Die Leistungssportreform des DOSB aus zivilgesellschaftlicher Perspektive

Im Dezember 2016 wurde das Konzept zur Neustrukturierung des deutschen Leistungssports und der Spitzensportförderung auf der Mitgliederversammlung des DOSB beschlossen. Die in diesem Zuge angestrebten Reformen galten für VertreterInnen des organisierten Sports gewissermaßen als alternativlos, um künftige Erfolge und die internationale Wettbewerbsfähigkeit bei Olympischen und Paralympischen Spielen zu garantieren. Die generelle Notwendigkeit bezüglich der Zielsetzung und die Angemessenheit der gewählten inhaltlichen Maßnahmen (z.B. die Effizienz des Potenzialanalysesystems [PotAS]) wird sich am künftigen Abschneiden deutscher AthletInnen evaluieren lassen. Offen bleibt jedoch eine Rechtfertigung der Zwecke, zu denen die eingesetzten Mittel (Maßnahmen der Reform) dienen sollen. Dieser Beitrag beabsichtigt, diese Lücke über eine Explikation der Wertbezüge des Spitzensports zwischen seinen gesellschaftlichen und individuellen Funktionen zu schließen, und wird die Leistungssportreform hierzu einer kritisch-hermeneutischen Analyse unterziehen. Deutlich wird, dass die Neustrukturierung einem zivilgesellschaftlichen Verständnis des Spitzensports zumindest teilweise entgegensteht und kritische Fragen nach der Legitimation der Zwecke einem praxisbezogenen Handlungsdruck zum Opfer fallen. Eine erkenntnisgeleitete Sportwissenschaft kann sich solch kritisch-konstruktiven Fragen allerdings nicht verschließen. Abstract In December 2016, the General Assembly of the DOSB (German Olympic Sports Confederation) decided to restructure the German elite sport system and its funding. Among representatives of sports organizations, these aspired structural reforms were meant to be without any alternative to guarantee future success and international competitiveness at Olympic and Paralympic Games. The general need for the objective and the appropriateness of the chosen content measures (e.g., the efficiency of the potential analysis system [PotAS]) will be confirmed by the future performance of German athletes. However, the debate misses a profound justification of the purposes for which the means (measures of reform) are intended to serve. This article intends to fill the gap by explicating the values of elite sport according to its social and individual functions. Subsequently a critical-hermeneutical analysis of the elite sports reform will be conducted. Obviously, the restructuring is at least partially opposed to a civic understanding of elite sport. Critical questions regarding the legitimacy of the purposes fall victim to a practical pressure for action. However, an epistemological sport science cannot ignore such critical and constructive questions.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Theorie und gesellschaftliche Grundlagen Organisationen und Veranstaltungen Leitung und Organisation
Tagging:Leistungszentren Leistungssportreform
Veröffentlicht in:German Journal of Exercise and Sport Research
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: 2020
Online-Zugang:https://doi.org/10.1007/s12662-019-00625-x
Jahrgang:50
Heft:1
Seiten:10-19
Dokumentenarten:Artikel
Level:hoch