Sinn und Unsinn von hämatologischen Grenzwerten im Ausdauersport - Folgerungen aus den Dopingskandalen von Turin 2006

Wie die jüngsten Ereignisse der Olympischen Spiele in Turin zeigen, ist das Problem der Blutmanipulation im Ausdauersport bei weitem nicht gelöst. Die als Screening Verfahren genutzten Grenzwerte für [Hb] und Hkt sind erneut in die Diskussion gekommen, da sie zum Teil starken kurzfristigen Schwankungen unterliegen, die von den Regeln der einzelnen Verbände kaum oder nicht beachtet werden. Zu einer physiologischen Veränderung der Grenzwertgrößen tragen die Tageszeit, die Körperposition, der ernährungsbedingte und höhenabhängige Hydratationszustand und eine Trainingskarenz bei. Variationen im Hkt um über 3 % und in der [Hb] um über 1g/dl können folglich nicht nur durch manipulative Maßnahmen, sondern auch durch Plasmavolumenschwankungen erklärt werden. Da zudem in Zukunft eine Vielzahl von erythropoietischen Substanzen verfügbar sein wird, deren Missbrauch nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden kann, ist es umso wichtiger, ein Verfahren zu entwickeln, welches die totale Hämoglobinmenge als zentrale Zielgröße einer jeden Manipulation kontrolliert. Durch eine flächendeckende wiederholte Anwendung dieses Verfahrens könnten Veränderungen der Dopingzielgröße kontinuierlich verfolgt werden, ohne dass Variationen im Plasmavolumen als Störgröße auftreten.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Biowissenschaften und Sportmedizin
Veröffentlicht in:Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: 2006
Online-Zugang:https://www.germanjournalsportsmedicine.com/fileadmin/content/archiv2006/heft02/54-56.pdf
Jahrgang:57
Heft:2
Seiten:54-56
Dokumentenarten:Artikel
Level:hoch