Verletzungen und Erkrankungen der Deutschen Mannschaft bei den Olympischen Sommerspielen 2016 in Rio de Janeiro

Hintergrund: Ziel der vorliegenden Arbeit ist die Erhebung und Beschreibung der behandlungsbedürftigen Verletzungen und Erkrankungen der Deutschen Olympiamannschaft während der Olympischen Spiele in Rio 2016 Methoden: Über ein elektronisch gestütztes Dokumentationssystem wurden die behandlungsbedürftigen Verletzungen und Erkrankungen erfasst und ausgewertet. Als Verletzung oder Erkrankung wurde jede medizinische Problematik gewertet, welche einer medizinischen Behandlung bedurfte, zu einer Behinderung des Trainings oder gar zur Verhinderung der Wettkampfteilnahme führte. Zahlreiche statistische Auswertung (z.?B. Art der Verletzung/akut ober überlastungsbedingt, Art der Erkrankung, anatomische Lokalisation der Verletzung) wurden durchgeführt. Ergebnisse: Insgesamt wurden während Rio 2016 für das Deutschen Team 808 medizinische Behandlungen durchgeführt. Bei den Athleten entfielen von 283 bewegungsapparatbezogenen Behandlungen 160 auf die untere Extremität. Weitere 70 Behandlungen wurden aufgrund von Rückenproblemen durchgeführt. Es wurden 164 Behandlungen bei Infekt der oberen Atemwege durchgeführt. Hochgerechnet entfielen von der Gesamtanzahl der Behandlungen 617 pro 1000 Athleten auf Erkrankungen und 672 pro 1000 Athleten auf Störungen des Bewegungsapparates. Neben den weniger schwerwiegenden Beschwerdebildern wurden aus orthopädisch-unfallchirurgischer Sicht folgende schwere Verletzungen im Gesamtkollektiv verzeichnet: ein letales Schädel-Hirn-Trauma, ein akutes Oberschenkel-Kompartment-Syndrom, eine Ruptur des vorderen Kreuzbandes (VKB) mit Innenmeniskusläsion und anterolaterale Instabilität, eine isolierte VKB Ruptur, eine basisnahe Stressfraktur des dritten Mittelfußknochens, eine laterale Band-Kapsel-Ruptur des OSG, eine Schultereckgelenkssprengung und eine infizierte Bursa präpatellaris. Schlussfolgerungen: Das genutzte Dokumentationssystem lässt sich gut und zuverlässig für ein nationales "injury und illness surveillance" bei Sportgroßveranstaltungen einsetzen. Die vorliegenden Daten sind vergleichbar mit den Ergebnissen, die während der Sommerspiele 2012 in London erhoben wurden, sodass von einer zuverlässigen Vorsorge- und Versorgungsstrategie ausgegangen werden kann. Neben der Behandlungsbedürftigkeit von Erkrankungen, die vor allem den oberen Respirationstrakt betrafen, wurden zum Teil schwere Verletzungen des Bewegungsapparates verzeichnet. Dies impliziert die Notwendigkeit der Interdisziplinarität des Betreuungsteams. Die verwendeten Methoden der Datenerfassung erlauben zurzeit keine Identifizierung von Risikofaktoren für Verletzungen und Erkrankungen und sollten zukünftig diesbezüglich erweitert werden. Autorreferat
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Biowissenschaften und Sportmedizin
Veröffentlicht in:Sportverletzung Sportschaden
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: 2017
Online-Zugang:https://www.thieme-connect.de/products/ejournals/abstract/10.1055/s-0043-101967
Jahrgang:31
Heft:1
Seiten:25-30
Dokumentenarten:Artikel
Level:hoch