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Trainingswissenschaftliche Grundlagen einer computerunterstützten Trainingsprozeßdiagnostik

Im ersten Teil des Vortrags wird die Wortschöpfung "Trainingsprozeßdiagnostik" aus der Sicht der trainingswissenschaftlichen Theorie und der trainingspraktischen Anwendung erklärt. Im wesentlichen wird auf das Theoriegebäude und die Systematik von Schnabel/Harre/Borde (1994) zurückgegriffen. Anschließend wird die Einbettung der Trainingsprozeßdiagnostik in ein Trainingssystem mit einer Koordinierung der weiteren Bereiche Trainingsprozeßplanung und Handlungsvollzüge im Trainingsprozeß dargestellt. Der Bereich des Handlungsvollzuges wird im Sinne einer Subordination in die Handlungsbereiche des Trainings, des Wettkampfes und in begleitende Maßnahmen im Trainingsprozeß gegliedert. Will eine Trainingsdiagnostik umfassend und vollständig die relevanten Informationen zum Trainingsprozeß erfassen, abbilden und bewerten, so müssen aus allen drei Handlungsbereichen systematisch Daten bearbeitet werden. Eine für den Referenten gültige Definition des Begriffes Trainingsprozeßdiagnostik mit Erläuterungen schließt dieses Kapitel ab. Im Hauptteil des Referates werden die Verfahrensbereiche der Trainingsprozeßdiagnostik vorgestellt, die der Referent in nunmehr dreijährigem Einsatz im Hochleistungssport mit Hilfe von Athleten der Sportarten Skilanglauf, Triathlon und Mountainbike erstellt, erprobt und weiterentwickelt hat. Die Verfahrensbereiche sind Trainingsanamnese, Erfassung, Abbildung, Dokumentation und Analyse der Daten aus dem Trainingsprozeß. Zu allen Begriffen werden Definitionen vorgestellt, wobei größter Wert auf Widerspruchsfreiheit gelegt wird. Näher eingegangen wird auf einen Verfahrensunterbereich der Datenabbildung, die Datenprotokollierung. Die Transformation relevanter Informationen in eine aggregierte Datenstruktur wird diskutiert. Die Strukturierung der Datenbasis in die zwei Großgruppen Trainingsbereiche und Trainingsmittel wird kurz erörtert. Abschließend wird auf die Problematik des Begriffes "Wahrheit" der Trainingsprotokollierung eingegangen. Ergänzend zu den theoretischen Ausführungen werden ausgewählte Beispiele von Trainingsaufzeichnungen, Wettkampfaufzeichnungen, Trainingsprozeßprotokollen und Trainingsprozeßanalysen aus den Sportarten Skilanglauf, Mountainbike und Triathlon vorgestellt. Ein kurzer thematischer Ausflug in die Bereiche des fitneßorientierten und des gesundheitsorientierten Trainings soll einerseits die Schwierigkeit, andererseits jedoch mit Deutlichkeit die Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit einer Trainingsprozeßdiagnostik auch für diese Sparten dokumentieren. Abgeschlossen wird der Vortrag durch eine Soll-Zustandsbeschreibung einer computerunterstützten Trainingssystematik, in der die Bereiche Trainingsprozeßplanung, Leistungsdiagnostik und Trainingsprozeßdiagnostik im Systemhintergrund optimal verknüpft sind. Ohne dem Anwender, sprich Trainer und Sportler, Kreativität, Spontanität, Individualität und Innovationskraft zu nehmen, soll das Programm helfen, Zeit zu sparen, Systematik einzubringen und Planungsgrundlagen zu schaffen. Zu den obig genannten Items werden Beispiele aus der Praxis gebracht. Aufgezeigt wird, wie und wieviel Zeit gespart werden kann, in welcher Form Systematik eingebracht wird, und wie hilfreich sie ist, wie Planungsgrundlagen gewonnen werden, wie sie genutzt werden, und wie sie helfen, die Planung zu optimieren. Weitere Zukunftsperspektiven sind die strukturierte Kommunikation auf Datenbasis des Programms, die Vernetzung mehrerer Athleten aus einer Sportart und die Übertragung erfolgreicher Trainingskonzepte von Sportarten vergleichbarer Trainingstruktur.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Naturwissenschaften und Technik
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: 1999
Online-Zugang:http://www.iacss.org/meetings/css99/iacss_css99_database.html#Schwarz
Dokumentenarten:Kongressband, Tagungsbericht
Level:hoch