3042569

Störfaktoren des Nachweises von rekombinantem Erythropoietin

Das Glykoprotein Erythropoietin ist das wichtigste und spezifischste körpereigene Hormon, welches zur Neubildung von Erythrozyten führt. Die gesteigerte Neubildung von roten Blutzellen durch eine Verabreichung des rekombinanten Erythropoietins (rhEPO) führt ebenfalls beim Gesunden zur Erhöhung der maximalen Sauerstofftransportkapazität (Berglund & Ekblom, 1991, Ekblom & Berglund, 1991, Parisotto et al., 2000). Daher stehen Erythropoietin und alle Verbindungen mit analoger Wirkung auf der Liste der verbotenen Substanzen der World Anti-Doping Agency (WADA). Obwohl bereits 1989 verboten, gab es erst mit der erstmals 2000 veröffentlichten Methode (Lasne & de Ceauriz, 2000) die Möglichkeit einen Missbrauch nachzuweisen. Basierend auf einer isoelektrischen Fokussierung (IEF) erfolgte die Trennung aller urinären Proteine, gefolgt von zwei kombinierten Western-Blot's, um das Problem der Kreuzreaktionen mit der Urinmatrix zu umgehen. Obgleich der Nachweise von rekombinantem Erythropoietin bei der Methodenentwicklung im Vordergrund stand, lässt sich ebenfalls das Darbepoetin alfa (NESP, Novel Erythro-poiesis Stimulating Protein, Aranesp®), ein modifiziertes Erythropoietin mit zwei zusätzlichen Glykanseitenketten, nachweisen (Catlin et al., 2002), was zu drei positiven Befunden bei den Olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City führte. Nach weiteren Veröffentlichungen (Lasne, 2001, Lasne & de Ceauriz, 2000) und der Validierung der Methode wird diese mittlerweile weltweit in vielen WADA-akkredierten Labors als einziges Nachweisverfahren in der Routine für den Missbrauch von rekombinanten Erythropoietin angewandt. Im Laufe der Jahre haben sich drei generelle Problemfelder herausgebildet, die in diesem Artikel näher betrachtet werden sollen. Dabei handelt es sich um die Thematiken der unspezifischen Kreuzreaktionen, die zu einem falsch-positiven Befund führen können, der Stabilität der Proteine und die eher administrative Problematik der Behandlung von auffälligen Proben bzw. gezielter Kontrollen nach Auffälligkeiten. Diese letzte Thematik wird besonders in letzter Zeit unter dem Schlagwort "intelligente Dopingkontrollen" diskutiert.
© Copyright 2009 Verbotene Methode - Erhöhung des Sauerstofftransfers. Doping-Kleinkonferenz 2007. Veröffentlicht von Leipziger Verlagsanstalt. Alle Rechte vorbehalten.

Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Ausdauersportarten Biowissenschaften und Sportmedizin
Tagging:WADA
Veröffentlicht in:Verbotene Methode - Erhöhung des Sauerstofftransfers. Doping-Kleinkonferenz 2007
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Leipzig Leipziger Verlagsanstalt 2009
Schriftenreihe:Schriftenreihe des Bundesinstituts für Sportwissenschaft, 2008, 03
Seiten:111-123
Dokumentenarten:Buch
Level:hoch