Zur Konstituierung der Sportökonomie zwischen Sportwissenschaften und Wirtschaftswissenschaften

Primär getrieben durch Entwicklungen in der Sportpraxis, und hier nicht nur in den großen Ballsportarten, sondern auch im Freizeit-, Gesundheits- oder Wettkampfsport, durch die rasant voranschreitende Verknüpfung von allgemein gesellschaftlichen Entwicklungen (man denke nur an die Internationalisierung bzw. Globalisierung vieler Lebensbereiche), an das Zusammenwachsen von wirtschaftlichen mit sportlichen Interessen (wie immer wieder bei Multisportevents wie den Olympischen Spielen exemplarisch zu beobachten) oder auch durch die nicht übersehbaren Schnittflächen und -mengen zwischen (Sport)Politik, nationaler und internationaler Gesetzgebung und Sportpraxis, haben sich Notwendigkeiten und Möglichkeiten ergeben, verschiedenste Prozesse und Entwicklungen im Sport auch unter ökonomischen Gesichtspunkten zu betrachten. Die im Zusammenhang damit entstandenen wissenschaftlichen Arbeiten haben sehr unterschiedliche, nicht selten interdisziplinäre Ansatzpunkte, beziehen wissenschaftstheoretische, sportwissenschaftliche und wirtschaftswissenschaftliche Aspekte mit ein, und tragen dazu bei, die Sportökonomie einerseits zu konstituieren und sie dann auch schrittweise zu orientieren und zu profilieren. Diese Entwicklung ist in den letzten Jahren nicht nur in Deutschland, sondern weltweit zu beobachten und ein Ende der Entwicklung ist nicht abzusehen, im Gegenteil, die Bedeutung dieser Wissenschaftsdisziplin zwischen Sportwissenschaft und Wirtschaftswissenschaften wird weiter zunehmen, was sich auch in einem zunehmenden Forschungsinteresse, an einer wachsenden Zahl von Publikationen oder akademischen Ausbildungsgängen widerspiegelt. Allein schon deshalb ist ein fachlich fundierter Überblick über den bisher erreichten Entwicklungsstand, über die bisher zentralen Themen wissenschaftlicher Studien mit sportökonomischen Inhalten, über das sich dabei abzeichnende Verhältnis der relativ jungen Disziplin Sportökonomie mit der relativ "alten" Disziplin Sportwissenschaft bedeutsam. Dazu bieten sich unterschiedliche Untersuchungsansätze an, die sich in der Arbeit von Silja Schröder auch wiederfinden. Natürlich müssen Entwicklungen in den "Mutterwissenschaften" Sportwissenschaft und Wirtschaftswissenschaften verstanden und genutzt werden, gleichzeitig muss aber auch ein klares Bild davon gezeichnet werden, wie sich bereits in der Sportökonomie tätige Wissenschaftler und Einrichtungen aktuell und perspektivisch inhaltlich orientieren, wo Forschungsfelder gesehen und auch tatsächlich bearbeitet werden. In der Folge können damit auch Defizite aufgedeckt werden, können neue sportökonomische Forschungen angeregt werden, um den Konstituierungsprozess zu unterstützen und mit relevanten Themen "abzurunden". Die hier vorgelegte Untersuchung unterstreicht, dass die deutsche Sportökonomie bisher keine einheitliche Struktur und Systematik besitzt. Die gefundenen Diskrepanzen zwischen dem Begriffsverständnis, den Forschungsmethoden und der Praxisrelevanz zwischen Sportwissenschaftlern und Wirtschaftswissenschaftlern geben deutliche Hinweise auf den bisherigen Reifegrad der Sportökonomie. Die Untersuchung zeigt aber ebenso, dass es gute Möglichkeiten gibt, diese Defizite schrittweise aufzuarbeiten und die jungen Disziplinen (noch) eigene Flexibilität in inhaltlicher und struktureller Hinsicht mit entsprechendem Gewinn nutzen zu können, wobei eine tendenziell stärkere institutionelle Annäherung an die Sportwissenschaft wahrscheinlicher ist als an die Wirtschaftswissenschaften. Die Wirtschaftswissenschaft wird aber gerade mit ihren Grundlagenforschungen auch in der Zukunft einen sehr bedeutsamen und unverzichtbaren Einfluss auf die Entwicklung der Sportökonomie behalten. Innerhalb ihrer Entwicklung wird von der Sportökonomie immer wieder gefordert sein, dass sie nicht nur ihre akademische Berechtigung manifestiert, sondern dass ihre Beiträge ebenso eine (zunehmende) Praxisrelevanz und Praxisakzeptanz erlangen. An geeigneten Themen mangelt es aktuell und perspektivisch nicht. Die Defizite in dieser Hinsicht wurden von Silja Schröder innerhalb einer Expertenbefragung erhoben, wobei auch in den Bereichen Forschungsmethodologie, Definition und Gegenstandsbereich der Sportökonomie ein ebenfalls sehr differenziertes Bild des aktuellen Entwicklungsstands gefunden wurde.
© Copyright 2011 Published by Logos Verlag. All rights reserved.

Bibliographic Details
Subjects:
Notations:theory and social foundations
Language:German
Published: Berlin Logos Verlag 2011
Edition:Berlin: Logos Verlag, 2011.- 305 S.
Series:Bewegung, Spiel, Sport: 7
Pages:305
Document types:book
Level:advanced