Sportvereine - Auslaufmodell oder Hoffnungsträger? Die WLSB-Vereinsstudie
Fragen nach der Zukunft der rund 85.000 deutschen Sportvereine, nach ihrem Charakter und ihren Angeboten sind von einer hohen Aktualität. Dies wird primär dadurch begründet, dass sich gesellschaftliche Rahmenbedingungen ändern, denen sich die Sportvereine ausgesetzt sehen. Davon betroffen sind aber eine Vielzahl von Einzelproblemen, wie die Interessen der Mitglieder, die innere Bindungskraft eines Vereins gegenüber seinen Mitgliedern, die finanziellen Möglichkeiten und Notwendigkeiten der Sportvereine und deren Angebote, die innere Struktur insbesondere von Mehrspartenvereinen sowie die Gestaltung von Beratungs- und Entscheidungswegen und -ebenen. In mehreren Untersuchungen wurde der Frage nach der aktuellen Situation in deutschen Sportvereinen nachgegangen, wobei Vereine aus Württemberg und Baden Nord Gegenstand der Untersuchung waren. Insgesamt waren mehr als 5.500 Vereine einbezogen.
Es zeigte sich eine erstaunliche Vitalität der Sportvereine, die sich in einem Wachstum des Vereinssports ausdrückt. Gleichzeitig ist eine nicht erwartete hohe Zufriedenheit von 82 % der Mitglieder mit ihren Vereinen festgestellt worden. Bei einer weiter gehenden Differenzierung der gefundenen Ergebnisse zeigt sich, dass die Vereinslandschaft durch eine außerordentlich große Vielfalt geprägt ist, mit der sehr unterschiedliche Interessen befriedigt werden (können). Bei der Analyse des Charakters der Sportvereine zeigte sich, dass fünf Sechstel aller Vereine als Solidargemeinschaft funktionieren. Andere Formen wie nicht-professionalisierte Kursanbieter oder professionalisierte Prestigesportanbieter, die sich primär als Anbieter von Dienstleistungen verstehen und stärker in den Städten als auf dem Land in Erscheinung treten, sind quantitativ nicht so verbreitet, sammeln aber nicht weniger als ein Viertel der württembergischen Sportvereinsmitglieder. Die Analyse erfolgreicher Sportvereine zeigt eine Tendenz hin zu Mehrspartenvereinen mit breitensportlicher Orientierung und ausgeprägter Bereitschaft, flexibel auf neue Entwicklungen zu reagieren und sich modern zu organisieren. Bei der Untersuchung der Mitglieder zeigten sich mehrere Einflussgrößen für das Vereinsengagement, die sich in unterschiedlichen Karrieretypen ausdrücken. Bemerkenswert ist die recht hohe Übereinstimmung der Mitgliederinteressen, die stark auf kompetente und engagierte Trainer undÜbungsleiter, die Förderung der Jugendarbeit sowie eine Vereinführung focussiert ist, die sich voll für den Verein einsetzt. Erwähnenswert erscheinen auch Ergebnisse zur Sportvereinskultur. Hier kristallisierten sich eine Reihe entscheidender Faktoren heraus. So werden Gemeinschaftsinteressen zum Beispiel höher bewertet als Eigeninteressen, es gibt eine geringe Bereitschaft zur Beitragserhöhung, es wird ein offener Kommunikationsstil gepflegt, bei dem Konflikte eher die Ausnahme darstellen. Allerdings verweisen die Autoren darauf, dass es eine spürbare Differenzierung gibt, die vom jeweiligen Vereinstyp abhängt.
Ausgehend von diesen Erkenntnissen werden Szenarien entwickelt, wie sich deutsche Sportvereine sowohl aus dem Bereich der Solidargemeinschaft als auch der Dienstleistungsanbieter entwickeln können, welche Vor- und Nachteile sie haben und welche Voraussetzungen geschaffen werden müssen, um einen in die Zukunft gerichteten Sportverein der dienstleistungsorientierten Solidargemeinschaft zu entwickeln.
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| Schlagworte: | |
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| Notationen: | Theorie und gesellschaftliche Grundlagen Sportgeschichte und Sportpolitik |
| Veröffentlicht in: | Sport in der heutigen Zeit - Tübinger Schriften zur Sportwissenschaft |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Tübingen
Attempto-Verlag
2004
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| Ausgabe: | 2004 |
| Schriftenreihe: | Sport in der heutigen Zeit - Tübinger Schriften zur Sportwissenschaft |
| Seiten: | 196 |
| Dokumentenarten: | Buch |
| Level: | mittel |