Datenschutz für Vereine. Leitfaden für die Vereinspraxis

In Deutschland bilden die Sportvereine das Rückgrat der größten Freiwilligenorganisation des Landes. In den meisten Fällen werden die Vereine ehrenamtlich geführt, engagieren sich die Vorstände in ihrer Freizeit für eine zunehmende Fülle an Aufgaben im Interesse der Weiterentwicklung ihres Vereins. Da gilt es, den Verein organisatorisch, finanziell und medial gut aufzustellen, es geht um die Gewinnung von sportlichem Nachwuchs wie auch um die Gestaltung eines attraktiven sportlichen Angebots entsprechend den jeweiligen Zielen des Vereins, es geht um die Organisation eines kontinuierlichen Trainings- und Wettkampfbetriebs, aber auch um die Zusammenarbeit mit anderen Vereinen, mit lokalen und regionalen Verbänden, mit den Gemeinden, Schulen oder den staatlichen Institutionen der Sportförderung. Innerhalb dieser Aktivitäten müssen sich die Vereinsmitglieder aber nicht nur mit sportlichen, organisatorischen oder finanziellen Herausforderungen befassen, sie bewegen sich dabei auch stets in einem Rechtsraum, der sowohl durch das staatliche als auch das Sportrecht geprägt wird. Ein Bereich, der in den letzten zwei Jahrzehnten in der Gesellschaft insgesamt, aber eben auch im Sport, zunehmend Bedeutung erlangt hat, ist der Datenschutz, bei dem es nicht primär um den Schutz der Daten geht, sondern um den Schutz der Menschen, denen diese Daten zugeordnet sind. Im Sport werden natürlich auch viele Daten erhoben, gespeichert und zielgerichtet genutzt. Das beginnt schon mit der Aufnahme in den Sportverein, der oftmals schon im Kindesalter erfolgt, und bei dem personenbezogene Daten (wie Name, Geburtsdatum und Adresse) zur Verfügung gestellt werden müssen, bei der aber nicht selten auch Kontodaten abgefragt werden (um die Beitragszahlung zu erleichtern). Wenn das erfolgt, sollten sich Vereine an eine Reihe wichtiger Prinzipien halten, wie die Datenerhebung beim Betroffenen, die Zweckbindung von Daten, die Transparenz im Umgang mit den Daten oder die Sparsamkeit in der Erhebung und Verarbeitung personenbezogener Daten. Und grundsätzlich gilt auch für Sportvereine, was in der Gesellschaft insgesamt gilt, sie sind zur Sicherung der Daten vor unbefugtem Zugriff verpflichtet. Aus diesen Prinzipien leitet sich dann auch die tägliche Praxis in Sportvereinen ab, wie mit Daten umgegangen wird. Ein Geburtsdatum beispielsweise ist sowohl aus organisatorischer Sicht (weil Kinder einen geringeren Beitragssatz haben als Jugendliche oder Erwachsene, weil ein Stimmrecht über das Alter bestimmt wird etc.), aber auch aus sportlicher Sicht (weil das Training und der Wettkampf in Altersklassen erfolgt) wichtig. Wenn sich der Zweck der Datenerhebung aber nicht so offensichtlich wie in diesen Fällen ergibt, sollte man auch in Sportvereinen den Betroffenen um seine Einwilligung der Datenerhebung und -nutzung bitten. Gleiches gilt, wenn im Verein erhobene Daten Dritten zugänglich gemacht werden, was die Betroffenen zumindest wissen sollten, besser wäre aber eine Zustimmung dafür zu besitzen (zum Beispiel bei der Übermittlung von Daten an regionale oder nationale Sportorganisationen). Mit der Entwicklung moderner, digitaler Medien in den letzten beiden Jahrzehnten ist das Thema Datenschutz nochmal um wichtige Facetten, wie die Datennutzung im Internet (zum Beispiel auf Vereinsseiten oder mit Videos bei YouTube) erweitert worden, denen sich die Sportvereine auch zuwenden müssen. Ein weiterer wichtiger Faktor für die Vereins- und Verbandsentwicklung, für den Personen und personenbezogene Daten bedeutsam sind, ist das Sponsoring. Auch hier gelten die Prinzipien des Umgangs mit Daten, auch hier sollten Vereinsvorstände genau hinsehen, wenn solche Daten erhoben und von Unternehmen genutzt werden (wollen). Das Bundesdatenschutzgesetz ist auch in diesen Fällen der rechtliche Rahmen, in dem derartige (meistens Werbe-)Aktivitäten ablaufen sollen. Insgesamt ist das Thema des Datenschutzes in Vereinen so umfangreich und bedeutsam geworden, dass ernsthaft über die Berufung eines Datenschutzbeauftragten nachgedacht werden sollte, um die rechtlichen Regelungen zu kennen und korrekt anzuwenden. Das gilt sowohl für ehrenamtlich geführte Vereine, aber noch mehr für Vereine mit angestellten Mitarbeitern. Der Datenschutz ist auch hinsichtlich seiner technischen Aspekte wichtig, werden doch heute viele Daten elektronisch auf lokalen Festplatten oder auf Servern innerhalb von Netzwerken gespeichert und zur Nutzung bereitgestellt. Auch für diesen Bereich gelten rechtliche Regelungen, welche Daten von wem, wo und für wie lange gespeichert und verarbeitet werden dürfen. Und neben den Hardware-Themen gibt es in diesem Zusammenhang auch viele Themen, die mit der eingesetzten Software in Verbindung stehen. Hier ist die Nutzung einer leistungsstarken Antivirensoftware eine zwingende Notwendigkeit, um die personenbezogenen Daten zu schützen, sie ist aber nur der Anfangspunkt für viele weitere Ansatzpunkte, um über Datenschutz und -nutzung in Sportvereinen nachzudenken (wie zum Beispiel die Kommunikation über E-Mail-Programme oder die Installation einer Firewall).
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Theorie und gesellschaftliche Grundlagen
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Berlin Erich Schmidt 2011
Ausgabe:Berlin: Erich Schmidt Verlag, 2011.- 166 S.
Schriftenreihe:Praxiswissen Sportverein & Management, 1
Seiten:166
Dokumentenarten:Buch
Level:hoch