Wissenschaftliche Gütekriterien bei sportmotorischen Tests. Reliabilität, Validität und Zusammenhangsmerkmale ausgewählter leistungsdiagnostischer Verfahren

Im Sport, und hier insbesondere im leistungsorientierten Sport in den unterschiedlichen Alters- und Leistungsklassen, nimmt die regelmäßige Diagnostik zu Faktoren, die die sportartspezifische Leistung signifikant beeinflussen, eine wichtige Rolle ein. Einerseits wird damit der aktuelle Leistungsstand ermittelt, gleichzeitig dienen die leistungsdiagnostischen Ergebnisse aber auch zur Planung der nächsten Trainingsphase(n). In vielen Sportarten sind es insbesondere konditionelle Faktoren, unter denen sich oftmals eine oder mehrere Ausprägungsformen der Kraft befinden, die untersucht werden. Dafür gibt es inzwischen eine Reihe von Standardtests, die national und international im Trainingsprozess bzw. in dessen trainingswissenschaftlicher Begleitung und Untersuchung eingesetzt werden. Zu diesen leistungsdiagnostischen Verfahren zählen unter anderem in Sprungdiagnostik der - der Countermovement Jump (CMJ), - der Squat Jump und - der Drop-Jump, in der isokinetischen Diagnostik - die Drehmomentsentwicklung im Kniegelenk und - die Drehmomentsentwicklung im Sprunggelenk sowie in der isometrischen Diagnostik - die Kniebeuge (als Eine-Wiederholungs-Maximum Bewegung). Wenn diese Untersuchungsverfahren für die Trainingspraxis wertvolle und verlässliche Ergebnisse erbringen sollen, müssen sie Hauptgütekriterien wie Reliabilität und Validität erfüllen. Auch wenn zu diesem Thema im Zusammenhang mit trainingswissenschaftlichen Arbeiten in verschiedenen Sportarten und zu unterschiedlichen Trainingsaspekten bereits Ergebnisse vorliegen, ist die empirische Befundlage nicht immer eindeutig. Gleiches gilt auch für ihre Zusammenhangsmerkmale, insbesondere mit Blick auf oftmals sehr unterschiedliche Untersuchungsdesigns bei publizierten Studien. Basierend auf vorliegenden Normwerten und im Rahmen einer Pre-Post-Studie wurden die Gütekriterien vom Autor einer entsprechenden Untersuchung unterzogen, wozu zehn Sportstudierende im Alter von 22-27 Jahren und mit einer wöchentlichen Trainingsbelastung von 2-25 Stunden primär in Spiel- oder Kampfsportarten zweimal und zu identischen Tageszeiten alle oben genannten Tests absolvierten. Ergänzend dazu wurden Befindlichkeit, Motivation sowie subjektives Schmerz- und Belastungsempfinden ermittelt. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden durch diese relativ heterogene Zusammensetzung der Probandengruppe hinsichtlich der sportlichen Aktivität beeinflusst, beispielsweise konnte in den Sprunghöhen des Drop-Jumps im Pre-Post-Vergleich keine Korrelationen ermittelt werden. An anderen Stellen (z. B. bei den Reliabilitätskoeffizienten isokinetischer Knie- und Sprunggelenksuntersuchung, bei der isometrischen Kniebeuge) wurden Korrelationen ermittelt, die mit der bisherigen Befundlageübereinstimmten. Hinsichtlich des Zusammenhangs von Maximalkraft und Sprungleistung kam es durch die Studie zu einer partiellen Bestätigung bisheriger Erkenntnisse (die Maximalkraft korrelierte bei isokinetischen Kniegelenksuntersuchungen signifikant mit den Sprunghöhen der CMJ). In der Diskussion weist der Autor darauf hin, dass die Ergebnisse vorsichtig interpretiert werden müssen, da die Vergleichbarkeit durch das spezifische Studiendesign anderer Untersuchung eingeschränkt ist. Weitere Faktoren, die bei der Bewertung der vorliegenden Ergebnisse herangezogen werden müssen, sind das sporttechnische und das konditionelle Leistungsniveau der Probanden, das sich zum Beispiel von Probanden aus dem unmittelbaren Leistungssport unterschied, wodurch es auch zu einer veränderten Bewegungsausführung bei den gestellten Aufgaben kam (z. B. wurden eher dynamisch-konzentrische Half-Squats und keine isometrischen Kniebeugen durchgeführt).
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Trainingswissenschaft
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Hamburg Diplomica 2011
Ausgabe:Hamburg: Diplomica Verlag GmbH, 2011. - 198 S.
Seiten:198
Dokumentenarten:Buch
Level:mittel