Blutdruckverhalten nach Alkoholgenuß unter Belastung - Risikofaktor für das Auftreten zerebraler Blutungen?
Zusammenfassung:
Zerebrale Massenblutungen treten gehäuft nach übermäßigem Alkoholgenuss auf. Als Ursache hierfür sind alkoholinduzierte Blutgerinnungstörungen oder krisenhafte Blutdruckanstiege mit Ruptur kongenitaler Gefäßmissbildungen zu diskutieren.
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob nach exzessivem Alkoholgenuss in Ruhe und unter Belastung derartige Blutdruckspitzen auftreten.
Im ersten Schritt wurde bei 9 Versuchspersonen mit Hilfe von Langzeitblutdruckmessgeräten der Blutdruck nach exzessivem Alkoholgenuss über die gesamte darauffolgende Nacht gemessen und ausgewertet. Als Kontrolle diente eine Nüchternmessung der jeweiligen Probanden.
Als zweiter Schritt schloß sich die Betrachtung des Blutdruckes nach exzessivem Alkoholgenuss unter Belastung an. Hierzu wurde bei 23 Versuchspersonen der Blutdruck kontinuierlich während einer fünfminütigen Belastungsphase auf dem Fahrradergometer bei 175 Watt und der anschließenden fünfminütigen Erholungsphase alle 10 Sekunden automatisch gemessen.
Als Kontrollkollektiv dienten wiederum dieselben Probanden, bei denen die Messung nüchtern wiederholt wurde.
Bei der ersten Studie kam es nach Alkoholgenuss in der darauffolgenden Nacht zu einer mäßigen, aber nicht signifikanten Steigerung des systolischen und diastolischen Blutdruckes, sowie der Pulsfrequenz. Exzessiv erhöhte Werte wurden jedoch in keinem Fall gefunden.
Im zweiten Teil der Studie wurde das Blutdruckverhalten unter Belastung betrachtet.
Beim Vergleich der systolischen, sowie der diastolischen Blutdruckwerte ohne und nach Alkoholkonsum konnten keine signifikanten Unterschiede gefunden werden. Gleichfalls kein signifikanter Zusammenhang war zwischen dem Blutdruckverhalten und der Nikotinanamnese sowie der maximal erreichten Blutalkoholkonzentration zu erkennen.
Signifikante Unterschiede ergaben sich jedoch hinsichtlich der Blutdruckanstiegsgeschwindigkeit und der Blutdruckausgangswerte, dem Körpergewicht und der Alkoholanamnese.
Hier zeigte sich unter Alkohol eine signifikant schnellere Blutdrucksanstiegsgeschwindigkeit der Probanden als ohne Alkohol. Dies war weitgehend unabhängig vom Körpergewicht der Probanden sowie von ihrer Nikotin- und Alkoholanamnese. Unabhängig vom Alkoholkonsum konnte festgestellt werden, dass je höher der Ausgangsblutdruck, desto schneller der Anstieg und desto höher der Maximalblutdruckwert.
Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass es weder in Ruhe noch nach Belastung unter Alkoholeinfluß zu einem schwerwiegenden Anstieg des Blutdrucks über die Grenze von 200mmHg kam, sodass die Blutdruckerhöhung nach einmaligem exzessivem Alkoholgenuss allein kein Kriterium für das Auftreten zerebraler Blutungen sein kann.
Angesichts der tierexperimentellen Beobachtungen, die einen Verlust der Autoregulation der kraniellen Blutgefäße bereits bei geringen Alkoholmengen beschreiben, sind trotz fehlender absoluter Blutdruckspitzen unsere Ergebnisse als mögliche Ursache von Hirnblutungen bei körperlicher Belastung nach exzessivem Alkoholgenuss zu diskutieren.
© Copyright 1999 13. Internationales Triathlon-Symposium, Erbach 1998. Veröffentlicht von Czwalina. Alle Rechte vorbehalten.
| Schlagworte: | |
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| Notationen: | Biowissenschaften und Sportmedizin Ausdauersportarten |
| Veröffentlicht in: | 13. Internationales Triathlon-Symposium, Erbach 1998 |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Hamburg
Czwalina
1999
|
| Schriftenreihe: | Triathlon und Sportwissenschaft, 13 |
| Seiten: | 135-144 |
| Dokumentenarten: | Buch |
| Level: | hoch mittel |