13. Sportbericht der Bundesregierung
(13th Sport report of the federal government)
Der Sport als größte Bürgerbewegung Deutschlands leistet - nicht zuletzt wegen seiner integrativen Wirkung - für unsere Gesellschaft und deren Zusammenhalt, aber auch für die internationale Repräsentanz Deutschlands unschätzbare Dienste. Daher freue ich mich besonders, ein weiteres Mal als für den Sport zuständiger Bundesinnenminister den Sportbericht der Bundesregierung vorlegen zu können.
Der 13. Sportbericht der Bundesregierung bilanziert die sportpolitische Entwicklung im Zeitraum 2010 bis 2013 unter Berücksichtigung der für den Sport wesentlichen Ereignisse aus diesen Jahren sowie - aufgrund der zeitlichen Nähe - der Olympischen und Paralympischen Spiele in Sotschi, die außerhalb des eigentlichen Berichtszeitraums im Februar und März 2014 stattgefunden haben. Sowohl bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi als auch bei den Olympischen Sommerspielen 2012 in London konnte die deutsche Mannschaft jeweils den sechsten Platz erreichen. Die Paralympische Mannschaft erreichte in Sotschi sogar den zweiten Platz. Bei den 9. World Games, den Weltspielen der nicht-olympischen Sportarten, die 2013 im kolumbianischen Cali stattfanden, feierten die deutschen Sportlerinnen und Sportler ebenfalls beachtliche Erfolge und belegten den vierten Platz in der Nationenwertung. Weitere sportliche Höhepunkte waren aus deutscher Sicht die Fußball-Weltmeisterschaft (WM) der Männer 2010 in Südafrika, die Fußball-WM der Frauen 2011 in Deutschland, die Beach-Volleyball-EM 2010 in Berlin, die Bob- und Schlitten-WM 2011 in Königssee, die Hockey-Europameisterschaft (EM) der Frauen und Männer in Mönchengladbach im Jahr 2011, die WM im Rennrodeln 2012 in Altenberg sowie die Kanurennsport-WM 2013 in Duisburg. Bei allen diesen Wettbewerben konnten die deutschen Athletinnen und Athleten hervorragende sportliche Erfolge erzielen. Angesichts der gebotenen Konsolidierung des Bundeshaushalts ist es eine besondere Herausforderung, die Erfolge unserer Sportlerinnen und Sportler weiter zu ermöglichen. Ich bedanke mich ausdrücklich bei allen Partnern, mit denen die Bundesregierung in der gemeinsamen Anstrengung verbunden ist, die Spitzensportförderung auf hohem Niveau fortzuführen.
Nur bei einem effizienten Mitteleinsatz in einem transparenten Fördersystem können auch zukünftig gute Rah menbedingungen für den Spitzensport sichergestellt werden, damit Deutschland weiterhin eine erfolgreiche Sportnation bleibt. Das Bundesinnenministerium und der organisierte Sport sind sich darin einig, dass die Spitzensportförderung reformiert werden muss, um diese schlagkräftiger und wettbewerbsfähiger zu gestalten. Dies ist eine wichtige Herausforderung für die Zukunft. In einem Auftaktgespräch am 3. Februar 2014 wurde daher gemeinsam beschlossen, ein Konzept für eine Neustrukturierung der Spitzensportförderung zu entwickeln. Über deutsche Sporterfolge können wir uns nur freuen, wenn diese in fairer und sauberer Weise erreicht werden. Eine effektive Dopingbekämpfung ist daher für die Glaubwürdigkeit und Integrität des Sports von ebenso essentieller Bedeutung wie die Bekämpfung der Manipulation
von Sportwettbewerben. Die Bundesregierung beabsichtigt daher, weitergehende strafrechtliche Regelungen im Kampf gegen Doping und Spielmanipulation zu schaffen. Ferner haben sich die Regierungsparteien im Koalitionsvertrag der 18. Legislaturperiode für eine nachhaltige Finanzierung der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) ausgesprochen. Die aktuellen Planungen des Bundeshaushalts stellen dies sicher. Überdies unterstützt die Bundesregierung den Kampf gegen die Manipulation von Sportwettbewerben auch auf internationaler Ebene. Sie beteiligt sich an der Erarbeitung einer neuen Europaratskonvention zu Spielmanipulationen und machte u.a. dieses Thema zu einem Schwerpunkt der 5. UNESCO-Weltkonferenz der Sportminister (MINEPS V) im Mai 2013 in Berlin. Die dort einstimmig angenommene "Berliner Erklärung" enthält insbesondere einen umfangreichen Katalog von Empfehlungen zur Verbesserung der internationalen Zusammenarbeit bei der Bekämpfung der Manipulation von Sportwettbewerben. Auch hierzu sind gesetzgeberische Maßnahmen geplant. Ein weiterer zentraler Gegenstand der "Berliner Erklärung" ist die Aufforderung an die internationalen Sportverbände, den Anforderungen an die Bewerbung und Ausrichtung von Sportgroßveranstaltungen im Hinblick auf Aspekte wie Transparenz, Nachhaltigkeit, gesellschaftlicher Nutzen und Partizipation Priorität einzuräumen. Gigantismus der Ausrichter sowie die Vergabepraxis der internationalen Dachverbände für Sportgroßveranstaltungen trifft in Deutschland - wie auch andernorts - auf verständliche Skepsis in der Bevölkerung. Das haben die Bürgervoten gegen eine Bewerbung um die Ausrichtung der Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2022 in Bayern deutlich gezeigt. Die Bundesregierung und die nationalen Sportorganisationen werden hier gemeinsam darauf achten, dass nicht eine negative Sogwirkung für den Leistungssport insgesamt entsteht. Olympia muss auch in Deutschland eine Zukunft haben und das geht nur mit der Unterstützung der Bevölkerung!
Das Scheitern der Bewerbung der Landeshauptstadt München gemeinsam mit der Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen und dem Landkreis Berchtesgadener Land um die Ausrichtung der Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2018 habe ich sehr bedauert. Trotz der nachhaltigen Unterstützung durch alle staatlichen Ebenen, die die deutsche Olympiabewerbung erfahren hatte, entschied sich das Internationale Olympische Komitee im Rahmen der 123. Session in Durban (Südafrika) für Pyeongchang (Südkorea) als Austragungsort der Winterspiele 2018. Dadurch ist die Vision, nach über 40 Jahren wieder Olympische Spiele in Deutschland veranstalten zu können, vorerst zu Ende gegangen. Die aktuellen Überlegungen zu einer möglichen deutschen Bewerbung für die Olympischen und Paralympischen Sommerspiele begrüße ich deshalb ausdrücklich. Sorgen bereiten mir nach wie vor die gewaltsamen Auseinandersetzungen im Zusammenhang mit Fußballspielen. Es ist nicht hinnehmbar, dass sich mittlerweile verschiedene gewaltbereite Gruppen - Hooligans, radikale Ultras, aber auch rechtsextreme Gruppen - zusammenschließen, um Fußballspiele und die An- und Abreise als Orte von Gewaltausübung gegeneinander und gegen Polizei und Ordnungskräfte zu missbrauchen. Das Bundesministerium des Innern (BMI) hat im Berichtszeitraum zwei Runde Tische initiiert, um den Dialog zwischen Polizei, Verbänden, Vereinen und Fans zu fördern. Dabei sind schon große Fortschritte erzielt worden. Wir müssen dieser Radikalisierung aber weiterhin durch einen engen Schulterschluss aller Beteiligten begegnen. Denn nur, wenn alle Netzwerkpartner zusammenarbeiten, kann die Gewalt im Fußball effektiv bekämpft werden und die Fankultur in Deutschland erhalten bleiben. Ein zentrales sportpolitisches Anliegen für die Bundes regierung im Berichtszeitraum bleibt die Förderung des Leistungssports von Menschen mit Behinderung. Erstmalig mit dem Haushalt 2011 ist es zur Intensivierung der im Jahre 2006 vom BMI gestarteten Beschäftigungsinitiative "Duale Karriere für paralympische Spitzensportlerinnen und Spitzensportler im öffentlichen Dienst des Bundes" gelungen, im Haushalt des Bundesministerium der Finanzen einen Pool von zehn Stellen einzurichten. Er dient dazu, einstellungsbereiten Bundesbehörden, die der Verstärkung ihres Stellenhaushalts für die Beschäftigung einer Spitzensportlerin oder eines Spitzensportlers mit Behinderung bedürfen, Stellen zuzuweisen. Ich freue mich, dass dieser Einsatz und die großartigen Leistungen der Athletinnen und Athleten mit einer besseren Medienberichterstattung über den paralympischen Sport belohnt werden. Insbesondere die Olympischen Sommerspiele in London 2012 haben dazu geführt, dass die Paralympics endgültig aus dem Schatten der Olympischen Spiele herausgetreten sind. Die Bundesregierung wird sich mit dem gebotenen Engagement für die Umsetzung der sportpolitischen Ziele einsetzen und hierzu auch künftig vertrauensvoll und in enger Abstimmung mit ihren Partnern im deutschen
Sport zusammenarbeiten. Gemeinsam wollen wir so die erforderlichen Rahmenbedingungen für einen erfolgreichen deutschen Spitzensport weiterhin garantieren.
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| Notationen: | Organisationen und Veranstaltungen Leitung und Organisation |
| Veröffentlicht in: | Parlamentsdrucksachen |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Berlin
Deutscher Bundestag
2014
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| Online-Zugang: | http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/035/1803523.pdf |
| Seiten: | 1-152 |
| Dokumentenarten: | elektronische Publikation |
| Level: | mittel |