Bewegungsstatus von Kindern und Jugendlichen in Deutschland

Die vorliegende Studie hat aufzeigen können, welche Defizite im Bewegungsverhalten und Bewegungsstatus von Kindern und Jugendlichen in Deutschland heute zu beklagen sind. Sie hat insbesondere auch belegen können, welche alters-, geschlechts- und kontextbedingten Mängel und Entwicklungen im einzelnen vorliegen. Darüber hinaus verweisen die Ergebnisse, wie sie sich aus der sekundäranalytischen Sichtung der empirischen Literatur der vergangenen zehn Jahre sowie aus der repräsentativen Primärerhebung bei 12- bis 18-jährigen Kindern und Jugendlichen in Deutschland ergeben haben, auf eine Reihe von Ansatzpunkten, die eine Verbesserung des Bewegungsverhaltens und Bewegungsstatus bewirken könnten. Aufbauend auf einer grundsätzlich positiven Einstellung zum Sporttreiben und auch auf einem - wenn auch mit zunehmendem Jugendalter abnehmendem - großen Elan, mit dem Sport betrieben wird, lassen sich durch eine gezielte Förderung der Bereiche, von denen sich die Kinder und Jugendlichen am ehesten zum Sport im Verein, in der Schule oder in der Freizeit motivieren lassen, Erfolge erzielen. Wenn in so deutlicher Weise Gesundheit und Fitness sowie soziale Erfahrung, Interaktion und Geselligkeit für die Kinder und Jugendlichen in allen Bereichen des Sporttreibens im Vordergrund stehen, sollte diesen Erfordernissen unbedingt verstärkt Rechnung getragen werden. Ein weiteres Ergebnis dieser Untersuchung ist, dass bisher eine defizitäre Datenlage zu beklagen ist, welche die Verallgemeinerbarkeit vorliegender Befunde sowie eine Längsschnittbeobachtung erschwert. Mit dem in der Primärerhebung eingesetzten Fragebogeninstrument ist der Versuch eines systematischen Ansatzes unternommen worden, der es erlaubt, Sport und Bewegung in Verein, Schule und Freizeit übergreifend zu erfassen. Für künftige Erhebungen, die in jährlichen Abständen kontinuierliche Informationen zum Bewegungsstatus von Kindern und Jugendlichen in Deutschland liefern sollten, wären noch einige der Fragen zu ergänzen und zu vertiefen, die als Ergebnis der sekundäranalytischen Sichtung derzeit als noch nicht schlüssig beantwortbar angesehen werden müssen. Hierzu zählen beispielsweise Fragen danach, auf welche Aktivitäten und weshalb sich das Sporttreiben mit zunehmendem Jugendalter zu verlagern beginnt, herauszufinden, worin die Bruchstelle zwischen Kindheit und Jugend begründet ist, die diesen Unterschied erst voll zur Geltung bringt, zu ergründen, auf welche Motive gerade auch der starke Rückgang des Sportinteresses bei Mädchen und jungen Frauen zurückzuführen ist, herauszufinden, ob analog zur zunehmenden Angleichung der Verhältnisse in Ost- und Westdeutschland sich in den neuen Bundesländern ähnliche Verhältnisse und auch Defizite (z.B. im Mädchensport) herausbilden, wie sie für Westdeutschland bereits seit längerem gelten, zu ermitteln, wie Sportarten und Präferenzen mit bestimmten monostrukturellen oder vielfältigen, regional unterschiedlichen Angebotsstrukturen variieren und wie das Sportpensum in Abhängigkeit von diesen Angeboten schwankt, herauszufinden, inwieweit die Bereitschaft bestünde, Trend- und Gesundheitssportarten verstärkt auch im Verein auszuüben, herauszuarbeiten, inwieweit die soziale Schicht Unterschiede begründet, die spezifischen Interventionen insbesondere im Vereins- und Schulsport zugänglich sind, sowie zu ermitteln, wie es möglich sein könnte, Mädchen in stärkerem Maße und schwächere Schüler überhaupt an den Sportunterricht und damit den Sport im allgemeinen heranzuführen. Empfehlenswert wäre es, künftig solche regelmäßigen repräsentativen Befragungen im Rahmen des ebenfalls in dieser Studie getesteten Bewegungs-Check-Up in Schulen bei einer Stichprobe der einbezogenen Schülerinnen und Schüler einzusetzen. Dies böte den entscheidenden Vorteil, dass man jährlich für eine repräsentative Stichprobe neben den Einstellungsund Verhaltensdaten auch Informationen über den Bewegungsstatus verfügbar hätte und langfristige Entwicklungen in der körperlichen Leistungsfähigkeit, verbunden mit bewegungs- und sportrelevanten Einstellungs- und Verhaltensparametern nachzeichnen könnte. Der Bewegungs-Check-Up in Schulen, wie er im Rahmen dieser Studie entwickelt und getestet wurde, erfüllt neben dieser sport- und sozialwissenschaftlichen sowie epidemiologischen Funktion insbesondere auch den Zweck, dass er Sportlehrern sowie Schülerinnen und Schülern einen steten Überblick über Stärken und Schwächen und damit auch über Ansatzpunkte gibt, wie diese gezielt unterstützt bzw. behoben werden können. Es sollte versucht werden, möglichst viele Kultusverwaltungen und Schulen sowie Eltern und Sportlehrer gemeinsam mit ihren Verbänden für eine weitgehend flächendeckende Umsetzung dieses Bewegungs-Check-Up zu gewinnen. Gemeinsam mit der bei einer repräsentativen Stichprobe dieser Population regelmäßig durchzuführenden schriftlichen Befragung, wie sie oben beschrieben wurde, ließe sich hiermit die vielfach und zu Recht beklagte Informationslücke zum Bewegungsverhalten und Bewegungsstatus von Kindern und Jugendlichen in Deutschland schließen.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Ausbildung und Forschung Biowissenschaften und Sportmedizin
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: 2000
Online-Zugang:http://www.isb.bayern.de/gym/sport/wiadstudie2000.pdf
Dokumentenarten:Forschungsergebnis
Level:hoch