Techniktraining im Spitzensport

Mit dem Projekt "Techniktraining im Spitzensport" wurde das Ziel verfolgt, das Expertenwissen erfahrener und erfolgreicher Trainer zu rekonstruieren. Hierzu wurden auf der Basis eines in Vorversuchen entwickelten Interviewleitfadens 31 Spitzentrainer aus den verschiedensten Sportarten ausführlich interviewt. Nach der Erstellung von Gedächtnisprotokollen, Trainerportraits und deren kommunikativer Validierung erfolgte die Verdichtung der Traineraussagen zu zehn Prinzipien des Techniktrainings im Spitzensport (Hossner 1996). Die damit erhaltene "Alltagstheorie" wurde in Rahmen einer aufbauenden Fragebogenstudie validiert. Die Antworten von 152 Spitzentrainern wurden sowohl hinsichtlich übergreifender (prinzipienbezogener) Aspekte als auch differentieller (sportart-, ausbildungs-, tätigkeits- und geschlechtsbezogener) Aspekte ausgewertet. Die Ergebnisse liefern zufriedenstellende Bestätigungen der - im folgenden stichwortartig umrissenen - Techniktrainingsprinzipien: - Prinzip der Komplexität (Statt "reinem" Techniktraining dominiert das kombinierte Training technischer, taktischer, konditioneller und psychischer Voraussetzungen.) - Prinzip der Funktionalität (Das Technikleitbild wird funktional im Hinblick auf den Beitrag bestimmt, den einzelne Bewegungselemente für die Aufgabenlösungen leisten.) - Prinzip der Individualisierung (Hochgradige persönlichkeits- und leistungsbezogene Individualisierungen ergeben sich vor allem hinsichtlich des Leitbilds, der Trainingsmethoden sowie des psychologischen Umgangs mit den Sportlern.) - Prinzip der Langfristigkeit und Dauerhaftigkeit (Die Effekte des Techniktrainings setzen langfristiges Planen und ständiges, dauerhaftes Üben voraus; beim Erlernen neuer Elemente oder bei Technikumstellungen ist so etwas wie eine Superkompensationszeit" einzukalkulieren.) - Prinzip der Einsicht (Veränderungen verfestigter Bewegungsmuster sind nur dann zu erreichen, wenn der Sportler diese Veränderungen mit Einsicht anstrebt; dazu bedarf es einer engen Trainer-Athlet-Kommunikation hinsichtlich Zielformulierungen, der Trainingsplanungen sowie der praktisch-methodischen Umsetzungen.) - Prinzip der Qualität (Die Athleten sind durch geeignete Maßnahmen im Training an den wettkampftypischen Qualitätsdruck bei den Technikausführungen zu gewöhnen.) - Prinzip der Kreativität und Originalität (Zur Sicherung bestehender Leistungsvorsprünge sind auch (noch) nicht bewährte, neue und ungewöhnliche Technikzielgrößen anzustreben und/oder kreative Wege bzw. Übungsformen darzubieten.) - Prinzip der Kongruenz (Wirksame Technikkorrekturen setzen eine hohe Übereinstimmung zwischen der Innensicht des Sportlers, der subjektiven Außensicht des Trainers sowie der objektiven Außensicht des analysierenden Biomechanikers voraus.) - Prinzip der perzeptiven Führung (Anzusteuernde Technikzielgrößen sind in Maßen des Bewegungsgefühls zu fassen, welches mit der optimalen Technikrealisiation verbunden ist: Der Sportler soll in erster Linie lernen, welche Bewegungen unter welchen Bedingungen zu welchem Effekt führen.) - Prinzip der optimalen Aufmerksamkeitszuwendung (Die Aufmerksamkeit des Sportlers sollte im Trainingsprozeß zunächst auf Schlüsselstellen der Bewegung gerichtet werden; für den Wettkampf ist (situationsabhängig) der jeweils optimale Grad der bewegungsbezogenen Aufmerksamkeit zu vermitteln.)
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Trainingswissenschaft
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: 1996
Online-Zugang:http://heidi.ub.uni-heidelberg.de/cgi-bin/heidi/slnp_voll_inst.cgi?nr=5000001&satz=1&anz=10&session=16950811&suchart=S&org=SP
Dokumentenarten:Forschungsergebnis
Level:hoch