Informationsversorgung von Trainerinnen und Trainern

Trainer nehmen Schlüsselpositionen im Leistungssport ein. Im Rahmen der "Traineroffensive" wird der Informationsversorgung von Trainern deshalb eine hohe Priorität zugewiesen. Sie sollen nicht nur Berater und Betreuer, sondern Wissensexperte und "Konstrukteur von Wettkampferfolgen des Athleten" (Franke, 2008) sein. Es wird erwartet, dass sie auf dem neuesten Informationsstand sind und sich kontinuierlich weiterbilden. Tatsächlich gibt es jedoch kaum Erkenntnisse darüber, welche der bestehenden Informationsangebote Trainer für ihre Arbeit nutzen. Diskussionen über Trainerwissen und das vermeintlich defizitäre Verhältnis zwischen Wissenschaft und Trainingspraxis (vgl. z. B. Hohmann & Lames, 2007; Killing, 2005 und 2009; Krüger, 2003; LaTorre et al., 2005; Lames et al., 2003; Letzelter, 2006; Pfützner & Sell, 2007) fußen allein auf Beobachtungs- und Erfahrungswerten von zahlreichen Praktikern und Wissenschaftlern, ohne dass diese bislang durch systematisch erhobene Daten gestützt werden. In der vorgestellten Studie wurden erstmals repräsentative empirische Daten zum Informationsverhalten und zum subjektiven Informationsbedarf der deutschen Spitzentrainer erhoben. Die Ergebnisse zum Informationsverhalten der Trainer und ihre Einschätzung der verschiedenen Informationsangebote bilden den Ausgangspunkt für Optimierungsvorschläge. Die Informationssituation für Trainer im deutschen Leistungssport ist nicht als optimal anzusehen. Der Wunsch einer praxisgerechten Aufbereitung von Informationen wird nur von wenigen Angeboten erfüllt. Auf der anderen Seite ist der Informationsbedarf nicht alleine mit publizierten Informationen abzudecken, denn Trainer haben ihre ganz eigenen Informationsgewohnheiten: Sie generieren ihr Wissen vorwiegend über Gespräche und Beobachtungen. Um die Informationssituation für Trainer zu verbessern, müssen sich daher die Informationssysteme den Gewohnheiten der Trainer anpassen. Ein erster Optimierungsvorschlag geht daher in Richtung einer internetbasierten, zentral gesteuerten und dezentral gespeisten visuellen Datenbank nach australischem Vorbild, durch die der Zugang zu Videodateien optimiert werden kann. Eine Erhöhung des Zeitbudgets für Informationstätigkeiten ist im Hinblick auf 60-Stunden-Wochen nur durch eine Entlastung der Trainer von organisatorischen Aufgaben zu erreichen. Umso wesentlicher erscheint es, Informationszugänge zu schaffen, die sich am Alltag der Trainer orientieren. Mobile Systeme, die auch unterwegs im Auto oder auf Wettkämpfen nutzbar sind, ermöglichen eine zeit- und ortsunabhängige Informationsnutzung. Redaktioneller Content ist dabei unverzichtbar - Podcasts für Trainer, die beispielsweise Interviews mit Wissenschaftlern und Praktikern anbieten, sind hier denkbar. Solche Podcasts können mittlerweile mit relativ geringem Aufwand produziert und verbreitet werden und decken sich mit den Informationsgewohnheiten der Trainer. Eine Optimierung der Vernetzung ist durch eine externe Hilfestellung denkbar - so werden Mentoring- und Trainee-Programme bereits in der Literatur gefordert (Nordmann, 2007). Aber auch eine Erweiterung der Netzwerke durch verbesserte Kontaktmöglichkeiten zu Wissenschaftlern oder Trainerpersönlichkeiten - beispielsweise auf Fortbildungsveranstaltungen - ist wünschenswert. Für Fortbildungen empfiehlt sich eine Orientierung an leistungshomogenen Zielgruppen und dem spezifischen Bedarf der teilnehmenden Trainer. Ebenso wichtig ist es, Anknüpfungspunkte für den Praxistransfer aufzuzeigen und Platz für Kommunikation mit den Referenten oder anderen Teilnehmern zu schaffen.
© Copyright 2009 BISp-Jahrbuch Forschungsförderung 2008/09. Veröffentlicht von Bundesinstitut für Sportwissenschaft. Alle Rechte vorbehalten.

Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Ausbildung und Forschung Trainingswissenschaft Leitung und Organisation Theorie und gesellschaftliche Grundlagen
Veröffentlicht in:BISp-Jahrbuch Forschungsförderung 2008/09
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Bonn Bundesinstitut für Sportwissenschaft 2009
Online-Zugang:http://www.bisp.de/nn_113306/SharedDocs/Downloads/Publikationen/Jahrbuch/Jb__200809__Artikel/Muckenhaupt__269,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/Muckenhaupt_269.pdf
Seiten:269-275
Dokumentenarten:Buch
Level:hoch