Zur Diagnostik des motorischen Entwicklungsstandes bei Kindern: Untersuchungen der Struktur und Konstruktvalidität des MOT 4-6
Der vor einem psychomotorischen Hintergrund konstruierte MOT 4-6 ist ein Test zur Erfassung des motorischen Entwicklungsstandes von 4- bis 6-jährigen Kindern. Der Test zeichnet sich u. a. durch die Fülle der erfassten motorischen Facetten, die Kindzentrierung, die ökologische Validität der Materialien und die für diesen Altersbereich angemessene Zurückhaltung gegenüber Leistungskriterien aus. Das in dem Einführungsteil des Buches dargelegte Bedingungsgefüge von Geist, Körper, Selbstkompetenzen, Pädagogik und Motodiagnostik macht die Bedeutung der motorischen Entwicklung für die kindliche Entwicklung insgesamt deutlich. Im Einführungsteil der Arbeit wird zunächst der pädagogische und psychologische Kontext, in dem sich das Untersuchungsvorhaben zum MOT 4-6 bewegt, ausgeleuchtet und ein hypothetisches Bedingungsgefüge von Geist, Körper, Selbstkompetenzen, Pädagogik und Motodiagnostik entworfen. Die hieraus resultierenden Zielsetzungen und Hypothesen der Arbeit werden vorgestellt. Im darauffolgenden Methodenteil werden die Studien, aus denen die Daten für das Untersuchungsvorhaben stammen, sowie die ihnen zugehörigen relevanten Messinstrumente beschrieben. Das anschließende Kapitel zur empirischen Untersuchung gliedert sich in drei Abschnitte, die sich der Analyse der Untersuchungsstichprobe und Psychometrik des MOT 4-6 , seiner dimensionalen Struktur und Konstruktvalidität widmen. Jeder dieser drei Abschnitte enthält Unterabschnitte, die sich auf spezifische Fragestellungen beziehen, die zugehörigen Ergebnisse werden jeweils dort dargestellt und gleich im Anschluss diskutiert. Jeweils am Ende der drei übergeordneten Abschnitte der empirischen Untersuchung werden die einzelnen Untersuchungsergebnisse noch einmal zusammengefasst und die sich aus ihnen ergebenden praktischen Konsequenzen erläutert. Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung und Gesamtdiskussion der Befunde (230 ff.).
Die Befunde dieser Arbeit zeigen auf, dass der MOT 4-6 motorische Kompetenzen erfasst, die eng mit Selbstkompetenzen vernetzt sind, ganz wie es sein psychomotorischer Konstruktionshintergrund erwarten ließ. Interessant wäre es, in zukünftigen Untersuchungen zu prüfen, inwieweit diese Vernetzung auch für andere motorische Entwicklungstests gilt, insbesondere solche, die keinen psychomotorischen, sondern z. B. einen sportwissenschaftlichen Hintergrund aufweisen (diskriminante Validität). Ob die gefundene Verknüpfung mit Selbstkompetenzen auch für andere motodiagnostische Tests gilt, wäre eine interessante Untersuchungsfrage für die Zukunft, weil es noch unklar ist, ob der Zusammenhang zwischen motorischen und personalen Kompetenzen grundsätzlich vorhanden ist oder ein besonderes Charakteristikum des MOT 4-6 mit seiner psychomotorischen Herkunft ist, die das Kind "ganzheitlich" betrachtet und motorische und Selbstkompetenzen theoriebedingt zusammendenkt. Für den zukünftigen Einsatz des MOT 4-6 mit seinen zwei in der vorliegenden Arbeit ermittelten Steuerungskomponenten kann außerdem festgehalten werden, dass der Test geeignet ist, Aspekte der propriosensitiven vs. kontextsensitiven Bewegungssteuerung zu differenzieren ("Top-down" vs. "Bottom-up"), und so als Diagnoseinstrument fungieren kann, welches in der psychomotorischen, klinischen oder pädagogischen Praxis bei jedem einzelnen Kind ermittelt, ob es aktuell mehr zu einer innengesteuerten oder mehr kontextsensitiven Bewegungsform neigt. Für den entwicklungssensiblen Umgang mit dem Kind könnte diese bereits von den historischen Pionieren der Psychomotorik beschriebene Unterscheidung durchaus von Bedeutung sein (vgl. z. B. Jacoby, 1945/2004 und Gindler, 1926/1984).
Durchaus sinnvoll wäre auch eine weitere praxisrelevante Bedingungsanalyse, mit der Zimmer und Volkamer (1987) bereits begonnen hatten, etwa indem sie den Einfluss des Lobes durch den Testleiter untersuchten. So ließen sich z. B. die folgenden möglichen Einflussgrößen durch systematische Variation der Untersuchungs-und Auswertungsbedingungen einschätzen: der Standardisierungsgrad der Durchführung, die Instruktionen und die qualitative Bewertung von Aufgabenperformanz.
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| Schlagworte: | |
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| Notationen: | Trainingswissenschaft Sozial- und Geisteswissenschaften |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Aachen
Shaker Verlag
2014
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| Seiten: | 302 |
| Dokumentenarten: | Buch |
| Level: | hoch |