Gefährdeter Sport
Dass Helmut Digel einer derer im deutschen (Leistungs)Sport ist, die nicht nur dessen Entwicklung und die des internationalen Spitzensports kritisch begleiten und bewerten, sondern auch in vielen nationalen und internationalen Ehrenämtern diese über Jahrzehnte hinweg selbst mitgestaltet haben, ist hinlänglich bekannt. Seine Bereitschaft und sein Wille sich zu vielfältigen Themen der Leistungssportentwicklung zu äußern, kann er so mit hoher Sach-, Prozess- und Personenkenntnis in die Tat umsetzen. Daraus resultieren viele Beiträge und Interviews in Tageszeitungen und Fachzeitschriften, in denen er seine Beobachtungen und Erfahrungen vermittelt, Position bezieht, Vorschläge unterbreitet, Probleme und Missstände offen anspricht.
In den letzten Jahren hat der Hofmann-Verlag eine Reihe von insgesamt fünf Bänden aufgelegt, von denen mit der vorliegenden Publikation "Gefährdeter Sport" Band vier (nach "Quergedacht", "Fair Play - Verantwortung im Sport" und "Verlorener Kampf") mit Beiträgen aus den Jahren 2011-2014 erscheint. In diesen greift Helmut Digel wieder aktuelle Themen der Leistungssportentwicklung auf. Zu diesen Themen mit hoher Aktualität und sportpolitischer Brisanz zählen u. a. die wachsende gesellschaftliche Dimension und Bedeutung des nationalen wie des internationalen Sports und insbesondere des Leistungssports und die sich daraus ergebenden Forderungen und Herausforderungen oder die Notwendigkeit, das erzieherische Potenzial des Sports nicht nur zu postulieren, sondern auch geeignete und nachhaltige Programme im Kinder- und Jugendsport und in Kindereinrichtungen und Schulen zu entwickeln, mit denen Mädchen und Jungen einen altersgerechten Zugang zu regelmäßigen sportlichen Aktivitäten bekommen.
Wichtig sind Digel auch die aktuellen Entwicklungen um das Premiumprodukt des internationalen Sports an sich, die Olympischen Spiele. Er stellt Fragen nach dem Warum gescheiterter Olympiaprojekte in verschiedenen Ländern, untersucht das Erfolgsgeheimnis der Briten oder analysiert das olympische Potenzial aktueller und (vielleicht) zukünftiger Sportarten. Seine Kritik richtet sich dabei stark an das IOC und Entwicklungen in diesem Gremium, die die Zukunft Olympischer Spiele in Gefahr geraten lassen. Angesichts eines deutschen IOC-Präsidenten empfindet er eine besondere Verantwortung für den deutschen Sport, auf zukünftige Entwicklungen im internationalen Sport Einfluss zu nehmen, dies aber nicht ausschließlich auf die Ebene der sportlichen Wettkämpfe zu reduzieren, sondern auch die kulturellen und politischen Dimensionen des Sports bewusst anzunehmen und auszuprägen.
Wie schon in den Bänden zuvor geißelt er die Fragwürdigkeit des Anti-Dopingkampfes und fordert eine stärkere staatlich-rechtliche Einbindung, insbesondere in Deutschland. Und hier ist er auch wieder bei seinem Heimspiel - die deutsche Sportpolitik mit ihren Führungsgremien, mit den Ansprüchen Deutschlands an seinen Leistungssport und seine Leistungssportler und die Verantwortung in den haupt- und nebenamtlichen Gremien für seine Entwicklung.
Auch dieser vierte Band ist zu einem spannenden Lesestoff geworden, der ein Bild der aktuellen Situation im nationalen (Leistungs)Sport zeichnet, das aber die weiter zurückreichenden Wurzeln nicht ausspart und Ideen vorstellt, wie Besserung eintreten und Entwicklungen gestaltet werden können.
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| Schlagworte: | |
|---|---|
| Notationen: | Sportgeschichte und Sportpolitik Theorie und gesellschaftliche Grundlagen |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Schorndorf
Hofmann Verlag
2014
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| Seiten: | 222 |
| Dokumentenarten: | Buch |
| Level: | hoch |