Europäische Sportpolitik. Zugänge - Akteure - Problemfelder
Mit dem Vertragswerk von Lissabon haben sich die Mitgliedsländer der Europäischen Union dazu bekannt, in festgelegten Politikfeldern eine europäische Politik und ein europäisches Gesetz- und Regelwerk zu entwickeln und zur Anwendung zu bringen. Zu diesen Feldern zählt auch der Sport mit seinen engen Verknüpfungen zu einer Vielzahl von weiteren Feldern, wie der Bildungs- und Medienpolitik, der Rechts- und Steuerpolitik oder auch der Arbeitsmarktpolitik. Aus den Mitgliedsländern wie auch aus den Institutionen der Europäischen Union hat es seither auch vielfältige Initiativen für eine europäische Sportpolitik gegeben, bzw. musste nationales und/oder Sportverbandsrecht mit europäischem Recht synchronisiert werden. Dabei galt es und gilt es weiterhin, mit Sensibilität die gesellschaftlichen Aufgaben des Sports zu verstehen und zu bewahren (was sehr oft im nationalen Rahmen erfolgt) und gleichzeitig gültiges EU-Recht im Sport zur Geltung zu bringen. Das ist nicht immer einfach, enthält deutliches Diskussions- und auch Konfliktpotenzial bei allen Beteiligten. Angesichts der gesamtgesellschaftlichen Dimensionen des Sports, der national wie grenzüberschreitend international organisiert wird und auch so wirkt, müssen sich die beteiligten Institutionen und Organisationen ihrer Verantwortung bewusst sein, müssen aktiv Möglichkeiten und Probleme im Sport und den ihn tangierenden gesellschaftlichen Bereichen reflektieren. Das ist ein vielschichtiger und sehr differenzierter Prozess, in dem Politikwissenschaftler über den Sport nachdenken, im dem Sportpolitiker aber genauso über allgemeine Fragen der Gesellschaftspolitik diskutieren müssen. Juristen sind gefragt und auch Sozialpolitiker, Arbeitsmarktpolitiker und Medienstrategen müssen mit den Institutionen des Sports reden, um gemeinsam Lösungen für den Sport und seine Position in der Gesellschaft zu finden. Im vorliegenden Sammelband wird genau diese breite gesellschaftliche und politische Perspektive von nicht weniger als 22 Autoren in 20 Einzelbeiträgen aufgemacht. Dabei geht es sowohl um die Präsentation der Entwicklungsschritte und Entwicklungsetappen einer europäischen Sportpolitik wie auch um aktuelle Diskussions- und Handlungsthemen. So wird das übergreifende Thema der Führung und Steuerung der europäischen Sportpolitik gleich aus vier Perspektiven erörtert: der Politikwissenschaft, dem Sportrecht, dem Verhältnis von Sport und Ökonomie wie auch aus dem Blickwinkel der Kommunikationswissenschaft. Am Beispiel des Umgangs mit Konflikten und der Anti-Doping-Politik der Europäischen Union wird die praktische Seite europäischer Sportpolitik (auch mit Blick auf der nationale und internationale Sportverbandsrecht) erörtert. Zu diesen auf die politische Praxis ausgerichteten Diskussionsbeiträgen zählt auch der zur aktuellen Situation der staatlichen Finanzierung des Sports bzw. von Sportorganisationen und Sport(groß)veranstaltungen durch nationale Institutionen des Staates. Der abschließende Beitrag zum riesigen Interesse der Bevölkerung und damit auch der Medien und der Politik an Europas wichtigster Sportart, dem Fußball, und den sich daraus ergebenden Aufgaben, Problemen, aber auch Chancen und Möglichkeiten auf europäischer Ebene wird nochmal sehr plastisch deutlich, wie eng der Sport mit vielen Gesellschaftsfeldern verknüpft ist und dabei auch Konflikte produziert, aber ebenso welche Möglichkeiten er besitzt, Menschen und Länder in Europa noch enger zusammenzubringen und bei der Konfliktlösung zu unterstützen.
Inhalt
L Einleitung
Europäische Sportpolitik in der Wirtschafts- und Wertegemeinschaft: (M. Schulz)
Europäische Sportpolitik zwischen Wachstum und Differenzierung: Entwicklungslinien, Analyseperspektiven und Erklärungsansätze (J. Mittag)
Anfänge und Ausgestaltung europabezogener Sportforschung an Universitäten: Von der Marginalisierung zur Fragmentierung? (K. Petry)
II. Disziplinäre Zugänge und konzeptionelle Grundlagen
Die europäische Sportpolitik und die Frage "Who govems?" Politikwissenschaftliche Zugänge (R. Kleinfeld)
Wege zur europäischen Sportpolitik über Pfade des Sportrechts: Rechtswissenschaftliche Zugänge (M. Nolte)
Effizienzgewinne für einen höheren Wirkungsgrad sportpolitischer Programme: Ökonomische Zugänge (C. Breuer/K. Hallmann)
Die Öffentlichkeit der Sportpolitik als Hindernis der Europäisierung: Kommunikationswissenschaftliche Zugänge (U. Göttlich/J.-U. Nieland)
III Strukturen und Akteure des Sports zwischen "Konstitutionalisierung" und "Europäisierung"
Das Europa der 47: Die Rolle des Europarats in der Sportpolitik und das Beispiel des Europäischen Paralympischen Komitees (M. Gütt)
Transnationale Kommunikation und Sportwissen: Das sportpolitische Wirken des Europarats zwischen den 1960er und 1990er Jahren (S. Scholl)
"Lissabon" als Wegmarke: Die Sportpolitik der Europäischen Gemeinschaft und der Europäischen Union (S. Klaus)
Die Europäisierung des Fußballs: Von der Umsetzung politischer Vorgaben zur Gestaltung europäischer Realitäten (A. Niemann/A. Brand)
Sportpolitik im Mehrebenensystem: Die Rolle der Bundesländer und der SMK im Prozess europäischer Willensbildung und Entscheidungsfindung (S. Christmann)
IV Problem- und Interaktionsfelder europäischer Sportpolitik
Aufstieg und Auflösung der G14: Episode oder Paradebeispiel der Konfliktregulierung europäischer Sportpolitik? (J. Mittag)
Potenzieller Sprengsatz: Die sozialpolitischen Bestimmungen des Lissabon-Vertrags und ihre Auswirkungen auf den Sport (W. König)
Dopingpolitik zwischen nationaler und europäischer Ebene (H. E. Meier)
"L'union fait la force": Sportpolitische Dimensionen des ersten EU Beitrags zur Revision des World Anti-Doping Code (J. Kornbeck)
Die EU-Guidelines for Physical Activity: Entwicklung und Bedeutung (R. Naul)
Die finanzielle Dimension europäischer Sportpolitik: Das Verhältnis direkter und indirekter Sportfinanzierung in der Europäischen Union (D. Dickmann)
V. Sportgroßereignisse und ihr Publikum
Die Fußball-Europameisterschaften: Vom Nebenschauplatz zum Sportgroßereignis (B. Legrand)
Die Europäisierung des Fußballs und seines Publikums: Zur Messung und Analyse von transnationalem öffentlichem Interesse im Fußball (M. Mutz)
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| Schlagworte: | |
|---|---|
| Notationen: | Sportgeschichte und Sportpolitik Sozial- und Geisteswissenschaften Organisationen und Veranstaltungen Leitung und Organisation |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Baden-Baden
Nomos Verlagsgesellschaft
2018
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| Schriftenreihe: | Schriftenreihe des Arbeitskreises Europäische Integration e. V., 182 |
| Online-Zugang: | https://www.nomos-elibrary.de/10.5771/9783845243702/europaeische-sportpolitik |
| Seiten: | 335 |
| Dokumentenarten: | Buch |
| Level: | hoch |