Datenschutz im Anti-Doping-Kampf. Grundlagen und Spannungsfelder
Im Herbst 2011 protestierten deutsche Spitzensportler gegen die Art und Weise, wie ihr Leben durch das Doping-Kontrollsystem beeinflusst wird. Den Vorwurf, dass ihre Privatsphäre durch das Meldesystem ADAMS, mit dem sie ihren Aufenthaltsort für drei Monate im Voraus angeben müssen, in keiner Weise mehr geschützt sei, erhoben im gleiche Zeitraum 150 Sportlerinnen und Sportler, die sich mit der Bitte um Prüfung der rechtlichen Zulässigkeit an die Datenschutzbehörde in Rheinland-Pfalz wandten. Bekannt sind auch die Fälle prominenter Leistungssportler, die wegen eines Verstoßes gegen die Regeln dieses Meldesystems im Rahmen von Dopingverfahren verurteilt wurden.
Dies sind alles nur einige wenige Beispiele, die dokumentieren, wie umfassend die Kontrolle und eine mögliche Sanktionierung bei Verstößen gegen die im WADA- und NADA-Code verankerten Regularien im Leistungssport inzwischen sind. Dass sich daraus rechtliche Fragen ergeben, die eine Zulässigkeit der Regeln im Spitzensport auf dem Hintergrund der allgemein-rechtlichen und staatlichen Datenschutzregeln in Frage stellen, erscheint nur logisch, ja zwangsläufig. Hinzu kommt, dass nicht nur die Melderegeln datenschutzrechtliche Relevanz besitzen, sondern dass auch die Erhebung, Speicherung und Weitergabe personenbezogener Daten innerhalb von Dopingkontrollen, der Analyse und Auswertung der Proben und die Weitergabe der Ergebnisse an Sportorganisationen und in der Folge von diesen dann an die Öffentlichkeit und Medien ebenfalls ein äußerst sensibles Rechtsgebiet darstellen.
Wie sollen nun aber die sowohl aus staatlicher Sicht als auch aus der Sicht der nationalen und internationalen Sportorganisationen berechtigten Maßnahmen im Kampf für sportliche Fairness und gegen Doping mit den in den westlichen Demokratien geltenden Datenschutzgesetzen in Übereinstimmung gebracht werden, wie sollen bzw. müssen Anti-Doping-Codes gestaltet werden, damit diese verschiedenen Interessen zeitgleich gewahrt bleiben. Wo hört das berechtigte Interesse des Sports auf (vielleicht schon dort, wo im Medium Internet eine Art Dopingpranger durch die Veröffentlichung von Namen von Dopingsündern erzeugt wird), wo geht die Privatsphäre unberechtigt verloren, was können Sportlerinnen und Sportler bei der Entwicklung und Anwendung von Dopingkontrollsystemen hinsichtlich der Wahrung ihrer Persönlichkeitsrechte fordern?
Das sind einige zentrale Themen, die Lars Mortsiefer in seiner 2010 an der Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn angenommenen Dissertation untersucht hat. Dazu hat er die Organisationsstruktur des Sports mit seinen Verflechtungen zu staatlichen Financiers und Entscheidungsträgern (die ja nicht unwesentlich für das allgemeine Datenschutzrecht in Deutschland zuständig sind) untersucht. Er hat die Schnittstellen zwischen den unterschiedlichen rechtlichen Grundlagen im Sport, in der NADA und WADA sowie im allgemeinen Datenschutzrecht analysiert. Sein Ziel bestand darin, zu ermitteln, wie das Anti-Doping-Recht (in den Codes der NADA und WADA und mit deren Vereinbarungen mit Sportorganisationen hinsichtlich der Anwendbarkeit auf Sportler des jeweiligen Verbands) mit dem Datenschutzrecht vereinbar ist. Das Ergebnis ist nicht überraschend, zeigt es einerseits den Rechtsrahmen der freiwillig Leistungssport betreibenden Athletinnen und Athleten auf, die sich innerhalb ihres Trainings- und Wettkampfbetriebs den Anti-Doping-Codes unterwerfen (müssen), andererseits wird auch deutlich, dass der Anti-Doping-Kampf inzwischen eine Dimension angenommen hat, die schon bedenklich ist und Gefahr läuft, über die Sportlerinnen und Sportler die "totale Kontrolle" zu erlangen. Hier ein wohl abgewogenes Verhältnis hinsichtlich der Verhältnismäßigkeit zu erreichen ist nicht immer global möglich, sollte auch die Möglichkeit der Einzelfallprüfung einschließen, damit keine unzulässigen Aktionen erfolgen - die wiederum die Recht- und Verhältnismäßigkeit des Anti-Doping-Kampfs in Misskredit bringen und in Frage stellen würden.
Aus dem Inhaltsverzeichnig
Entwicklung der Anti-Dopingregeln
Dopingkontrollsysteme
Datenschutzrechtliche Problematik im Anti-Doping-Kampf (allgemein und spezifisch)
Verantwortliche Stelle
Personenbezogene Daten/Betroffener
Umgang mit personenbezogenen Daten
Räumlicher Anwendungsbereich des Bundesdatenschutzgesetzes
Legitimationsgrundlagen - Verbot mit Erlaubnisvorbehalt
Rechte der Betroffenen
Grenzüberschreitender Datenverkehr
Grundsatz der Datensicherheit
© Copyright 2010 Veröffentlicht von Gardez!-Verl.. Alle Rechte vorbehalten.
| Schlagworte: | |
|---|---|
| Notationen: | Theorie und gesellschaftliche Grundlagen Sozial- und Geisteswissenschaften |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Remscheid
Gardez!-Verl.
2010
|
| Ausgabe: | Remscheid: Gardez! Verlag, 2010.- 280 S. |
| Schriftenreihe: | Rechtswissenschaft im Gardez!, 32 |
| Seiten: | 280 |
| Dokumentenarten: | Buch |
| Level: | hoch |