Überlastung und Übertraining

Eine chronische Überbelastung, hervorgerufen durch ein Missverhältnis von zu umfangsbetontem und/oder zu intensivem Training, zu vielen Wettkämpfen sowie äußeren Stressfaktoren, gegenüber inadäquater Erholungsphasen, führt in der Regel zu plötzlich auftretenden Leistungsstagnationen oder sogar -minderungen. Die Regeneration einer solchen Überbelastung kann mehrere Tage oder Wochen in Anspruch nehmen, bei einem bestehenden Übertrainingssyndrom sogar mehrere Monate. Noch immer stellt diese Problematik ein verbreitetes Phänomen im Leistungs- und ambitionierten Freizeitsport dar, nicht zuletzt, da bis heute keine verlässlichen einsetzbaren Steuerungsparameter von Training und Erholung vorliegen. Ein etabliertes Diagnoseschema mit einzelnen aussagekräftigen Labormarkern zur Diagnose von chronischen Übertrainingszuständen existiert (bisher) nicht. Daher handelt es sich bei einem Über-trainingssyndrom in erster Linie um eine medizinische Ausschlussdiagnose, wobei unter ärztlicher Abklärung zunächst sämtliche medizinischen und organischen Ursachen für eine Erschöpfung ausgeschlossen werden müssen. Darunter zählen: - Infekte - Analyse entsprechender Entzündungsparameter (HNO-, ZMK-Abklärung, virale Infekte, Myokarditis, etc.), - Eisenmangel/Eisenmangelanämie, - Elektrolytstörung, - hormonelle Störung (Schilddrüse, Nebenniere) und - weitere Ursachen, wie z. B. belastungsinduziertes Asthma. Ein langjähriges Training und die damit verbundenen Anpassungsmechanismen des Organismus sind höchst individuell, weshalb das Auftreten eines Übertrainingssyndroms von unterschiedlichsten Einflussgrößen und genetischen Vorbedingungen abhängig ist. Die Messung ausgesuchter biologischer Marker kann unter Berücksichtigung individueller Normwerte in der Aufdeckung von akuten Überlastungszuständen helfen. Die Herzfrequenz, die Herzfrequenzvariabilität, die Blutlaktatkonzentration so-wie die Harnstoffkonzentration können hierbei als diagnostische Hilfsparameter zur Erfassung von akuten, jedoch nicht für chronische Überbelastungen, dienen. Vielmehr scheint "das Auge" des Trainers und der Betreuer, durch das frühzeitige Erkennen einer defizitären Leistungsfähigkeit bzw. Technik im Training, entscheidend für die Diagnose eines Übertrainingszustandes. Des Weiteren kann sich eine regelmäßige Befragung von typischen Befindlichkeitsstörungen durch den Profile of Mood States von McNair (2008) als zielführend erweisen. Aus ärztlicher Sicht sind neben einer ausgeprägten Fachkompetenz eine ausführliche Anamnese, die Kenntnis der Sportart sowie ein enges Vertrauensverhältnis zu den Athleten grundlegende Voraus-setzungen für eine erfolgreiche Diagnose. Alles in Allem handelt es sich beim Übertraining um ein komplexes, multifaktorielles Geschehen, welches in enger Zusammenarbeit zwischen Athlet, Arzt, Trainer und Sportwissenschaftler gelöst werden muss.
© Copyright 2018 31. & 32. Internationales Triathlon-Symposium. Veröffentlicht von Feldhaus, Ed. Czwalina. Alle Rechte vorbehalten.

Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Biowissenschaften und Sportmedizin Trainingswissenschaft
Tagging:Überlastung
Veröffentlicht in:31. & 32. Internationales Triathlon-Symposium
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Hamburg Feldhaus, Ed. Czwalina 2018
Schriftenreihe:Triathlon und Sportwissenschaft, 27
Online-Zugang:https://www.feldhaus-verlag.de/sportwissenschaft/schriftreihen/triathlon-und-sportwissenschaft/218/31.-32.-internationales-triathlon-symposium
Seiten:15-29
Dokumentenarten:Artikel
Level:hoch