastungssteuerung im Krafttraining nur beipflichten: "Globale Empfehlungen zu Trainingsintensitäten auf der Basis maximal möglicher Wiederholungszahlen sind also nicht seriös auszusprechen."
© Copyright 2003 Alle Rechte vorbehalten.

Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Kampfsportarten Trainingswissenschaft
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: 2003
Online-Zugang:https://www.researchgate.net/publication/233894423_Belastungsintensitat_und_Wiederholungszahl_in_Abhangigkeit_von_der_Trainingsspezifik_im_Krafttraining
Seiten:54-58
Dokumentenarten:elektronische Publikation
Level:hoch