Kritische Lebensereignisse in Hochleistungsbiographien. Untersuchungen an Spitzensportlern, Tänzern und Musikern
Rund 50.000 Olympioniken weltweit leben unterhalb der von den Vereinten Nationen definierten Armutsgrenze (WOA); werden Nationalmannschaftsmitglieder mitgezählt, ist es ein Vielfaches - ganz zu schweigen von den Lebensentwürfen der vielen ehemaligen Elfen und "Wunderkinder". Kritische Lebensereignisse wurden in Wissenschaftskreisen bereits vielfach diskutiert. Die vorliegende Arbeit eröffnet eine neue Perspektive. Hier werden Biographiebrüche und das Erleben eines kritischen Ereignisses in Echtzeit verfolgt und gemessen. Es wurden dabei Spitzensportler einer deutschen Nationalmannschaft sowie Elitetänzer und -musiker aus führenden europäischen Ballett- und Opernhäusern in die Studie integriert. Im Fokus der Untersuchung liegt die Betrachtung noch aktiver Akteure, die im weiteren Verlauf von ihrem Direktorium/Verband unerwartet entlassen und dadurch mit einem jähen fremdbestimmten Karriereende konfrontiert werden. Mit diesem als Life-Event definierten Karrierestop gehen Prozesse des Identitätsumbaus und der Neufindung eines Lebens einher. Die Ursachen und der Ablauf dieses Prozesses stehen im Zentrum der Analysen. Die Umsetzung eines aus den Ergebnissen entwickelten Interventionsprogramms zeigt erste Erfolge und bestätigt den eingeschlagenen Weg. Bleibt die Frage, warum dieses nicht längst in sportive oder künstlerische Strukturen nachhaltig integriert werden konnte. Können und wollen wir uns systematische posttraumatische Belastungsreaktionen bei unseren eigenen "früheren Eliten" leisten oder möchte das System sich nicht mehr um die kümmern, die niemandem mehr nutzen? In den beiden empirischen Arbeitsteilen bestätigt sich, dass ein Karriereabbruch ein einschneidendes und biografieprägendes Ereignis darstellt, das nicht immer aus eigener Kraft verarbeitet werden kann. Nach vorliegenden Erkenntnissen wirkt sich insbesondere die Kompetenz im Umgang mit den ersten Verarbeitungsphasen auf das spätere Leben und die weitere Leistungsfähigkeit aus. Die Athleten, die am Programm teilgenommen haben, verfügen im Vergleich zu nicht unterstützten Teilnehmern schon nach sieben Monaten über einen besseren Gesundheitszustand und zeigen weniger psychische und psychosomatische Beeinträchtigungen.
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| Schlagworte: | |
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| Notationen: | Sozial- und Geisteswissenschaften |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Lengerich
Pabst
2011
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| Ausgabe: | Lengerich: Pabst, 2011.- 313 S. |
| Seiten: | 313 |
| Dokumentenarten: | Buch |
| Level: | hoch |