Methoden im Sport. Ein Handbuch. Prolegomena zu einer interdisziplinären Studienbuchkonzeption für das Lehren und Lernen in den Handlungsfeldern von Bewegung, Spiel und Sport
Angesichts der rasanten Entwicklung des Sports, der sich immer mehr Handlungsfelder erschließt, der Symbiosen mit Nachbarbereichen eingeht und der damit längst über die Grenzen des traditionellen Sportverständnisses im Rahmen von primär sportartengebundenen Aktivitäten hinausgegangen ist - und eine "Verlangsamung" oder gar ein Ende dieser Prozesse ist überhaupt nicht in Sicht - stellen sich berechtigte Fragen, nach der Widerspiegelung dieser Entwicklungsprozesse in der Lehreraus- und -fortbildung für den Schulsport. Natürlich hat es schon eine Vielzahl von entsprechenden Reaktionen in Hochschulen und Universitäten gegeben, wurden die Grenzen des inhaltlichen und didaktischen Schulsportverständnisses spürbar aufgeweitet. Es geht im Sportunterricht inzwischen um die Planung und Durchführung von Sportstunden zu sportlichen Bewegungsthemen oder Handlungsfeldern. In diesen können sportarttypische Bewegungen weiterhin eine Rolle spielen und diese werden deshalb weiter vermittelt, sie bilden aber nicht mehr die primäre Handlungsgrundlage und/oder das Handlungsziel. Den Sportlehrerinnen und Sportlehrern soll es mehr um die Vermittlung und das Entwickeln von Bewegungskompetenzen bei den Mädchen und Jungen zu den übergreifenden thematischen Schwerpunkten gehen. Diese schulischen Prozesse müssen eingebettet sein in ein bewegungspädagogisches Grundverständnis und eine Bewegungsdidaktik, um neue, innovative und die Schülerinnen und Schüler motivierende und aktivierende Ideen und Konzepte entwickeln und im Schulsport umsetzen zu können. Dabei geht es u. a. um Themen wie die Bewegungswahrnehmung und die Bewegungsweltkonstruktion, eng verbunden damit um die Wahrnehmungserziehung und eine ästhetische Bildung. Darauf aufbauend können Bewegungs- und Unterrichtskonzepte entwickelt und umgesetzt werden, mit denen vorher identifizierte Bewegungsprobleme und -defizite gezielt angesprochen werden. Eine wesentliche Rolle sollen dabei aktuell wie zukünftig die eigenen Bewegungserfahrungen der Mädchen und Jungen spielen, da dem Erfahrungslernen zukünftig ein weit höherer Stellenwert als in der Vergangenheit eingeräumt wird. Wenn das so sein soll, müssen sich Studierende und bereits als Sportlehrer Tätige mit dem Thema sowohl theoretisch, didaktisch auseinandersetzen und nach praktischen Umsetzungsvarianten suchen.
Ein weiterer Schwerpunkt, dem perspektivisch mehr Raum eingeräumt werden muss, ist das Lernen, Üben und schrittweise Perfektionieren koordinativer Fähigkeiten und Fertigkeiten innerhalb komplexer Bewegungsaufgaben. Um dem gerecht werden zu können, bedarf es der Auseinandersetzung mit theoretischen Grundlagen der Bewegungskoordination und ihrer Verortung innerhalb einer Bewegungsbildung. Es geht ebenso um Koordinationsprozesse als Funktion eines komplexen Bewegungsproblems. Und es muss natürlich immer darum gehen, auf dieser fachlich-theoretischen Basis praktische Konsequenzen für die Planung des Sportunterrichts abzuleiten.
Als Klammer für diese und weitere Prozesse ist die Beschäftigung mit Vermittlungs- und Unterrichtsmethoden im Sport zu verstehen, um geeignete Verbindungen zwischen Zielen, Inhalten und Methoden herstellen zu können.
Diese und weitere Herausforderungen stehen vor der akademischen Lehrerausbildung, wenn diese Lehrerinnen und Lehrer für das Fach Sport auf ihre praktische Arbeit an den Schulen vorbereiten will. Mit dem vorliegenden Buch zu den Methoden - in einem weiten Verständnis - im Sport bietet Harald Lange ein interessantes, von traditionellen Lehrbüchern stark abweichendes Konzept an. Der Autor stellt gut 100 Fragen bzw. formuliert Arbeitsaufträge für die Studierenden rund um das Methodenthema. Diese werden so formuliert, dass sie einen Beitrag dazu leisten sollen und können, die Komplexität von sportlichen Lehr-/Lernprozessen zu veranschaulichen und zu erklären. Die Beschäftigung mit den Frageschwerpunkten erfordert eine Betrachtung aus verschiedenen Perspektiven und interdisziplinäres Denken und Handeln - etwas, was eigentlich in jeder praktischen Sport- oder Trainingsstunde zu erleben ist. Die Formulierung der Fragen wurde so gewählt, dass die Studierenden auch den praktischen Nutzen der Auseinandersetzung mit den Methodenfragen in ihrer zukünftigen Lehrertätigkeit erkennen (können), was dazu beitragen kann, dass sie motiviert und engagiert nach Antworten und Lösungen suchen.
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| Schlagworte: | |
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| Notationen: | Ausbildung und Forschung Schulsport |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Göttingen
Cuvillier
2012
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| Ausgabe: | Göttingen: Cuvillier, 2012.- 199 S. |
| Schriftenreihe: | Würzburger Beiträge zur Sportwissenschaft, 7 |
| Seiten: | 199 |
| Dokumentenarten: | Buch |
| Level: | mittel |