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Grenzwerte im Doping. Naturwissenschaftliche Grundlagen und rechtliche Bedeutung

Im Zusammenhang mit Dopingverstößen im internationalen Spitzensport spielen Grenzwerte, beginnend mit dem seit 1983 in den Anti-Doping-Bestimmungen des IOC verankerten für Testosteron, eine bedeutsame Rolle. Mit ihrer Hilfe wird entschieden, ob sich ein Sportler regelkonform verhalten hat oder ob sie oder er gegen die Dopingregeln verstoßen hat. Seit 1998 gibt es im Medical Code des IOC eine zunehmende Zahl von Grenzwerten für Stoffe, die als leistungssteigernd bewertet werden. Die Problematik der Grenzwerte ist nur aus einer interdisziplinären Sicht korrekt zu bewerten - aus naturwissenschaftlicher Sicht, um das Verhalten von Pharmaka im menschlichen Körper - und damit auch mögliche leistungssteigernde Wirkungen - zu klären und aus rechtlicher Sicht, da die Anwendung von Grenzwerten im Spitzensport zu erheblichen Konsequenzen führt, da es sich hier oftmals um Berufssportler handelt, deren weitere beruflich-sportliche Karriere von der Beantwortung der Frage nach regelkonformem Verhalten abhängt. Der Autor verfügt als Diplomchemiker und Jurist genau über die Qualifikationen, um dieses Problemfeld wissenschaftlich fundiert bearbeiten zu können. Im Kapitel zu den naturwissenschaftlichen Grundlagen gelingt es ihm, wissenschaftliche Erkenntnisse zur Pharmakokinetik, zu Dosis-Wirkungs-Beziehungen, zu Wirkungsschwellen wie auch zu individuellen Schwankungen und "biologischer Variabilität" so aufzuarbeiten, dass sie hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf Ergebnisse von Dopinganalysen transparent werden. In weiteren Ausführungen stellt er die Wirkungen von Substanzgruppen dar, die durch das IOC und die WADA verboten sind bzw. für die Grenzwerte aufgestellt wurden: verbotene Substanzen: Stimulanzien, Narkotika, anabole Steroide, Diuretika, Peptidhormone, Kortikosteroide, Blutdoping Substanzen mit Grenzwerten: Koffein, Ephedrine, Cannabis, Morphin, Testosteron/Epitestosteron-Quotien, Epitestosteron, Salbutamol, Nandrolon, Hämatokrit und Hämoglobin. Abschließend zu den naturwissenschaftlich-biologischen Grundlagen unterzieht er die gegenwärtig genutzten analytischen Verfahren und Methoden einer kritischen Betrachtung. Die juristische Analyse des Problemfeldes beginnt der Autor mit der Darstellung von weiteren Bereichen, in denen mit Grenzwerten gearbeitet wird, wie dem Umweltrecht, Lebensmittelrecht und Verkehrsrecht und der Art der Nutzung der Grenzwerte, um dort zu rechtlichen Entscheidungen zu gelangen. Daran schließt sich die Darstellung des gegenwärtig eingesetzten Regelungsmodells im Dopingrecht mit Grenzwertfestlegung und Inhaltskontrolle durch staatliche Gerichte und den CAS an. Damit sind alle Voraussetzungen gegeben, um zu einer rechtlichen Bewertung des Grenzwertesystems im Doping zu gelangen. In diesem Zusammenhang stellt C. Paul seine Auffassung zur Erforderlichkeit und Angemessenheit von Dopingverboten wie auch Probleme bei der Festlegung und Anwendung von Grenzwerten vor. In der Diskussion stellt er dann ein Modell wirkungsbezogener Grenzwerte im Doping vor, die für Substanzen mit Akutwirkung sinnvoll wäre. Bei Substanzen mit positiver Langzeitwirkung können sie aber nicht genutzt werden. Probleme werden auch deutlich, wenn Sanktionen ausgesprochen werden, wenn nur Spurenmengen verbotener Substanzen gefunden werden. Hier kommt es wieder zu einer Überlagerung von naturwissenschaftlich-biologischen mit rechtlich-ethischen Fragen, die Konsequenzen für die Rechtsprechung beinhalten, um die drei Ziele der Dopingbekämpfung - Chancengleichheit, Gesundheitsschutz und Ansehen der Sportart - zu erreichen.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Sportgeschichte und Sportpolitik Leitung und Organisation Biowissenschaften und Sportmedizin
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Berlin Duncker u. Humblot GmbH 2004
Schriftenreihe:Beiträge zum Sportrecht, 14
Seiten:358
Dokumentenarten:Buch
Level:mittel