Europäische Sportmodelle. Gemeinsamkeiten und Differenzen in international vergleichender Perspektive
Nationale und internationale Sportmodelle werden seit vielen Jahren verglichen. Dem Modellvergleich widmen sich sowohl Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen, aber auch Sportpraktiker in den nationalen Sportorganisationen. Dabei geht es immer wieder darum, die gesellschaftlichen Grundlagen besser zu verstehen in denen nationale Sportmodelle entwickelt worden sind und in denen sie wirken. Wichtig ist aber ebenso zu verstehen, welche Auswirkungen gesellschaftliche Entwicklungsprozesse in anderen Teilbereichen, wie dem Bildungssektor oder der Gesundheitspolitik auf die Weiterentwicklung existierender Sportangebote oder auf die Entwicklung neuer Sportangebote nehmen. Es geht aber in gleicher Weise darum, nationale Traditionen im Sport zu analysieren, da auch diese einen signifikanten Einfluss auf sowohl die konzeptionellen Grundlagen der Sportbewegung als auch auf Formen der Corporate Governance und auf Organisationsformen nehmen.
In den letzten Jahren hat sich zudem der internationale Einfluss spürbar verstärkt, auch wenn Sportangebote einen primär nationalen Charakter tragen, so bewegen sie sich zunehmend auf einem internationalen Markt, der gerne neue, erfolgreiche Trends aufnimmt und mit hoher Flexibilität im nationalen Sport wieder umsetzt.
Daraus leitete sich auch das Thema der 14. Jahrestagung des Arbeitskreises Sportökonomie im Mai 2010 an der Universität des Saarlandes ab, das den Fokus auf europäische Sportmodelle, deren Gemeinsamkeiten und Differenzen in international vergleichender Perspektive legte. Im vorliegenden Tagungsband werden 16 Vorträge vorgestellt, die während der Veranstaltung präsentiert wurden. Schon ein erster Blick auf das Inhaltsverzeichnis offenbart die thematische Breite, die eine komparative Beschäftigung mit nationalen Sportmodellen bereithält. Dabei wird auch deutlich, dass die Perspektive sehr unterschiedlich sein kann. Man kann nationale Sportmodelle vergleichen, aber auch ein Vergleich europäischer Sporttraditionen mit denen Nordamerikas zeigt viele "kontinentale" Unterschiede in Konzepten und Strukturen. Ein Vergleich von Sportmodellen kann aber ebenso, dann aber mit anderen Schwerpunkten, zwischen dem Sport und anderen Bereichen der Gesellschaft, wie zum Beispiel der Wirtschaft, vorgenommen werden oder verschiedene Teilbereiche des Sports, wie der Gesundheitssport einerseits und der professionelle Spitzensport andererseits können einem Vergleich unterzogen werden.
Ein Blick in das Inhaltsverzeichnis unterstreicht diese verschiedenen Ansätze:
Dietl: Besonderheiten des Sports - was rechtfertigt eine "eigene Ökonomik"?
Andreff: European versus American models of sports
Schellhaaß: Ist die europäische Sportökonomie auf dem richtigen Weg?
Krauskopf, Langen & Bünger: The search for optimal competitive balance
Langen & Krauskopf: The election of a world champion
Lucas: Sportliche Ausgeglichenheit in Profisportligen - Konzepte und Zielkonflikte
Manasis, Avgerinou & Ntzoufras: A new approach for the measurement of seasonal competitive balance
Uhrich & Königstorfer: Soziale Verantwortung offizieller Sponsoren von Großsportveranstaltungen: Kommunikationspolitische Wirkungen auf Konsumenten
Stopper, Gnädinger & Kempf: Standortstrategien mit und für Sportgroßveranstaltungen: Eine vergleichende Analyse von acht Ländern
Emrich, Pierdzioch & Flatau: Common Agency und diskretionäre Handlungsspielräume im Umgang mit öffentlichen Finanzmitteln im bundesdeutschen Spitzensport - eine empirische Analyse
Breuer & Daumann: Die Top 5-Ligen - zwischen sportlichem Auf- und Abstieg
Hovemann & Lammert: Regulation eines beherrschenden Einflusses auf Profi-Fußballclubs - Gemeinsamkeiten und Unterschiede bezüglich der Zielsetzung und verbandsrechtlichen Ausgestaltung in Deutschland und Europa
Sieweke: Einflussfaktoren des Teamerfolgs im Europapokal - Eine Panel-Datenanalyse
Sieweke & Mohe: Alternative Perspektiven auf die Wirtschaft des Sports
Pieter, Fröhlich & Emrich: Selbstbestimmung und Rationalität im Kontext Gesundheitssport
Schewe & Goelden: Berufsbezogene Persönlichkeitsmerkmale von Spitzensportlern. Eine empirische Analyse des Mehrwerts für den Arbeitsgeber
Diese thematische Vielfalt der Vorträge widerspiegelt unterschiedliche Denk- und Untersuchungsansätze, wobei als Schwerpunkte der Modellvergleich zwischen Europa und Nordamerika sowie die Untersuchung der Organisationsformen des Spitzensports in den großen, professionell betrieben Ballsportarten deutlich werden. Im Rahmen der Veranstaltung befassten sich Beiträge auch mit zwei der großen sportlichen "Gefahrenherde" der Gegenwart, die massiven Einfluss auf die Sportentwicklung nehmen können: Der Missbrauch von Dopingmitteln und -methoden zur Leistungssteigerung sowie zunehmend deutlich werdende Versuche, sportliche Ergebnisse zu manipulieren, Akteure von sportlichen Wettkämpfen so zu bestechen, dass gewünschte Ergebnisse oder Verläufe entstehen, die wieder im Rahmen von Wettmanipulationen genutzt werden sollen.
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| Schlagworte: | |
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| Notationen: | Sportgeschichte und Sportpolitik Theorie und gesellschaftliche Grundlagen |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Schorndorf
Hofmann Verlag
2011
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| Schriftenreihe: | Sportökonomie, 13 |
| Seiten: | 317 |
| Dokumentenarten: | Buch |
| Level: | hoch |