Iron deficiency in athletes - new guidelines for diagnosis and treatment

(Eisenmangel bei Sportlern - Neue Empfehlungen zur Abklärung und Therapie)

Hintergrund: Sportler gelten als Risikopopulation für einen Eisenmangel aufgrund der Auswirkung auf die körperliche Leistungsfähigkeit und von häufig vorhandenen Risikofaktoren wie einer restriktiven Ernährung oder trainings-induzierten Entzündungszuständen. Die Diagnose ist vor allem bei Sportlern wegen fehlenden oder unspezifischen Symptomen und der üblichen laborchemischen Abklärung mittels Ferritin nicht immer zuverlässig. Ziel dieser Arbeit war deshalb, die Eisenmangeldiagnostik mittels Zink Protoporphyrin (ZnPP) oder löslichem Transferrinrezeptor (sTfR) zu ergänzen, um herauszufinden, ob diese Parameter in der Routine der Eisenmangel-Diagnostik bei Sportlern hilfreich, ja sogar notwendig sind. Methode: 603 Athleten mit einer Swiss Olympic Karte wurde anlässlich ihrer sportmedizinischen Untersuchung Blut entnommen. Dazu füllten sie einen Fragebogen zur Erfassung von möglichen Prädiktoren aus. Anhand von ZnPP oder sTfR wurden die Athleten in 3 Eisenmangelstadien eingeteilt: 1. Speichereisenmangel, 2. Funktioneller Eisenmangel (NAID) und 3. Eisenmangelanämie. Mittels alters- und geschlechtsadaptierter Cutoffs von Ferritin und Hämoglobin (Hb) wurde ein Speichereisenmangel (Stadium I) oder eine Eisenmangelanämie (IDA Stadium III) diagnostiziert. ZnPP >75 mmol/mol und sTfR >1.55 mg/ml galten als Indikatoren für eine eisendefiziente Erythropoese (Stadium II). Resultate: 19% der Athleten wiesen ein zu tiefes Ferritin auf, während 16% oder 15% mittels ZnPP oder sTfR einen NAID aufwiesen. 5-6% der Athleten zeigten einen NAID mit normwertigen Ferritin-Werten («falsch negative»), während bei 14% zu tiefe Ferritinwerte bei normalem ZnPP und sTfR zu finden waren («falsch positive»). 3% der Athleten zeigten eine Eisenmangelanämie. Weibliches Geschlecht und jüngeres Alter (<18 Jahren), nicht aber Eisenmangelsymptome oder eine Eisensubstitution zeigten sich als Prädiktoren eines klinisch relevanten Eisenmangel-Stadiums (Stadium II-III). Konsequenz: Die Zuhilfenahme von ZnPP oder sTfR in der Eisenmangeldiagnostik ermöglicht eine präzisere Diagnose eines klinisch relevanten Eisenmangels, vor allem bei Sportlern, die aufgrund trainings-bedingten Entzündungszuständen oft falsch normale Ferritin-Werte haben. Sportler mit NAID oder IDA (erhöhte ZnPP/sTfR-Werte und/oder tiefes Hb) sollten unabhängig des Ferritins mit oralem Eisen substitutiert werden.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Biowissenschaften und Sportmedizin
Tagging:Eisenmangel
Veröffentlicht in:Swiss Sports & Exercise Medicine
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: 2018
Online-Zugang:https://sems-journal.ch/1839
Jahrgang:66
Heft:2
Seiten:6-16
Dokumentenarten:Artikel
Level:hoch