Die Bedeutung des organisierten Sports in der türkischen Gesellschaft
In der Türkei genießt der Vereinssport nur eine marginale Bedeutung. Nur der Fußball hat eine Ausnahmestellung. Die geringe aktive Teilnahme im Vereinssport ist nicht unbedingt nur auf organisatorische Mängel und Fehler zurückzuführen. Fakt ist, dass es im Gegensatz zu den europäischen Vorbildern zu wenig Sportplätze und Vereine gibt. Diese Situation wird durch das Verhalten der Bevölkerung mit bedingt. Denn der Vereinssport hat sich nicht historisch im Leben der Bevölkerung verfestigt, da dieÜbergangsphase von den traditionellen Sportarten zu dem in Vereinen organisierten Sport nicht geradlinig überbrückt wurde. Die Freizeitbetätigung liegt zudem schwerpunktmäßig in einer passiven Erholung. Gesellschaftliche Faktoren bedingen, dass die soziale Umgebung bei Frauen gegen die Ausübung von bestimmten Sportarten ist, die den Moral- und Sittenvorstellungen widersprechen. Der Vereinssport wird in Bezug auf männliche Jugendliche ebenso von der Familie negiert.
Die geringe Infrastruktur erwächst nicht nur aus den organisatorischen Mängeln, sondern wird auch durch das Desinteresse der mehrheitlichen Bevölkerung bedingt. Es gilt zukünftig die Bevölkerung zur aktiven und passiven Betätigung im Verein zu werben. Jedoch müssen hierfür bestimmte Vorkehrungen getroffen werden.
· Aus eigener Beobachtung sind kommerzielle Einrichtungen, die Fußball auf kleinen Teppichrasen anbieten, bei Jugendlichen äußerst beliebt. Die Struktur der Vereine mit den geregelten Trainings- und Spielzeiten stößt bei den Jugendlichen auf Widerwillen. Diesem Aspekt muss Rechnung getragen und der Spieltrieb der Jugendlichen auf der Freizeitebene stärker erfüllt werden.
· Der Breitensport und der Vereinssport müssen von zwei verschiedenen Instanzen geregelt werden. Die Zuständigkeit des Generaldirektoriums für beide Bereiche behindert ein gegenseitiges Erstarken.
· Die Mehrheit der Bevölkerung kann sich aufgrund der ökonomischen Lage eine Mitarbeit im Verein nicht leisten. Um diese für die passive Vereinsarbeit zu werben, muss das aus Europa übernommene Prinzip der Ehrenamtlichkeit durch eine Arbeit auf Honorarbasis ersetzt werden.
· Kulturelle und gesellschaftliche Aspekte der Regionen müssen genauer untersucht und die Angebote im Sport danach ausgerichtet werden.
· Das auch der Vereinssport, im Gegensatz zu den europäischen Vorbildern der Türkei, einen geringen Anteil im organisierten Sport einnehmen kann, zeigt das US-amerikanische Beispiel. Dieses Modell, das über einen stark geförderten Hochschulsport seine Elitesportler heranzieht, ist aufgrund der historischen und gesellschaftlichen Bedingungen für die Türkei durchaus denkbar.
Insgesamt war die Vielzahl der Fußballstadien, die nur dem Zuschauersport dienten und der vermehrte Bau von Fußballplätzen nicht eine Schwäche des General-direktoriums, sondern die Ausrichtung des Sportangebots an den Bedürfnissen der Gesellschaft.
| Schlagworte: | |
|---|---|
| Notationen: | Sozial- und Geisteswissenschaften Sportgeschichte und Sportpolitik |
| Sprache: | Deutsch |
| Online-Zugang: | http://www.geocities.com/sportwelt/doc/Struktur.htm#5 |
| Dokumentenarten: | Artikel |
| Level: | mittel |