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Olympisches Verfallsdatum - was ist ein Olympiasieg wirklich wert? Über die unterschiedliche Wahrnehmung von sportlichen Leistungen durch strukturelle Kopplung von Massenmedien und Spitzensport am Beispiel der Olympiasieger Matthias Steiner und Lena Schöneborn

In nicht wenigen Ländern ist der Gewinn einer olympischen Goldmedaille (zumindest in einer Einzeldisziplin) mit einem nachhaltigen Effekt hinsichtlich der Bekanntheit der Sportlerin oder des Sportlers im Allgemeinen verbunden. Sowohl die allgemeine staatliche Politik (vertreten durch Staatsoberhäupter und/oder Ministerpräsidenten, Minister oder Bürgermeister) als auch die Sportpolitik (vertreten durch die höchsten Repräsentanten nationaler Sportverbände oder nationaler olympischer Komitees) sucht oftmals die Nähe zum sportlichen Erfolg und den Sportlern, die diese Erfolge errungen haben. Neben dieser Form der staatlichen und sportlichen Anerkennung ist die Bereitschaft in vielen Ländern (wenn auch nicht in allen Ländern, wie Norwegen oder Kanada zeigen) gewachsen, für das jahrelange Training und den sich daraus ergebenden sportlichen Erfolg eine finanzielle Anerkennung zu vergeben. Diese reicht von fünf- bis siebenstelligen Summen und/oder Sachleistungen bis hin zur Unterstützung beim Einstieg in das nicht-sportliche Berufsleben. Eng verbunden damit sind in vielen Fällen umfassende mediale Aktivitäten, die das Fundament für die Zukunft der Sportler weiter verbreitern und stabilisieren. Hier kommen Wirtschaftsunternehmen ins dann schillernde Bild des Leistungssports, die sich für den Werbewert eines "schnellsten Menschen" oder "stärksten Manns" interessieren und ihr Interesse für ein Sponsoring zum Ausdruck bringen. Wieso werden den Sportlerinnen und Sportlern aber derartige Wirkungen zugeschrieben? In der vorliegenden Arbeit wendet sich der Autor den Fragen zu, die sich aus sportsoziologischer Sicht mit den unterschiedlichen Ressourcen im Leistungssport (beginnend mit dem Publikum und den Massenmedien bis hin zur Politik und der Wirtschaft) ergeben. Diese werden auch mit Blick auf die Kategorie der Helden insbesondere im Sport und ihren kurz- und langfristigen Wirkungen untersucht. Gerade das Heldentum (man denke unweigerlich an die "Helden von Bern") mit seiner sehr hohen Emotionalität und der durch sie beförderten lokalen, regionalen oder nationalen Identitätsstiftung spielt in diesen Prozessen eine große Rolle, wird genutzt, aber vorher insbesondere von den Medien geschaffen und massiv gefördert. Die Wahrnehmung von Sportlerinnen und Sportlern wird nicht unwesentlich durch die Zuordnung zu diesem Heldentum geprägt. Dabei sind die Hürden, die es bis zum Heldenstatus zu überwinden gilt, nicht immer sehr hoch, schon mit einem Tor im Fußball zum Aufstieg in die nächst höhere Spielklasse, schon mit einem abgewehrten 7-m-Wurf im Handball kann man zum Aufstiegshelden werden. Und wer einen solchen Status einmal erlangt hat, dem bieten sich weit bessere Vermarktungsmöglichkeiten der eigenen Person als denen, die nur "dabei waren". Und wenn es dann noch einen soften Faktor, eine für die Presse, und insbesondere Boulevardpresse interessante, ungewöhnliche oder auch tragische Lebensgeschichte oder eine nicht alltägliche Persönlichkeit gibt, dann kann dies wie ein Katalysator für die Steigerung der Bekanntheit und der Vermarktungschancen führen - was aber nicht zwangsläufig zum finanziellen Erfolg in der Vermarktung sportlicher Höchstleistungen oder von Olympiasiegern und Weltmeistern führen muss.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Sportgeschichte und Sportpolitik Sozial- und Geisteswissenschaften
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: München GRIN Verlag 2009
Seiten:39
Dokumentenarten:Buch
Level:mittel