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Vom Mitteleuropäischen Skiverband (MESV) zur Skibrücke

Am 4.11.1905 kam es in München zur Gründung des Deutschen Skiverbandes (DSV) und des Österreichischen Skiverbandes (ÖSV). Am Folgetag, dem 5.11.1905, gründeten diese beiden nationalen Skiverbände gemeinsam mit dem 1904 entstandenen Schweizerischen Skiverband (SSV) den Mitteleuropäischen Skiverband (MESV). Der MESV war der erste Internationale Skiverband der Welt. Die Skiverbandsgründungen 1904/05 waren eingebettet in den Prozess der Ausbreitung des modernen Sportgedankens in Zentraleuropa, gekennzeichnet unter anderem durch die Herausbildung von fachspezifischen Skivereinsstrukturen, der Leistungs- und Wettkampforientierung sowie einer Tendenz zur Internationalisierung. Im Zuge dieser Entwicklung entstanden nationale und internationale Skiverbände. Deren frühe Formierungsphase war geprägt von einer Ambivalenz zwischen dem Streben nach skispezifischer Internationalität einerseits und nationalem Anspruchsdenken bzw. Ressentiments andererseits. An dieser Widersprüchlichkeit scheiterte letztlich auch der MESV. Gemäß gleichlautender Beschlüsse der Vorstände von MESV, DSV und ÖSV wurde der MESV 1913 aufgelöst. An seine Stelle trat als Übergangslösung ein von ÖSV und DSV gemeinsam getragenes Arbeitsamt "Die Skibrücke". Als charakteristisches Konstrukt irrationaler technischer Fortschrittsutopien in intellektuellen Kreisen jener Zeit blieb die Skibrücke nur eine Momentaufnahme der mitteleuropäischen Skigeschichte, nicht ohne jedoch kurz in Berührung mit der 1910 entstandenen Internationalen Skikommission, Vorläufer der FIS, gekommen zu sein.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Sportgeschichte und Sportpolitik Ausdauersportarten
Veröffentlicht in:FdSnow
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: 2009
Jahrgang:27
Heft:34
Seiten:34-42
Dokumentenarten:Artikel
Level:mittel