Essstörungen und Leistungssport: Essstörungsspezifische Merkmale bei Sportlerinnen ästhetischer Sportarten

Aufgrund der starken Schlankheitsorientierung in ästhetischen Sportarten und kontroverser Befunde zur Rolle von Leistungssport für die Genese von Essstörungen gingen wir in vorliegender Untersuchung der Frage nach essstörungsspezifischer Psychopathologie unter besonderer Berücksichtigung des Körperbildes bei Sportlerinnen verschiedener ästhetischer Sportarten nach. 65 Leistungssportlerinnen aus der Rhythmischen Sportgymnastik (RSG) und dem Eiskunstlauf (EKL) wurden im Vergleich zu Patientinnen mit Anorexia nervosa (AN) und einer gesunden Kontrollgruppe (KG) untersucht. Unsere Ergebnisse zeigen keine Unterschiede zwischen den RSG und der KG, hingegen deutliche Unterschiede zu den AN-Patientinnen. RSG und EKL unterschieden sich lediglich in der Einschätzung des Oberschenkelumfangs, wobei letztere sich stärker überschätzten. Für die EKL fanden wir Ähnlichkeiten zu den AN-Patientinnen in der Überschätzung des Umfangs ihres eigenen Oberschenkels, Perfektionismus und Misstrauen gegenüber anderen. Unsere Ergebnisse weisen auf leichte Unterschiede zwischen den untersuchten Sportarten hin und betonen somit die Notwendigkeit einer differenzierten Betrachtung unterschiedlicher ästhetischer Sportarten in Bezug auf die Diskussion um körperbetonte Sportarten und Essstörungen/essstörungsrelevante Psychopathologie. Due to a strong emphasis on leanness in aesthetic sports and controversial findings regarding the role of elite competitive sports in the development of eating disorders, we aimed to investigate eating-disorder-related psychopathology, particularly body image distortion, in a sample of 65 competitive athletes participating in rhythmic gymnastics (RG) and figure skating (FS). The athletes were compared to patients with anorexia nervosa (AN) and a healthy control group (CG). Our results show no differences between the RG and the CG groups, but significant differences between the RG and group AN patients. The RG and FS athletes differed regarding the estimation of the circumference of their upper thigh, with FS athletes overestimating more. The FS and AN groups had similar scores regarding thigh estimation, perfectionism, and interpersonal distrust. Our results suggest possible differences between different aesthetic sports. Therefore, a differentiated consideration of these sports and their role in the development of eating disorders is necessary.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Biowissenschaften und Sportmedizin technische Sportarten
Veröffentlicht in:Zeitschrift für Sportpsychologie
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: 2009
Online-Zugang:https://doi.org/10.1026/1612-5010.16.4.131
Jahrgang:16
Heft:4
Seiten:131-139
Dokumentenarten:Artikel
Level:hoch