Der Dopingdiskurs der 1950er und 1960er Jahre in den Leitmedien Der Spiegel und Die Zeit

Doping und Antidoping sind sozial konstruierte, prozessuale und historisch kontingente Phänomene, die auf Verständigungen von Akteuren über Verbotenes und Erlaubtes beruhen. Daher ist der öffentliche Diskurs über Doping und Antidoping ein wichtiges Element der Dopinggeschichte. Die Inhaltsanalyse des Dopingdiskurses in den meinungsbildenden Publikationen Der Spiegel und Die Zeit in den 1950er und 1960er Jahren zeigt nur eine geringe öffentliche Aufmerksamkeit für Doping, obwohl das Problembewusstsein im Zuge der Politisierung des Sports zunimmt und qualitative Veränderungen durch das anabole Doping erkannt werden. Doping gilt nicht als besonders brisantes, sondern als lösbares Problem. Bezüge zum westdeutschen Sport werden nicht hergestellt. Doping wird ethisch einhellig als negativ bewertet. Weder wird den Sportverbänden umfassend misstraut noch werden klare und energische Forderungen an Sportpolitik und -verbände gerichtet. Der bekannte Beitrag Brigitte Berendonks von 1969 markiert daher eine qualitative Wende im öffentlichen Diskurs über Doping. Doping and antidoping are socially constructed, evolving and historically contingent phenomena relying on actors agreeing about allowed and deviant behaviour. Therefore, public discourse about doping represents an important part of the history of doping and antidoping. Content analysis of doping discourse in German quality media Der Spiegel und Die Zeit in the 1950s and 1960s shows that public attention for doping was rather low even though awareness increased due to the politicisation of sport and the rise of anabolic doping. Doping does not appear as a particular pressing but solvable problem. Moreover, doping is not linked to West German sport. In ethical terms, doping is perceived negatively. Neither does there exist a general mistrust in the sport bodies nor are sport bodies or sport policy clearly and resolutely requested to act. Therefore, the wellknown 1969 article by Brigitte Berendonk marks a qualitative turn in public doping discourse.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Sozial- und Geisteswissenschaften Sportgeschichte und Sportpolitik
Veröffentlicht in:Sportwissenschaft
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: 2012
Online-Zugang:http://doi.org/10.1007/s12662-012-0242-z
Jahrgang:42
Heft:3
Seiten:163-177
Dokumentenarten:Artikel
Level:mittel