Höhen- und Trainingseffekte auf die Erythropoese bei Frauen. Vergleichende Untersuchungen in Kolumbien und Deutschland
Bei Frauen ist die Erythropoese nicht systematisch erforscht, daher ist die Reaktion auf Höhe und auf Höhentraining nicht bekannt. Um diese Reaktionen zu untersuchen, wurde die Hämoglobinmasse (Hb-Masse) durch die CO-Rückatmungsmethode bei jungen untrainierten (UT), semitrainierten (ST) und ausdauertrainierten (AT) (insgesamt 57) Frauen aus Bogotá (2 600 m über N.N.) gemessen und die Ergebnisse mit denen von 19 Probandinnen ähnlicher Leistungsfähigkeit aus Cali (960 m über N.N.) und von 73 Probandinnen aus Berlin (35 m über N.N.) verglichen. Zusätzlich wurde der Zusammenhang der Hb-Masse mit der maximalen aeroben Leistungsfähigkeit (VO2max) untersucht. Indikatoren der Erythropoese und des Eisenstoffwechsels wurden ebenfalls bestimmt. Die Hb-Masse-Werte waren in allen Höhenlagen nicht unterschiedlich, wenn Frauen mit ähnlichem Trainingszustand verglichen wurden (z.B. bei UT-Frauen 8.9?9.5 g· kg-1). Ausdauertraining erhöhte die Hb-Masse in allen Höhenlagen um 2?3 g· kg-1. Die Erythropoietin- Aktivität (EPO) war in Bogotá sehr wenig erhöht und die Indikatoren des Eisenstoffwechsels waren innerhalb des normalen Bereiches. Die VO2max von UT und ST-, aber nicht von ATFrauen aus dem Hochland war signifikant geringer als im Tiefland, auch wenn die hypoxiebedingte Verschlechterung der VO2max berücksichtigt wurde. Eine mögliche Ursache für diese schwache Leistungsfähigkeit könnte die geringere körperliche Aktivität der nicht ATHöhenbewohnerinnen sein. Wegen der engen Korrelation der Leistungsfähigkeit mit der Hb- Masse wurde diese für gleiche VO2max durch Kovarianzanalyse korrigiert. Nach Ausschließen dieses Faktors wurde ein 6.7%iger Anstieg der Hb-Masse bei 2 600 m, der kleiner war als bei Männern (>12%), errechnet. Die verminderte Zunahme der Hb-Masse bei weiblichen Höhenbewohnern ergab sich vermutlich aus einer Zunahme der Ventilation, die durch weiblichen Hormonen verursacht wird, wodurch die arterielle Sauerstoffsättigung (SaO2) weniger als bei Männer abnimmt. Zusätzliche Messungen bei 6 auf 2 600 m lebenden Bergsteigerinnen zeigten einen signifikanten Anstieg der Hb-Masse gegenüber den ST-Frauen mit ähnlichen Trainingszustand. Eine niedrigere signifikante SaO2 (92.0%) deren Ursache nicht zu ermittelt war, dürfte der auslösende Stimulus für die Zunahme der Hb-Masse sein. Bei postmenopausalen Frauen (PM) fehlt wegen Ausbleiben von Progesteron und Östrogen- Ausschüttung die Stimulation der Atmung, daher wurde man bei diesen Probandinnen eine stärkere Erythropoese erwartet. Eine Gruppe von 9 untrainierte (UTPM) und 12 trainierten postmenopausalen Teilnehmerinnen (TPM) wurden untersucht, um diese Hypothese zu überprüfen. Da im Alter der Körperfettanteil erhöht ist, wurde die Hb-Masse mit der fettfreien Körpermasse korreliert. Dieser Wert war bei UTPM um 1.1 g· kg-1 (p<0.05) größer als bei UT jungen Frauen. Dies passt zur niedrigeren SaO2 (89.2%). Die Ursache kann am Fehlen der weiblichen Hormone, aber auch an der Verschlechterung der Lungenfunktion im Alter liegen.
© Copyright 2004 Veröffentlicht von Freie Universität Berlin. Alle Rechte vorbehalten.
| Schlagworte: | |
|---|---|
| Notationen: | Biowissenschaften und Sportmedizin Trainingswissenschaft |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Berlin
Freie Universität Berlin
2004
|
| Online-Zugang: | https://refubium.fu-berlin.de/handle/fub188/8021 |
| Dokumentenarten: | Dissertation |
| Level: | hoch |