Der organisierte Sport als Arbeitsmarkt : eine Studie zu Erwerbspotenzialen in Sportvereinen und Sportverbänden

Die Entwicklung des Sports in den zurückliegenden Jahren und Jahrzehnten hat dazu geführt, dass eine zunehmende Zahl von Aufgabenfeldern nicht mehr aus dem Ehrenamt (allein) geführt werden können, sondern durch entsprechend ausgebildete und mit der erforderlichen fachlichen Kompetenz und einem zeitlichen Budget ausgestattete hauptamtliche Mitarbeiter abgearbeitet werden. Diese Einschätzung trifft auf alle Leistungsbereiche und alle Leitungsebenen zu, auch wenn sicherlich Differenzierungen zwischen Leistungssport und Freizeitsport, nationalem Sportverband und lokalem Sportverein deutlich sind. Mit dem vorliegenden Buch liefern die Autoren eine Bestandsaufnahme der aktuellen Situation im deutschen Sport auf diesem Gebiet. Dazu wurde eine umfassende empirische Untersuchung in den verschiedenen Sportstrukturen Nordrhein-Westfalens (insgesamt 575 bestend aus Landessportbund, Sportverbänden, Bildungswerk, Kreis- und Stadtsportbünden, Vereinen mit mehr als 1000 Mitgliedern) mittels einer schriftlichen Befragung vorgenommen. Dabei wurden die Profile und Merkmale hauptberuflicher Beschäftigung erhoben wie auch ihr Zusammenhang zu den sportlichen Strukturen und zu den von Verbänden und Vereinen verfolgten grundsätzlichen Orientierungen ihrer Tätigkeit. Ergänzt wurde diese Erhebung durch Fragen zu perspektivischen Beschäftigungspotenzialen. Es ergab sich eine Gesamtzahl von 1555 hauptamtlich Beschäftigten in den Sportstrukturen, die überwiegend im administrativ-organisatorischen Bereich tätig sind. In den Sportverbänden hat die Mehrzahl der Angestellten einen entsprechenden berufsqualifizierenden Abschluss erworben, was auf eine hohe fachliche Kompetenz der Beschäftigten schließen lässt. In den Vereinen hingegen spielen derartige Abschlüsse eine eher untergeordnete Rolle. Es wurde auch festgestellt, dass die Zahl der Mitglieder in einer Sportstruktur wesentlich dazu beiträgt, ob eine hauptamtliche Stelle geschaffen wird oder nicht. Für Vereine unterhalb von 1589 Mitgliedern wurde eine überwiegend ehrenamtliche Arbeitsbewältigung festgestellt. Außerdem spielt die insgesamt zur Verfügung stehende Summe finanzieller Mittel eine wesentliche Rolle für die Entscheidung, die Prozesse hauptamtlich oder ehrenamtlich zu führen. Letztlich wurde auch festgestellt, dass Vereine, die mehr (bezahlte) Angebote für Nicht-Mitglieder machen, über mehr hauptamtlich Angestellte verfügen als Vereine, die sich dieser Gruppe nicht öffnen. Zu den Perspektiven der Verberuflichung zeigte sich, dass die Potenziale in den Verbänden offensichtlich im wesentlichen bereits erschlossen sind und dramatische Erweiterungen nicht vorgesehen sind. Allerdings ist auch kaum zu erwarten, dass es zu einer spürbaren Reduzierung der bereits bestehenden Arbeitsverhältnisse kommt. Bei den Vereinen kann von mit einer Wachstumsrate von ca. 10 Prozent gesprochen werden, die innerhalb von ein bis zwei Jahren umgesetzt werden könnte, wobei sich noch nicht absehen lässt, welche Tätigkeitsfelder in den Vereinen davon betroffen sein werden. Die Hoffnungen oder Erwartungen, im Sport- und Übungsbetrieb könnte es zu einer größeren Verberuflichung kommen, wurden durch die Untersuchung nicht bestätigt. Dies trifft gegenwärtig primär nur auf vereinseigene Fitness-Studios zu.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Leitung und Organisation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Schorndorf Hofmann Verlag 2001
Ausgabe:Schorndorf: Karl Hofmann Verlag, 2001.- 250 S. (Sportökonomie)
Seiten:250
Dokumentenarten:Buch
Level:hoch mittel