"Trainer ...das ist halt einfach Männersache". Studie zur Unterrepräsentanz von Trainerinnen im Spitzensport
Der vorliegende Band stellt das Ergebnis einer durch das Bundesinstitut für Sportwissenschaft vergebenen Auftragsforschung der Universität Bielefeld dar. Damit sollte geklärt werden, welche Bedingungen zu einer spürbaren Unterrepräsentanz von Frauen im Trainerberuf in Deutschland führen und welche Maßnahmen ergriffen werden können, um diesem Zustand effektiv entgegenwirken zu können. Die Analyse des aktuellen Sachstandes ergab, dass einerseits prinzipiell keine gesellschaftlichen Schranken die Aufnahme einer Trainertätigkeit durch Frauen versperren. Andererseits steht dem aber ein noch vorhandenes traditionelles Rollenverständnis sowie verschiedene organisationale Bedingungen entgegen, von denen zum Beispiel der geringe Grad an Verberuflichung und die ungenügende soziale Absicherung der Trainertätigkeit genannt werden sollen. Das führt oftmals dazu, dass sich Frauen selbst, d.h. ohne externe Einflussnahme gegen den Trainerberuf entscheiden oder bei externen Auswahlprozeduren unberücksichtigt bleiben.
Um diesen Zustand zu verändern, werden verschiedene Maßnahmen vorgeschlagen, die nicht isoliert, sondern im Komplex umgesetzt werden sollten. Dabei ist davon auszugehen, dass diese Prozesse nicht sich selbst überlassen werden dürfen, sondern gezielt und geführt zu realisieren sind.
Das Hauptproblem besteht in der Schaffung eines attraktiven, hauptamtlichen Berufsfeldes für die Trainertätigkeit. Das beginnt mit der Schaffung von Stellen für Trainerinnen (gegenwärtig stehen den Frauen deutlich weniger als 50 Prozent der Trainerstellen zur Verfügung). Dazu zählen nicht zuletzt eine dem universitären Abschluss entsprechende Entlohnung und eine Verbesserung der sozialen Absicherung (zum Beispiel bedingt durch Zeitverträge und hohe Mobilitätsanforderungen bedingt). Ein zweiter Schwerpunkt besteht in der Schaffung von Tätigkeitsstrukturen, die die Aufgaben in anderen gesellschaftlichen Teilbereichen (bei Frauen primär Familie und Betreuung von Kindern) lösbar machen. Dies kann zum Beispiel dadurch erfolgen, dass sich Trainerinnen tatsächlich nur auf den sportlichen Kernbereich konzentrieren und alle anderen Aufgaben an weitere Verantwortliche delegiert werden. Drittens geht es um eine Verbesserung der Akzeptanz von Frauen im Trainerberuf. Es muss das Bewusstsein dafür entwickelt und gefördert werden, dass die sportliche, trainingsmethodische oder sportpsychologische Kompetenz von Trainerinnen der von Trainern nicht nachsteht.
Um diese Maßnahmen effektiv und erfolgreich umzusetzen, sollten sowohl auf zentraler Ebene des DSB als auch auf der Ebene der Spitzenverbände Programme zur Gewinnung und Förderung von Trainerinnen entwickelt werden.
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| Schlagworte: | |
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| Notationen: | Sozial- und Geisteswissenschaften |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Köln
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| Ausgabe: | Köln: Sport & Buch Strauß, 2003.- 376 S. (Bundesinstitut für Sportwissenschaft, Wissenschaftliche Berichte und Materialien, Bd. 10/2003) |
| Schriftenreihe: | Wissenschaftliche Berichte und Materialien des Bundesinstituts für Sportwissenschaft, 2003, 10 |
| Seiten: | 376 |
| Dokumentenarten: | Buch |
| Level: | mittel |