Wissenskommunikation und Wissensmanagement im Leistungssport. Empirische Befunde und Entwicklungsperspektiven
Wenn es um Grenzbereiche der menschlichen Leistungsfähigkeit geht, sind Wissenschaft und Forschung stets gefragt - und das unabhängig vom Thema oder Fachgebiet. Und im Hochleistungssport trifft eine solche Aussage natürlich in gleicher Weise zu. Wenn Sportlerinnen und Sportler im täglichen Training sportliche Spitzenleistungen vorbereiten, die sie dann bei nationalen oder internationalen Meisterschaften erbringen wollen, ist das Wissen und sind die Erfahrungen und die Zusammenarbeit von Experten verschiedener Wissenschaftsdisziplinen und Fachgebiete gefragt. Natürlich nehmen in diesem Prozess der Trainingsplanung und der Umsetzung in den einzelnen Trainingseinheiten wie auch im Wettkampf die Trainer die zentrale Position ein. Im Ergebnis der Entwicklungen des Leistungssports, aber auch der Trainingswissenschaft, der Sportmedizin und Biomechanik, der Sportpsychologie und Physiotherapie, der Ingenieur- und Computerwissenschaften und weiterer Wissenschaftsdisziplinen sind die Trainer inzwischen in einer zunehmenden Zahl von Sportarten aber auch die Manager zunehmend komplexerer Prozesse der Wissensgenerierung und Informations- und Wissensverarbeitung geworden.
Und sie sehen sich einer nie dagewesenen Menge an Informationen und Wissen gegenüber, die mit einer nie dagewesenen Transparenz verfügbar sind. Hinzu kommen neue Kommunikationstechnologien, mit denen der Informations-, Wissens- und Erfahrungsaustausch unter den Trainern und mit den interdisziplinären Expertenteams ebenso vollkommen neue Dimensionen erreicht hat. In dem hier beschriebenen Forschungsprojekt der Universität Tübingen ist nach Antworten auf die Fragen gesucht worden, wie geeignete Lösungen im deutschen Leistungssport aussehen sollten, um sowohl mehr relevantes Wissen für den leistungssportlichen Trainings- und Wettkampfbetrieb verfügbar zu machen als auch welche Technologien genutzt bzw. entwickelt werden sollten, die den inhaltlichen und organisatorischen Anforderungen des Arbeitsprozesses der Akteure bestmöglich entsprechen und damit eine hohe Akzeptanz erreichen können.
Dazu wurden mehr als 1.500 Akteure aus den unterschiedlichen Gliederungen des deutschen Spitzensports, aus Sportverbänden und Olympiastützpunkten, vom IAT und FES, dem BISp und der Trainerakademie und weiteren Einrichtungen nach ihrem fachlichen Kommunikationsverhalten mit dem Ziel einer perspektivisch verbesserten Wissenskommunikation befragt. Dazu wurden die aktuell bestehenden fachlichen Netzwerke und traditionellen Kommunikationswege im nationalen Leistungssport hinterfragt und eine Bewertung der verfügbaren Informations- und Kommunikationsangebote vorgenommen. Parallel dazu wurden Recherchen angestellt, welche Bestlösungen es auf diesem Gebiet international bereits gibt und was der deutsche Spitzensport von diesen lernen kann.
Die dazu formulierten Forschungsfragestellungen immer mit Blick auf den deutschen Spitzensport lauteten:
Wer ist am Wissensprozess beteiligt?
Wie wird Wissen generiert, verbreitet und umgesetzt?
Welche Probleme bestehen im Umgang mit Wissen?
Welche Konzepte eignen sich für eine Optimierung des Wissensmanagements?
Das umfassende Ergebnis zeichnet ein sehr differenziertes, manchmal auch defizitäres Bild vom Ist-Stand im deutschen Spitzensport auf diesem Gebiet. Die Autoren bleiben aber nicht dabei stehen, sondern beschreiben die (notwendige) Perspektive zum Beispiel mit einer weiteren Stärkung der Position der Wissenschaftskoordinatoren der nationalen Sportverbände. Gleichzeitig erweitern sie die wissenschaftliche Begründung von Konzepten innovativer Wissensmanagementsysteme für den deutschen Spitzensport mit ihren empirischen Daten und fordern deren Umsetzung. Damit entsprechen sie auch den Vorstellungen und teilweisen Forderungen der Befragten aus der Trainingspraxis nach einer sportartübergreifenden, interdisziplinären Kommunikationslösung, an der sich alle Einrichtungen des Forschungs- und Serviceverbunds Leistungssport beteiligen.
In einer differenzierten Präsentation der Ergebnisse gehen die Autoren auf folgende Teilbereiche ein:
- wissenschaftliche Datenbanken und Dienste
- Videodatenbanken
- Popularisierung von Wissen
- Dokumentation und Archivierung von Wissen
- Kommunikationsfunktionen und Servcieangebote
- digitale Dokumentation und Aufbereitung wissenschaftlicher Ergebnisse
- Werkzeuge und Software zum Umgang mit generierten Daten/Wissen
- Web-Content-Management-System
- Nutzung der Daten auf mobilen Endgeräten
- Kosten-Nutzen-Verhältnis,
um zur abschließenden Forderung nach "Aufbau einer Informations- und Wissensplattform für den Hochleistungssport als eine gemeinsame Herausforderung für alle Partner im Wissenschaftlichen Verbundsystem" zu gelangen. "Dieses Projekt ist notwendig, ist erwünscht und es ist machbar."
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| Schlagworte: | |
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| Notationen: | Ausbildung und Forschung |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Schorndorf
Hofmann Verlag
2012
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| Ausgabe: | Schorndorf: Hofmann, 2012.- 328 S. |
| Schriftenreihe: | Reihe Sportsoziologie |
| Seiten: | 328 |
| Dokumentenarten: | Forschungsergebnis |
| Level: | hoch |