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Rationale und rationelle EBV-Diagnostik im Leistungssport: Evaluation von serologischen Quer- und Längsschnittdaten bei Ausdauerathleten und Kontrollpersonen

In einer Querschnittsstudie (202 Athleten im Vergleich zu 200 Normalpersonen) wurde der EBV-Serostatus und die Variabilität des EBV-Antikörperprofils mithilfe eines quantifizierbaren Lineassays mit rekombinanten Antigenen und der IFT bestimmt. Die Scanmethodik des Lineassay erlaubte dabei erstmals die quantitative Messung von Antikörperkonzentrationen, sodass besonders die beiden Gruppen statistisch genau verglichen werden konnten. Zwischen den beiden Kollektiven konnte kein wesentlicher signifikanter Unterschied festgestellt werden (p=0,144). Lediglich "kürzlich zurückliegende Fälle" waren bei den Athleten häufiger als bei den Normalpersonen (5,4% vs. 0,5%). In beiden Kollektiven wurde je nur eine frische Infektion festgestellt. Besonders die häufig zu Fehldiagnosen (akute oder persistierende akute Infektion) führende Antikörper-Konstellation mit negativem Anti-EBNA-1 Befund, trotz abgelaufener Infektion, war bei beiden Kollektiven in gleicher Häufigkeit vorhanden (Athleten 4,5%, Normalpersonen 3,5%). Mit der Immunfluoreszenztechnik wurden sogar in 9,4% der Athleten und 9,5% der Normalpersonen frische Infektionen aufgrund eines negativen Anti-EBNA-1 Befundes vorgetäuscht. Durch den zweiten späten Marker des Lineassay Anti-p18 konnten diese Fälle als länger zurückliegend erkannt werden. Eine Aviditätsbestimmung war in 17,9 % aller zurückliegenden Fälle zur Sicherung der Diagnose und Differenzierung von "kürzlich" und "länger" zurückliegenden Infektionen notwendig. Bei seropositiven Personen mit negativem Anti-EBNA-1 sollte daher zukünftig eine Lineassay- Serologie durchgeführt und durch die Aviditätsbestimmung ergänzt werden, um zwischen wirklich frischen Infektionen und abgelaufenen Infektionen mit aberranter serologischer Konstellation zu unterscheiden. Dieses Vorgehen führt besonders im Sport zu einer eindeutigen Diagnostik und verhindert die Verunsicherung bei Athleten und Trainern. Die Messungen der Antikörperkonzentrationen führten auch zu einer Revision der Beurteilung von Antikörpern gegen EA: diese können auch ohne klinische Symptomatik auftreten und scheinen in keinem Zusammenhang mit einer Virusreaktivierung zu stehen. In einer Longitudinalstudie wurde die in der Querschnittstudie ermittelte hohe Variabilität der serologischen Antwort verschiedener Personen bestätigt und gleichzeitig die Konstanz des serologischen Profils der gleichen Person über einen langen Zeitraum aufgezeigt. Es ergab sich kein Hinweis auf serologische Besonderheiten aufgrund der in der Literatur diskutierten Immunsuppression bei Athleten.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Biowissenschaften und Sportmedizin Ausdauersportarten
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Freiburg im Breisgau Albert-Ludwigs-Universität Freiburg 2006
Online-Zugang:https://freidok.uni-freiburg.de/data/2714
Seiten:119
Dokumentenarten:Dissertation
Level:hoch