Angewandte Sportwissenschaft als Wissenschaft
Die Beziehung zwischen Theorie und Praxis ist für alle Wissenschaftsdisziplinen von grundlegender Bedeutung, so auch für die Sportwissenschaft. In den zurückliegenden zwei Jahrzehnten ist die Diskussion darüber, wie angewandte Sportwissenschaft aussehen kann, welchen Kriterien die Sportwissenschaft insgesamt in ihrem Suchen nach Wahrheit folgen sollte, wie ihr Verhältnis zur Praxis und zur Nützlichkeit ihrer Arbeit und ihrer Erkenntnisse aussehen soll, immer wieder geführt worden.
In Fortführung dieser Diskussionen sowohl in der Sportwissenschaft als auch in der Sportpraxis führte die TU Chemnitz im Mai 2010 eine Fachtagung durch, die den Titel "Unter welchen Voraussetzungen ist angewandte Sportwissenschaft als Wissenschaft möglich?" trug. In sieben Fachvorträgen wurde der Themenkomplex aus sehr unterschiedlichen allgemeinen und sportwissenschaftlichen Perspektiven beleuchtet. Im Verlauf der Tagung wurde verschiedentlich deutlich gemacht, dass der Charakter der interdisziplinären Sportwissenschaft, mit vielen Pluralität schaffenden disziplinären Perspektiven, sowohl Grundlagenforschung als auch angewandte Forschung und normative Reflexion zulässt. Sie sollte aber stets nach gemeinsamen Anliegen der Handelnden, nach Zusammenarbeit suchen, um zu praktisch funktionierenden Ergebnissen zu gelangen. Hier bietet sich sowohl für die Primärforschung, die Interventions- und die Evaluationsforschung ein weites Handlungsfeld, wenn ihnen eine gleichberechtigte Wertigkeit zugestanden wird. Die vorgetragenen Erkenntnisse zum Trainerhandeln im Spitzensport und zu den Zielen und Arbeitsweisen in der Spitzensportforschung unterstreichen ein gemeinsames Interesse an wissenschaftlich fundierter Qualitätssicherung in der Trainings- und Wettkampfplanung und -realisierung, in die sich die unterschiedlichen wissenschaftlichen Mitspieler im Verbundsystem Leistungssport aus ihrer spezifischen Perspektive und mit ihren spezifischen Erkenntnissen einbringen müssen und können. Dass sie dabei gerade im Bereich der Trainingswissenschaft im Spitzensport immer wieder auf Spannungen im Beziehungsgefüge von Grundlagenforschung und Anwendungsforschung treffen, ist wohl unvermeidbar, kann aber letztlich zu einer wissenschaftlich fundierten und praktisch einsetzbaren Trainings- und Leistungslehre führen.
Der vorliegende Band dokumentiert die sieben Beiträge der Chemnitzer Tagung und liefert damit eine Grundlage für die weitergehende Diskussion zum Verhältnis von Grundlagen- und angewandter Forschung in der Sportwissenschaft.
Inhaltsverzeichnis
T. Diesner & K.-F. Wessel: Wissenschaft und Werte - aktuelle und ideengeschichtliche Betrachtung
H. Haag & M. Holzweg: "Naturalistisch - Rationalistisch" als Forschungsparadigma und Perspektiven für eine ganzheitliche Forschungsmethodologie
E. Franke: Angewandte Sportwissenschaft und ethische Rechtfertigung
R. Schreiner & A. Thiel: Die wissenschaftliche Qualitätssicherung des Trainerhandelns in der Spitzensportorganisation
J. Krug: Trainingswissenschaft - Im Spannungsfeld von Grundlagen- und Anwendungsforschung
A. Pfützner: Prozessbegleitende Trainings- und Wettkampfforschung - eine wissenschaftliche Aufgabe des Instituts für Angewandte Trainingswissenschaft
P. Ehnold & A. Hummel: Die Unmöglichkeit des Schließens vom Sein auf das Sollen. Oder wie kann Sportwissenschaft als Beratungswissenschaft möglich sein?
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| Schlagworte: | |
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| Notationen: | Ausbildung und Forschung Theorie und gesellschaftliche Grundlagen Sozial- und Geisteswissenschaften Trainingswissenschaft |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Berlin
Lehmanns Media
2011
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| Ausgabe: | Berlin: Lehmanns Media, 2011.- 138 S. |
| Schriftenreihe: | Sport und Wissenschaft: Beihefte zu den Leipziger Sportwissenschaftlichen Beiträgen, 11 |
| Seiten: | 138 |
| Dokumentenarten: | Buch |
| Level: | hoch |