Randori lernen und unterrichten. Ein Praxishandbuch

Eines der Ziele des Trainings in Kampfsportarten ist die Beherrschung und Anwendung vieler Techniken in sehr unterschiedlichen, oftmals schnell wechselnden Kampfsituationen gegen die Widerstand des sportlichen Opponenten. Im Judo wurde dafür eine spezielle Trainingsmethode entwickelt: Das Randori. Den Begriff, der das freie Trainieren von Judotechniken gegen einen oder mehreren Gegner mit eigenen Zielen beschreibt, gibt es bereits gut 150 Jahre. Das Randori selbst hat im modernen Judo der letzten Jahrzehnte eine zentrale Bedeutung erlangt, führt es doch dazu, dass die Judoka sehr intensiv und sehr abwechslungsreich an der Perfektionierung ihrer Techniken arbeiten können. Dieses Üben mit eher zufällig (wie im Wettkampf) entstehenden Kampfsituationen und deren Erleben, bringt den Judoka sowohl Bewegungserfahrungen als auch ein besseres Bewusstsein dafür, wie bestimmte Kampfsituationen entstehen und wie sie erfolgreich im Angriff und Abwehr zu lösen sind. Die Nähe zum Wettkampfgeschehen wird dabei bewusst gesucht, ohne dass Randori aber einen solchen repräsentiert. Diese Trainingsmethode ist bewusst und gezielt zwischen dem "reinen" Training der technischen Form zum Beispiel eines Wurfs - der Kata - und dem richtigen Judokampf - dem Shiai - angesiedelt. Ein weiterer positiver Aspekt des Randori sind auch die taktischen und konditionellen Entwicklungen zum Beispiel hinsichtlich Kraft- und Ausdauerentwicklung, die durch das Randori initiiert werden können. In einem im Buch enthaltenen Interview mit Olympiasieger und Olympiasieger-Trainer Frank Wieneke wird die herausragende Bedeutung dieser Trainingsmethode nochmals deutlich unterstrichen, der sich sowohl zu den technisch-taktischen, den konditionellen als auch zu den erzieherisch-pädagogischen Potenzialen eines effektivne Randori-Trainings äußert. Dementsprechend gibt es innerhalb der Prüfungsordnung des Deutschen Judo-Bundes auch Randori-Bestandteile, an die junge Judoka schrittweise herangeführt werden sollen. Wie das in der Trainingspraxis aussehen kann, wird den Lesern mit einer Vielzahl von Spiel- und Übungsformen erläutert. Auch diese orientieren sich wieder an den Randori-Prüfungsaufgaben der verschiedenen Kyu-Grade. Interessant und spannend zugleich sind die verschiedenen Aufgaben, die mit einem Randori verbunden werden können und die dann auch die Übungsauswahl bestimmen. Da gibt es für die Freizeitsportler ein Kartenspiel- oder Prognoserandori, für Leistungssportler dann Strategie-Erkennungs-, Strategie-, Kombinations- oder Konterrandori. Eine noch stärkere Differenzierung von Randori-Typen insbesondere im Wettkampf- und Leistungssport bietet Raf Tits, der zwischen spielerischen Formen, vorbereitendem Kumi-Kata-Randori, Wertungsrandori, technischem Situationsrandori, Kuma-Kata-Randori, taktischem Situationsrandori und Wettkampfrandori unterscheidet. Für alle diese Differenzierung schlägt er auch Übungen vor, von denen einige im Buch präsentiert werden. Hier gibt es zum Beispiel ein Koka-Randori oder ein Runterzieh-Randori, ein Grifflösen-Randori oder Unterbrechungs-Randori. In einem abschließenden Kapitel befasst sich der Autor mit dem Randori als Koordinationstraining, das unter verschiedenartigen Informationsanforderungen (optisch, akustisch, taktil, kinästhetisch, vestibulär) und Druckbedingungen (Präzision, Zeit, Komplexität, Situation, Belastung) absolviert werden kann.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Kampfsportarten Nachwuchssport
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Aachen Meyer & Meyer 2016
Ausgabe:Aachen: Meyer & Meyer, 2016.- 126 S.
Schriftenreihe:Offizielle DJB-Schriftenreihe, 1
Online-Zugang:https://www.amazon.de/s?k=Randori%20lernen%20und%20unterrichten.%20Ein%20Praxishandbuch
Seiten:126
Dokumentenarten:Buch
Level:mittel