Die Entwicklung des kommerziellen Sportanbietermarktes in Ostdeutschland - Eine Untersuchung aus modernisierungs- und transformationstheoretischer Perspektive
Mit den politischen Veränderungen auf dem Gebiet der ehemaligen DDR zum Beginn der neunziger Jahre stellten sich auch in den unterschiedlichen Bereichen des Sports grundlegende Fragen inhaltlicher, organisatorischer und struktureller Neuorientierung. In einer Reihe von Teilbereichen fanden Transformationsprozesse vom Westen in den Osten statt, in anderen - wie hier exemplarisch am kommerziellen Sportanbietermarkt gezeigt - stellten sich die Veränderungen eher als Implementierung eines bis dato systemfremden Marktes dar, der gleichzeitig als Modernisierung gekennzeichnet wird. Dabei ist auch zu beachten, dass sich dieser abgegrenzte Teilbereich aber auch auf dem Hintergrund umfassender politischer, wirtschaftlicher und sozialer Veränderungen vollzog, die wesentlichen Einfluss auf die konkrete Ausgestaltung der Entwicklungsprozesse und -ergebnisse hatten. So verdeutlicht die Arbeit, dass die vielen Neugründungen von Fitness-Studios von der Hoffnung getragen waren, sich damit eine berufliche und soziale Zukunftsperspektive in einem insgesamt wirtschaftlich schwierigen Umfeld zu schaffen. Eine verhältnismäßig gute Ausgangsposition war dadurch gegeben, dass es derartige Angebote bis dahin noch nicht gab und das Interesse am Sport auf individueller, nicht organisierter Grundlage, latent vorhanden war und sich inhaltlich schnell ausdifferenzierte. Ein Vergleich mit anderen Bereichen und den für diese typischen Transformationsprozesse im gleichen Zeitraum fördert eine Reihe von Besonderheiten und "Qualitätsmerkmalen" zutage, die bemerkenswert sind: - es fand kein Institutionentransfer, sondern eine Institutionenimplementierung statt - es fand kein Elitentransfer von West- nach Ostdeutschland statt, sondern eine Elitenrotation innerhalb Ostdeutschlands. Die von M. Trillitzsch zusammengefasste formulierte Aussage zu den Lösungsmöglichkeiten für die Sportsysteme in den neuen Bundesländern ist sehr bemerkenswert, wenn sie formuliert, dass diese "durch unvermittelte, innovative, intuitiv-kreative und mit viel Engagement vor Ort vorgetragene Eigenleistungen Sportinteressierter erfolgreich bewältigt werden, ohne dass staatliche oder verbandliche Bevormundung notwendig wäre... Der Sport könnte aus diesem Blickwinkel Vorbild für andere Gesellschaftsbereiche sein, welchen es an Eigendynamik, Veränderungs- und Innovationsfähigkeit eher mangelt."
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| Notationen: | Sozial- und Geisteswissenschaften Freizeitsport |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Hamburg
Kovac
2004
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| Ausgabe: | Hamburg: Verlag Dr. Kovac, 2004.- 368 S. |
| Schriftenreihe: | SOCIALIA - Studienreihe Soziologische Forschungsergebnisse, 63 |
| Seiten: | 368 |
| Dokumentenarten: | Buch |
| Level: | mittel |