Besteuerung ausländischer Künstler und Sportler in der EU. Deutsche Rechtslage. Europarechtliche Vorgaben. Rechtsvergleich zu EU-Staaten. Künftige Handlungsoptionen.

Was passiert, wenn europarechtliche Anforderungen in einem völkerrechtlichen Handlungsrahmen zu erfüllen sind und dabei verfassungsrechtliche Maßnahmen auf zwei auf unterschiedlichen Ebenen angesiedelten Steuererhebungsverfahren mit dem Quellensteuerabzug und dem Erstattungs- und Veranlagungsverfahren treffen? Kurzfristig führt das dazu, dass Betroffenen angesichts der Komplexität des Themas zu empfehlen ist, rechtliche Expertise in Anspruch zu nehmen, um schon bei der Abgrenzung ihrer Einkunftsarten keinen Fehler zu machen und um zu klären, welche Einnahmen und Ausgaben dann im Inland geltend gemacht werden müssen bzw. können und welche nicht. Doch wenn man denkt, dass man damit auf der rechtlich sicheren Seite in Europa ist, der irrt, wie der von den Autoren angestellte Vergleich verschiedener Mitgliedsstaaten der Europäischen Union (Belgien, Frankreich, Italien, Niederlande, Österreich, Spanien, Tschechien, Großbritannien) zeigt. Was auch noch passiert ist, dass man es mit hoher Wahrscheinlichkeit mit Sportlern oder Künstlern anderer Länder zu tun hat, die in Deutschland zum Beispiel bei Wettkämpfen oder Konzerten Einnahmen erzielt haben - denn die oben kurz beschriebene rechtliche Gemengelage trifft genau auf sie zu - und das erfordert Änderungen in Form rechtlicher Reformen, die vom Europäischen Gerichtshof auch bereits eingefordert wurden. Die formulierten Reformvorschläge für die Besteuerung auslandsansässiger Künstler und Sportler in Deutschland basieren auf einer sehr umfassenden, differenzierten und detaillierten Erhebung des aktuellen Sachstands unter drei Gesichtspunkten: - Wie sieht die aktuelle Rechtslage in Deutschland aus, wenn auftritts- bzw. wettkampfbezogene Vergütungen und auch Werbeeinkünfte erzielt werden, die denn besteuert werden müssen? Hier geht es u. a. um die Erörterung des Lohnsteuerabzugs bei nur beschränkt steuerpflichtigen Arbeitnehmern oder um die nachträgliche Geltendmachung von Werbungskosten, Betriebsausgaben und Sonderausgaben im Zusammenhang mit den erzielten Einnahmen. - Welche europarechtlichen Vorgaben gibt es, u. a. zur beschränkten Steuerpflicht allgemein und speziell in den Bereichen Kunst und Sport, die es zu beachten gilt und wie verhalten sich diese mit Blick auf die deutsche Rechtslage? - Wie sieht das Rechtssystem anderer Länder der Europäischen Union zu den Themen Steuertatbestand und Einkünftequalifikation aus? Schon ein erster Blick zeigt, dass hier ein sehr heterogenes Bild sowohl in der Abzugs- als auch in der Veranlagungs- oder Erstattungsphase entsteht (Themen sind hier zum Beispiel der Steuerabzug an der Quelle, der jeweilige Abzugsteuersatz oder Veranlagungsmöglichkeiten). Im Ergebnis dieser analytischen Arbeit entwickeln die Autoren eine Reihe von Handlungsoptionen für die Bundesrepublik Deutschland, um zukünftig zu einem Rechtsrahmen zu gelangen, der für die eingangs beschriebene Situation Lösungen anbietet. Die sich anschließenden Reformvorschläge zeigen einerseits die Konfliktthemen auf, die Autoren machen aber auch deutlich, dass (notwendig erscheinende) Änderungen sicherlich nur mit einem nicht unerheblichen Zeithorizont realistisch umsetzbar sind (wenn zum Beispiel an eine Änderung der bisherigen Besteuerung im Auftrittsstaat hin zu einer Besteuerung im Hauptaufenthaltsland gedacht wird). Dass, zumindest an ausgewählten Stellen, EU-Länder bereits reagiert und ihr nationales Steuersystem für auslandsansässige Künstler und Sportler geändert haben, zeigen die vergleichenden Länderanalysen. Die Niederlande verzichten inzwischen angesichts des hohen bürokratischen Aufwands zur Erhebung dieser Steuern gänzlich auf die Besteuerung dieser Berufsgruppe, was aber im Inland ansässige Sportler und Künstler schlechter stellt. Die von den Autoren entwickelten und diskutierten vier Modelle der Besteuerung enthalten die Handlungsoptionen 1. vollständiger Verzicht auf die Besteuerung der im Ausland wohnenden Künstler und Sportler. 2. die ausschließliche Pflichtveranlagung dieser Gruppe von Steuerpflichtigen. 3. einen nur abgeltenden Steuerabzug sowohl für beschränkt als auch für unbeschränkt steuerpflichtige Künstler und Sportler. 4. eine Kombination von Steuerabzug und nachträglicher Veranlagung allein für im Ausland Ansässige. Gerade dem letztgenannten Modell werden dabei die größten Realisierungsmöglichkeiten zugeschrieben. Aber für alle Modelle wäre in Deutschland in einem vorher zu führenden Gesetzgebungsverfahren eine entsprechende Grundlage zu geben, die gleichzeitig auch so gestaltet werden muss, dass im Ausland Ansässige sie verstehen und auch umsetzen können.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Sportgeschichte und Sportpolitik
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: München Beck 2008
Ausgabe:München: Beck, 2008.- 210 S.
Seiten:210
Dokumentenarten:Buch
Level:hoch