Plädoyer für eine prozeßorientierte "Trial-to-Trial"-Analyse bei der Untersuchung motorischer Lernprozesse
Basierend auf der Grundlage früherer Arbeiten wird der Selbsteinschätzung eine positive Wirkung bei der Entwicklung von Fehlererkennens- und Fehlerkorrekturprozessen und damit auf das motorische Lernen zugeschrieben. Einige Untersuchungen vor allem die Studie von Schmidt und White (1972) konnten zeigen, daß sich die Differenz zwischen motorischer Ausführungsleistung und der Selbsteinschätzung verringerte bei gleichzeitigem Anstieg der Korrelation der beiden Variablen über den Übungsverlauf. Die sich verringernde Differenz und der Anstieg der Korrelation wird interpretiert als wirksamer Fehlererkennensmechanismus und damit implizit als funktionierender Fehlerkorrekturmechanismus. Der traditionelle Weg, die Effekte von Fehlererkennens- und Fehlerkorrekturprozessen empirisch zu zeigen, basiert auf dem Vergleich von mittleren, vorab definierten Fehlerwerten zwischen informationell gestützten Phasen der Aneignung und informationell nicht gestützten Phasen der Aneignung. Die Fehlerwerte werden als geblockte Werte aus meist fünf Einzelversuchen verrechnet. Inferenzstatistisch werden die so erhobenen Werte anhand einer einfaktoriellen Varianzanalyse mit Meßwiederholung analysiert. Zu problematisieren sind an dieser traditionellen Datenanalyse folgende Aspekte:
1.) Zur Datenanalyse werden sowohl für die motorische Ausführungsleistung als auch für die Selbsteinschätzung nur gemittelte Daten herangezogen.
2.) Die meist aus fünf Einzelversuchen gemittelten Daten können die Wirkung über einzelne Ausführungsversuche, die möglicherweise durch die Selbsteinschätzung induziert wird, nicht beschreiben (vgl. Spray & Newell 1986).
Auf der Basis der bisherigen Analyseebene läßt sich ausschließlich ein globaler Effekt von Selbsteinschätzung und motorischem Lernen zeigen. Denn die Effekte von Selbsteinschätzung werden indirekt über die Leistungseffekte unter einer Realisierungsbedingung ohne KR interpretiert. Effekte von Selbsteinschätzung auf die Fehlererkennung und Fehlerkorrektur sollten in einer "Trial-to-Trial" Analyse zu zeigen sein. Charakterisiert wird die "Trial-to-Trial"-Analyse als direkte Analyse. Es sollte sich zeigen lassen, ob und wie der Lerner die Selbsteinschätzung zur Fehlererkennung und Fehlerkorrektur im nachfolgenden Ausführungsversuch nutzt. Um diese Annahme zu prüfen, wird ein stochastisches Modell als Prüfansatz gewählt, um die direkte Evidenz von fehlererkennender und fehlerkorrigierender Wirkung von Selbsteinschätzung aufzuzeigen.
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| Schlagworte: | |
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| Notationen: | Trainingswissenschaft |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
1998
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| Online-Zugang: | http://www.tu-darmstadt.de/fb/fb3/sport/veranst/bei/panzer.htm |
| Dokumentenarten: | Kongressband, Tagungsbericht |
| Level: | mittel |