Bewegungswissenschaft als Vision - eine Evaluation der Debatte zur "Profession Physiotherapie" in Deutschland. Welche Innovationsgedanken können die Bezugswissenschaft Sport und Sportwissenschaft und das deutschsprachige Ausland für die Profession bieten?
Während in manch anderem Land die Physiotherapie bereits seit vielen Jahren ein akademisches Ausbildungsfach ist und im Kanon biowissenschaftlich-medizinischer Disziplinen für den Sport und die Sportwissenschaft eine entsprechende Position einnimmt, ist man in Deutschland erst am Anfang dieses Weges. Aber der Anfang ist gemacht. Und es liegen - natürlich möchte man sagen - auch in Deutschland und im deutschsprachigen Ausland Erfahrungen vor und haben Vertreter unterschiedlicher Wissenschaftsdisziplinen Ideen, mit welchen Inhalten eine Professionalisierung und Akademisierung der Physiotherapie ausgestaltet und vorangetrieben werden sollte. Das übergreifende Ziel, dem auch die Autorin mit ihrer Promotion nachgeht, lautet, ein Zusammenwachsen hin zur Bewegungswissenschaft zu ermöglichen. Dazu bedarf es einer entsprechenden fachlichen Profilierung mit Bezug zu den, wie sie Beate Herrmann nennt, Bezugswissenschaften "Sport und Sportwissenschaft", die wiederum mit Themen wie Bewegung in allen Alters- und Leistungsklassen, Belastung und Belastbarkeit, Gesundheit und Gesunderhaltung in viele gesellschaftliche Bereiche wirkt und damit auch eine Art "Zukunftswissenschaft" repräsentiert. Gerade zu diesen genannten Themen ist die Physiotherapie hoch willkommen und beitragsfähig, ohne dass damit schon das Gesamtspektrum ihrer Reichweite komplett abgedeckt ist.
Innerhalb der Bewegungswissenschaft gilt es, die Themen und Bereiche zu identifizieren und mit Inhalten aus der Physiotherapie zu füllen, die aktuell und zukünftig repräsentieren werden. Dies gilt in erster Linie für den Sport und die Sportwissenschaft, aber in gleicher Weise auch für die Neurowissenschaft, für die Sozialwissenschaften oder die Pädagogik. Letztlich dürfen auch die Bezüge hin zur Betriebswirtschaftslehre weder negiert, noch überbetont werden.
Im Zuge der fachlichen Profilierung gilt es, auch Themen anzusprechen und mit Wissen zu füllen, die für jeden Berufsstand bedeutsam sind. Dazu gehören ethische und philosophische Fragen genauso wie die Schaffung von berufspolitischen Bedingungsgefügen (zum Beispiel an Fachhochschulen und Universitäten), in den zukünftig akademisch ausgebildete Physiotherapeuten wirken können. Diese Felder sind, mit Blick auf die unterschiedlichen Tätigkeitsfelder von der Rehabilitation und Belastbarkeitssicherung im Alltag bis hin zum Wettkampf- und Leistungssport, vom Kind bis zum Pensionär ebenfalls sehr weit gefächert.
Es gilt Ausbildungswege zu konstruieren und zu organisieren, relevante Inhalte zu bestimmen und mit hoher Qualität in der Lehre anzubieten, gleichzeitig die physiotherapeutische Praxis in die Ausbildung einzubinden. Dazu sind Ausbildungsgänge für die "Lehrer" und fachliche Anforderungen an diese zu formulieren und schrittweise umzusetzen.
Für diese Themen bietet die Promotion von Beate Herrmann eine tiefgehende Analyse und Entwicklungsideen und -vorschläge, die in die laufenden Diskussionen und Debatten zur Akademisierung und Professionalisierung der Physiotherapie Eingang finden sollten.
Inhalt
Teil I: Theoretische Grundlagen
1 Einleitung und Problemstellung
2 Historie und derzeitiger Stand der Professionsdebatte in der Physiotherapie
2.1 Die Historie der Physiotherapie bis Ende des 20. Jahrhunderts
2.2 Stand der Professionsdebatte ab dem 21. Jahrhundert
3 Physiotherapie im Spannungsfeld zwischen Politik und Gesellschaft
3.1 Definition und Kriterien einer Profession
3.2 Fach- und Berufsverbände der Physiotherapie
3.3 Interessensverbände und Arbeitsgemeinschaften zur Akademisierung und Professionalisierung
3.4 Professionalisierung durch Kammern (Kammersysteme) der Gesundheitsfachberufe
3.5 Forscher und Forscherinnen anderer Disziplinen mit ihrem Blick auf die Professionalisierung der Physiotherapie
3.6 Ebenen der politischen Einflussnahme
3.7 Gefahren der Privatisierung bezüglich der Krankenhäuser und deren Auswirkungen
3.8 Heil- und Hilfsmittel
3.9 Derzeitige Entwicklungen in Zahlen bezogen auf die Physiotherapie
4 Änderung des Heilpraktikergesetzes (Hpg) und Notwendigkeit von Akademisierung und Professionalisierung
4.1 Professionalisierung der Physiotherapie aus der Perspektive der Mediziner
4.2 Öffentlichkeitsarbeit in der Physiotherapie
4.3 Akteure im Gesundheitswesen mit Einfluss auf die Physiotherapie
4.4 Die Entlohnung in der Physiotherapie
4.5 Die Notwendigkeit von Akademisierung und Forschung in der Physiotherapie
5 Der Bologna-Prozess
5.1 Transnationale Wissensverbreitung
5.2 Zugangsberechtigungen zur Hochschule
5.3 Bachelor und Master
5.4 Promotion oder Philosophical Doctor (Ph.D.)
5.5 Kritik und Befürchtungen zu Bachelor- und Masterabschlüssen
5.6 "Transcripts of Records" und "European Credit Transfer and Accumulation System" (Ects)
5.7 Fachhochschule oder Universität - Ein qualitativer Vergleich
6 Professionalisierungsprozess am Beispiel der Erzieher
7 Professionalisierungsprozess am Beispiel der Pflegewissenschaft
7.1 Stufen im individuellen Qualifizierungsprozess am Beispiel der Pflege
7.2 Auswirkungen der Pflegeforschung auf die Physiotherapie
8 Die Bezugswissenschaft Sport und Sportwissenschaft
8.1 Der Historische Weg der Bezugswissenschaft Sportwissenschaft
8.2 Die Bewegung als "Wissenskörper" ("Body of Knowledge")
8.3 Schnittstellen als Herausforderungen
8.4 Arbeitsfelder für Bewegungswissenschaftler und Bewegungsfachkräfte
8.5 Was Individuen und Institutionen von Spitzensportlern lernen können
9 Impulse aus Sport und Sportwissenschaft und Pädagogik
9.1 Problemlösungen von Seiten der Sportwissenschaft
9.2 Philosophische Aspekte zur Bewegung
9.3 Wissenschaftlichkeit oder Mehrwert der Wissenschaft
9.4 Was schätzen Arbeitgeber an (Top-)Athleten?
9.5 Erlebnispädagogik und Outward Bound
9.6 Team und Teambildung oder "sozialer Kitt" des Sports
9.7 Motivation
9.8 Die Vision vom Lebens-Langen-Lernen und der Bewegung in einer globalisierten Welt
10 Analyse des derzeitigen Stands der Ausbildung für Physiotherapie im deutschsprachigen Raum
10.1 Deutschland
10.2 Österreich
10.3 Schweiz
10.4 Skandinavien am Beispiel Schweden
Teil II: Empirie
11 Methodik der Datenerhebung und -analyse
11.1 Entwicklung des Forschungsinstruments "Fragebogen"
11.2 Auswahl der Stichprobe
11.3 Datenerhebung
11.4 Datenanalyse
12 Ergebnisdarstellung
12.1 Allgemeine Angaben (Soziodemographische Daten und individuelle Bildungsbiographien) (A.1)
12.2 Ihre aktuelle berufliche Tätigkeit (A.2)
12.3 Berufsausbildung in der Physiotherapie (B.1)
12.4 Professionalisierung und Akademisierung (C.1)
12.5 Auswertung des englischsprachigen Fragebogens
12.6 Interpretation und Diskussion
13 Zusammenfassung und Ausblick
13.1 Zusammenfassung des theoretischen Teils
13.2 Zusammenfassung des empirischen Teils
13.3 Zusammenfassung der Ergebnisse und Ausblick
14 Literaturverzeichnis
14.1 Internetrecherche
14.2 Filmmaterial
14.3 Talkrunde
14.4 Kongresse, Seminarunterlagen, Protokolle usw.
14.5 Persönliche Mitteilung (inklusive Datum und Ort)
15 Anlagen
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| Schlagworte: | |
|---|---|
| Notationen: | Biowissenschaften und Sportmedizin Ausbildung und Forschung |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Hamburg
Verlag Dr. Kovac
2016
|
| Schriftenreihe: | Schriften zur Bewegungswissenschaft, 8 |
| Seiten: | 377 |
| Dokumentenarten: | Buch |
| Level: | hoch |