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Frauen im Spitzensport: Forschungslücken und methodische Herausforderungen

Frauenspezifische Aspekte werden bisher im Sport aber auch in der Sportwissenschaft erstaunlich wenig beachtet. So berichtet beispielsweise Edina Müller, deutsche Parakanutin und Goldmedaillensiegerin von strukturellen Hürden als junge Mutter und Spitzensportlerin. Das Organisationskomitee der Olympischen Spiele in Tokio hat es im Jahr 2020 zunächst untersagt, Kleinkinder in das olympische Dorf mitzunehmen und änderte die Haltung nur unter Druck der internationalen Medien. Edina Müller hat sich nach der Geburt ihres Sohnes für die Paralympischen Spiele in Tokio qualifiziert. Sie musste allerdings Akkreditierung, Unterkünfte und Flüge für die Teilnahme an den Spielen mit Kind selbst organisieren und finanzieren - Kinder sind bei den Olympischen Spielen offensichtlich nicht mitgedacht. Müller klagte zudem darüber, dass es im Leistungssport kaum evidenzbasierte Trainingsempfehlungen für die Zeit nach der Geburt gäbe. Dieses Beispiel macht deutlich, dass frauenspezifische Aspekte, wie beispielsweise eine Schwangerschaft, im professionellen Sport bisher wenig Beachtung finden. Diese Vernachlässigung beschränkt sich aber nicht nur auf Verbände und Wettkampfstrukturen, sondern spiegelt sich auch in der sportwissenschaftlichen Datenlage wider.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Biowissenschaften und Sportmedizin Sozial- und Geisteswissenschaften Trainingswissenschaft
Veröffentlicht in:Zeitschrift für Sportpsychologie
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: 2022
Online-Zugang:https://doi.org/10.1026/1612-5010/a000364
Jahrgang:29
Heft:2-3
Seiten:104-105
Dokumentenarten:Artikel
Level:hoch