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Training unter artifizieller Hypoxie

Im Rahmen eines Gutachtens für den DOSB wurde eine Recherche und Bewertung der aktuellen wissenschaftlichen Literatur und des vorhandenen Experten- und Erfahrungswissens durchgeführt. Sauerstollmangel in der Umgebungsluft beeinflusst die Arbeitsbedingungen der Muskulatur, indem die Sauerstoffverfügbarkeit herabgesetzt und die Leistungsfähigkeit gemindert wird. Dies führt mittel- und langfristig zu einer Vielzahl von intra- und extramuskulären Veränderungen und Anpassungen, von denen angenommen wird, dass sie sich auch unter normoxischen Bedingungen positiv bemerkbar machen. Training unter Hypoxie hat sich daher in den vergangenen 4 Jahrzehnten weltweit zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit unter normoxischen Bedingungen etabliert. Aktuell werden unterschiedliche Formen des Hypoxie-Trainings angewandt: > live high - train high (LH-TH) > Live high - train low (LH-TL) > Live low - train high (LL-TH). Dabei kann die Hypoxieexposition unter traditionell natürlichen oder unter künstlichen Bedingungen erfolgen. Beide Trainingsformen werden - was Dauer, Hypoxiegrad/Höhe und Wiederholungen betrifft - in unterschiedlichen Variationen angewandt. Darüber hinaus existieren mehrere Protokolle, in denen Trainings- und Aufenthaltsort hinsichtlich Hypoxieexposition und Hypoxiedauer variiert und kombiniert werden, wie z. B. Live High - Train High - Train Low (LH-TH-TL). Im internationalen Spitzensport bestehen meist nur geringste Leistungsunterschiede zwischen den einzelnen Athleten bzw. Athlelinnen, so dass alle Trainingsmaßnahmen, die auch nur eine kleine Verbesserung ermöglichen, in Betracht gezogen werden sollten. Die Reaktionen auf Höhentrainingsmaßnahmen sind ausgesprochen individuell, was in Studien, in denenMittelwerte wiedergegeben werden, oft nicht repräsentiert werden kann. Dennoch zeigen sich in der wissenschaftlichen Literatur sowie nach Einschätzung von Experten aus der Praxis individuell positive Effekte insbesondere nach LH-TH und LH-TL Protokollen für Ausdauersportler bzw. -sportlerinnen. Bei LH TH scheinen dagegen die meisten Protokolle keine klare Leistungsverbesserung zu bringen. Lediglich von den erst seit wenigen Jahren untersuchten RSH Protokollen scheinen Teamsport Athleten und Athletinnen mit einer hohen Sprintfrequenz zu profitieren. Dieser Ansatz muss jedoch noch validiert werden. Insgesamt muss konstatiert werden, dass die wissenschaftlichen Kenntnisse zur Effektivität von Training unter Hypoxie noch sehr dürftig sind. Das Gutachten kommt somit zu der Auffassung, dass Aufenthalt/Schlafen und Training unter artifizielter Hypoxie sicherlich nicht generell empfohlen werden kann, aber für einzelne Athleten bzw. Athletinnen ernsthaft zur Leistungssteigerung in Betracht gezogen werden sollte. Wichtig ist, dass das Training unter Hypoxie möglichst disziplinspezifisch durchgeführt sowie wissenschaftlich geplant, kontrolliert und dokumentiert wird. (vom Autor übern. gek.)
© Copyright 2016 BISp-Jahrbuch Forschungsförderung 2015/16. Veröffentlicht von Sportverlag Strauß. Alle Rechte vorbehalten.

Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Trainingswissenschaft Biowissenschaften und Sportmedizin
Veröffentlicht in:BISp-Jahrbuch Forschungsförderung 2015/16
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Hellenthal Sportverlag Strauß 2016
Online-Zugang:http://my.page2flip.de/2895682/8822043/8822044/html5.html#/42
Seiten:41-45
Dokumentenarten:Artikel
Level:hoch