Schrittfrequenz (SF) und Herzfrequenzvariabilität (HRV) bei intensiver Laufbelastung im Conconitest

Hintergrund und Zielstellung: Die lokomotorisch-(kardio)respiratorische Kopplung (LRC) unter Belastung ist ein selbstorganisiertes Phänomen (Bramble & Carrier 1983), welches indirekt über Schrittfrequenz (SF) und HRV auch im Feldversuch detektierbar scheint (Sumi et al. 2006). Ziel der Studie war es, SF bzw. Zyklusfrequenz (ZF) und HRV sowie den LRC bei hochintensiver Belastung im Conconi-Lauftest zu quantifizieren. Methodik: Rohdaten von n=15 Sportstudierenden (Alter: 24,8±3,6a) wurden beim streckenbasierten Conconi-Test (Beginn: 6km/h-8km/h; alle 200m +0,5km/h) kontinuierlich aufgezeichnet (Polar RS800/s3). Aus den HRV-Leistungsdichtespektren (64s-Fenster, Interpolation: 4Hz, AR-Modell, Ordnung: 20) wurden jeweils die Spektralleistungen (ms² bzw. %) und Frequenzpeaks (in Hz) im HF- (0,15-1,0Hz) und VHF-Band (1,0-2,0Hz) für die höchsten 5 Laufintensitäten kalkuliert. Die Berechnung des LRC Index erfolgte über den Quotient aus ZF und HF-Peak (Sumi et al. 2006). Die Parameter der HRV und ZF/SF wurden regressionsanalytisch ausgewertet. Ergebnisse: Auf den höchsten Belastungsstufen wurden durchschnittliche ZF von 1,40±0,06Hz (SF=2·ZF: 2,80±0,13Hz) und mittlere Herzfrequenzen von 177±18S/min bei Gesamtlaufleistungen von 2985±569m registriert. Die Daten aus den HRVLeistungsdichtespektren ergaben niedrige Spektralleistungen (TP: 1,39±1,63ms²; HF: 0,50±0,49ms²; VHF: 0,25±0,28ms²), wobei sich jeweils gut ein Peak im HF- und VHF-Band identifizieren ließ. Signifikante korrelative Zusammenhänge ergaben sich für ZF/SF und HF-Peak (r= 0,88; p<0,01) sowie ZF/SF und VHF-Peak (r= 0,51; p<0,01). Bei maximaler Laufintensität waren bei den Probanden unterschiedliche LRC-Werte von 3:1 (7%), 2:1 (53%) bzw. 3:2 (40%) zu finden. Schlussfolgerung: Unter intensiver Laufbelastung treten im HRV-Signal gut detektierbare hochfrequente Spektralpeaks (>>0,4Hz) auf, die in Ruhe nicht zu verzeichnen sind. Der Peak im HF-Band entspricht dabei der über die Atempumpe vermittelten Atemfrequenz (Cottin et al. 2004; Sumi et al. 2006), während der Peak im VHFBand mit der sich über die Muskelpumpe manifestierenden Bewegungsfrequenz assoziiert sein könnte (Meste et al. 2007). Somit bieten ZF/SF und HRVSpektraldaten eine Möglichkeit zur Erfassung lokomotorisch-(kardio)respiratorischer Kopplungsphänomene (LRC) unter Feldbedingungen und offenbaren verschiedene Kopplungsstrategien bei maximaler Ausbelastung, die in weiteren Studien in Abhängigkeit der Ausdauerleistungsfähigkeit genauer betrachtet werden sollten.
© Copyright 2009 Herzfrequenzvariabilität: Risikodiagnostik, Stressanalyse, Belastungssteuerung. Internationales Symposium am 1. November 2008 in Halle (Saale). Veröffentlicht von Czwalina. Alle Rechte vorbehalten.

Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Biowissenschaften und Sportmedizin Ausdauersportarten
Tagging:Schrittfrequenz
Veröffentlicht in:Herzfrequenzvariabilität: Risikodiagnostik, Stressanalyse, Belastungssteuerung. Internationales Symposium am 1. November 2008 in Halle (Saale)
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Hamburg Czwalina 2009
Schriftenreihe:Schriften der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft, 192
Seiten:121-128
Dokumentenarten:Buch
Level:hoch