Sportpartizipation von Mädchen und jungen Frauen in ländlichen Regionen

Auch wenn in den letzten Jahren und Jahrzehnten die Zahl der Sport treibenden Mädchen spürbar, ja sogar überproportional zugenommen hat, bleibt zu konstatieren, dass es nach wie vor soziale Ungleichheiten beim Zugang zum Sport für Mädchen gibt. Dieses Problem ist durch Sportorganisationen erkannt worden und wird nunmehr versucht, schrittweise zu beheben. Der vorliegende Band eines Forschungsvorhabens kann hier eine wichtige Hilfe in der Argumentation für derartige Maßnahmen sein. Er kann gleichzeitig das Verständnis für die Situation (noch) nicht Sport treibender Mädchen - insbesondere in ländlichen Gegenden - verbessern und Anregungen für geeignete Angebot und Aktionen geben. Die Autoren haben mehr als 3000 Schülerinnen und Schüler aus 42 Schulen in drei Landkreisen Brandenburgs hinsichtlich ihres sportlichen Engagements, ihrer Freizeitpräferenzen, ihrer Einstellung zum Sport, zu sozialstrukturellen Merkmalen ihrer Lebenssituation und ihres Selbst- und Körperkonzepts befragt. Diese Befragung stellte dann die Grundlage für Analysen dar, die unter folgenden Gesichtspunkten angestellt wurden: - Sportengagements von Mädchen und Jungen im Vergleich - Sportengagements von Mädchen im sozialstrukturellen Kontext - Sportbezogene Orientierungen und Kompetenzen von Mädchen - Prädikatoren der Sportbeteiligung - Sozialisation durch Sport. Im Anschluss an die generelle Analyse werden die gleichen inhaltlichen Schwerpunkte einer Betrachtung unter dem Gesichtspunkt des Vereinssports und der Einbindung von Mädchen unterzogen. Nach diesem analytischen Schwerpunkt werden von den Autoren auch Orientierungsmarken für die Förderung sportlicher Angebote für Mädchen vorgestellt. Dieses Kapitel ist insofern von großem Interesse, kann es doch in Sportvereinen und Sportverbänden von den Verantwortlichen genutzt werden, um gezielt Mädchen für den Sport zu gewinnen. Dabei ist aber zu beachten, dass es sich nicht um einfache Handlungsprogramme handelt, die präsentiert werden, sondern um die Vorstellungen von Erkenntnissen aus der Untersuchung, die sowohl das Verständnis der besonderen Lebenssituation der Mädchen betreffen als auch der sich daraus ableitenden spezifischen Anforderungen, aber auch Möglichkeiten. Das wird letztlich nur dann gelingen, wenn Angebote für Mädchen nicht nur eine Alibi- oder Lückenbüßerfunktion erfüllen, sondern auf die Interessenslage der sportinteressierten Mädchen Rücksicht nehmen und davon ausgehend, attraktive Angebote entwickelt werden.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Sozial- und Geisteswissenschaften
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Köln 2002
Ausgabe:Köln: Sport und Buch Strauss, 2002.- 457 S. (Wissenschaftliche Berichte und Materialien; Bd. 09/2002)
Schriftenreihe:Wissenschaftliche Berichte und Materialien des Bundesinstituts für Sportwissenschaft, 2002, 9
Seiten:457
Dokumentenarten:Buch
Level:mittel