Prävention von Verletzungen. Risiken erkennen, Strategien entwickeln - eine ärztliche Aufgabe

Unfälle jeglicher Art nehmen sehr plötzlich Einfluss auf unser Leben. Dieser kann hinsichtlich der Intensität und Dauer sehr unterschiedlich sein. Unabhängig aber davon, ob es sich zum Beispiel um einen Arbeits-, Verkehrs-, Freizeit- oder Sportunfall handelt, ist mit mehr oder minder deutlichen Einschränkungen der Lebensqualität, des Wohlbefindens und/oder der körperlichen und psychischen Belastbarkeit des Einzelnen zu rechnen. Deshalb sollten alle sinnvollen Maßnahmen zur Unfallprävention ernst genommen werden und man sollte darauf achten, dass man selbst, aber auch Andere nicht in vermeidbare Situationen mit Unfallrisiken geraten. Das ist nicht immer möglich, da beispielsweise der Straßenverkehr oder sportliche Aktivitäten an sich bereits ein gewisses Unfallrisiko enthalten (können). Um diese Risiken auf ein unvermeidbar geringes Maß zu reduzieren sind in den letzten Jahren und Jahrzehnten viele Untersuchungen und Forschungsvorhaben durchgeführt worden, die sich mit potenziellen Unfallgefahren und deren Erkennung sowie gezielten Reduzierung oder gar Vermeidung befasst haben. Schätzungen besagen, dass in Deutschland zwischen 30 und 60 % aller Unfälle mittels geeigneter Präventivmaßnahmen vermeidbar wären, wenn in den Aktivitätsbereichen Haushalt, Freizeit, Arbeit und Straßenverkehr entsprechend vorbeugend gehandelt werden würde. Um derartige Maßnahmen konzipieren und in die Praxis umsetzen zu können, bedarf es entsprechenden Fachwissens zu Themen wie Altersspezifik des Verletzungsgeschehens, zu typischen Unfallabläufen und den damit verbundenen Verletzungen aus verschiedenen fachlichen Perspektiven. Mit dem vorliegenden Sammelband haben 24 ausgewiesene Experten verschiedener medizinischer Disziplinen von den verschiedenen chirurgischen Teildisziplinen und Orthopädie über die Psychologie und Geriatrie bis hin zur Soziologie und Rechtsmedizin einen weiten Bogen über dieses wichtige Thema gespannt. Sie gehen dabei primär von einer Altersspezifik des Verletzungsgeschehens (Kindes- und Jugendalter, Erwachsenenalter, höheres Lebensalter) aus und vertiefen innerhalb dieser Komplexe typische Unfall- und Verletzungsszenarien. So erhält man beispielsweise einen differenzierten Blick auf Ursachen von Verletzungen im Straßenverkehr in den drei Altersklassen, und auch das Thema von Gewalt wird sowohl mit Blick auf ein oftmals typisches Geschehen vom Kindes- und Jugendalter bis hin zum Seniorenalter differenziert analysiert und präsentiert. Für den Aktivitätsbereich des häuslichen Umfelds wiederum werden typische Unfälle und Verletzungen von Kindern und von Senioren im höheren Lebensalter in den Mittelpunkt der Betrachtungen gestellt. Für den Aktivitätsbereich Sport und Freizeit wurden zwei Autoren gewonnen, die im ersten Beitrag psychosoziale Aspekte von Unfällen und Verletzungen analysieren und die sekundäre Prävention in den Fokus des zweiten Artikels rücken. Allein die Zahl von jährlich 2 Millionen Sportunfällen in Deutschland unterstreicht die Wichtigkeit der Auseinandersetzung mit dem Thema. Den Autoren geht es um ein sehr komplexes Bild des sportlichen Unfallgeschehens, das auch Themen wie situative psychosoziale Einflussfaktoren wie Aufmerksamkeit oder Stimmungsveränderungen während der sportlichen Aktivität, wie auch der Einfluss von situativem Fehlverhalten und Fehleinschätzungen oder auch Präventivfehler wie das nicht korrekte Tragen von Schutzausrüstungen einbezieht. Gleiches gilt über habituelle Einflussfaktoren und mögliche Einflüsse von Persönlichkeitsfaktoren. In der Weiterführung werden sportpsychologische Möglichkeiten aufgezeigt präventiv zu wirken - zum Beispiel durch die Regulation von Stress und Motivation oder durch den gezielten Einsatz von mentalem Training. Natürlich befasst sich das Buch auch mit typischen Muskelverletzungen und erprobten präventiven Maßnahmen im sportlichen Training. Hier sind beispielsweise Schlagworte wie propriozeptives Training oder Lerntraining für zentrale Bewegungsabläufe mit Verletzungspotenzial zu nennen. Insgesamt entwirft das Autorenteam ein umfassendes Bild der präventiven Möglichkeiten in den unterschiedlichen Aktivitätsfeldern, was bei gezielter Umsetzung einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung der Verletzungszahlen leisten kann und durch den manche schwerwiegende Verletzung eventuell auch glimpflich(er) ausgehen kann. Inhalte zu den Themen Sport und Freizeit 7. Psychosoziale Aspekte der Unfall- und Verletzungsprävention im Sport (J. Kleinert) 7.1 Einleitung 7.2 Psychosoziale Einflussfaktoren im Unfall- und Verletzungsprozess 7.3 Sportpsychologische Diagnostik zur Unfall- und Verletzungsprävention 7.4 Sportpsychologische Interventionen in der Unfall- und Verletzungsprävention 7.5 Zusammenfassung 8 Sekundäre Prävention von Sport- und Freizeitunfällen (K. Knobloch) 8.1 Einleitung 8.2 Muskelverletzungen 8.3 Kniebandverletzungen 8.4 Stressfrakturen im Sport und deren Prävention 8.5 Schutzausrüstungen zur Prävention 8.6 Zusammenfassung
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Biowissenschaften und Sportmedizin
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Stuttgart, New York Schattauer Verlagsgesellschaft mbH 2008
Seiten:231
Dokumentenarten:Buch
Level:hoch