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Nahrungsergänzungsmittel und schmerzlindernde Arzneimittel im Leistungssport : Ursachenanalyse, belastungsabhängige Nutzungsmuster und Optimierungsmöglichkeiten

Die vorliegende Dissertation untersucht die Anwendung von Nahrungsergänzungsmitteln (NEM) und schmerzlindernden Arzneimitteln im Leistungssport. Dabei werden Ursachen, belastungsabhängige Nutzungsmuster, Informations- und Bezugsquellen sowie Optimierungsmöglichkeiten mittels Literaturanalyse und empirischer Fragebogen-Erhebung mit verschiedenen Athlet*innengruppen (n = 297 Leistungssportler*innen, erweitert auf n = 317 mit Vergleichsgruppe) erfasst. Die Analysen zeigen eine hohe Prävalenz der NEM Nutzung (84 %), wobei Mineralien und Spurenelemente (66 %), Vitamine (55 %) und Proteine (52 %) am häufigsten angewendet werden. Schmerzlindernde Arzneimittel werden von 68 % der Sportler*innen mindestens saisonal angewendet. Ibuprofen weist mit 76 % die höchste Anwendungsrate auf. Systematische Kovarianzanalysen belegen robuste Zusammenhänge zwischen Belastungsniveau und Substanzkonsum: Sportler*innen mit hoher physischer Trainingsbelastung (> 1050 Min/Woche) weisen ein 4,4-fach höheres Chancenverhältnis für die Anwendung schmerzlindernder Arzneimittel während der sportlichen Laufbahn auf. Bei Athlet*innen aus dem Olympiakader/Paralympicskader ist das Chancenverhältnis gegenüber Teilnehmer*innen ohne Kaderstatus 6,9-fach erhöht. Ordinale Regressionsanalysen ergeben, dass höhere physische Trainingsbelastung mit häufigerer Anwendung schmerzlindernder Arzneimittel einhergeht. Bedenklich ist, dass 23 % der Athlet*innen schmerzlindernde Arzneimittel auch aus nicht indikationsgemäßen Gründen anwenden. Die Arbeit beleuchtet zudem die komplexe Rolle des Schmerzes im Sport und identifiziert geschlechtsspezifische Unterschiede im Anwendungsverhalten. Basierend auf der weiten Verbreitung von NEM und schmerzlindernden Arzneimitteln im Leistungssport, sowie den besonderen Risiken für Leistungssportler*innen, wurden Optimierungsmöglichkeiten für die Entscheidungsfindung bei einer NEM Anwendung und NSAR-Verschreibung entwickelt. Dabei wird ein vorsichtiger und gezielter Einsatz empfohlen, während von prophylaktischer Anwendung abgeraten wird. Die Erkenntnisse bilden eine Grundlage für einen Paradigmenwechsel in der Athlet*innenbetreuung: von unkontrollierter Selbstmedikation hin zu evidenzbasiertem, professionell begleitetem Substanzmanagement
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Biowissenschaften und Sportmedizin
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Köln Deutsche Sporthochschule Köln 2025
Online-Zugang:https://primo.zbsport.dshs-koeln.de/permalink/49HBZ_ZBS/18h80sa/alma998557006606478
Seiten:341
Dokumentenarten:Dissertation
Level:hoch