TCM in der Sportmedizin
Die Zeit, da man in den westlichen Industriestaaten der chinesischen Medizin mit Skepsis gegenüberstand, gehört eigentlich der Vergangenheit an, auch wenn man im Einzelfall immer noch einmal auf Zurückhaltung bei Vertretern der traditionellen, westlichen Medizin treffen kann. Gleiches lässt sich sicherlich auch für das Verhältnis von Lehrmedizin und chinesischer Medizin im Sport und der Sportmedizin sagen.
Die Gründe für diese positive Entwicklung sind vielschichtig, reichen von einer zunehmend bessern Information über die in China entwickelten und inzwischen weltweit eingesetzten Methoden und über ihre Wirkungsmechanismen, auch wenn sie bis heute eine primäre Erfahrungsmedizin ist, über eine inzwischen nicht seltene komplementäre Anwendung von westlicher und chinesischer Medizin bis hin zum Wunsch, medizinische Methoden einzusetzen, die weitestgehend frei von Nebenwirkungen sind. Dank der zunehmend besseren Information über die chinesischen Behandlungsmethoden wurden neben der Akupunktur weitere arzneimitteltherapeutische, diätetische und manuelle Verfahren in der westlichen Welt eingeführt, die bis dahin noch nicht so bekannt waren. Dazu zählen die Phytotherapie und die Ernährungstherapie genauso wie die Moxibustion das Tuina.
Der einleitende Spruch von Kapitel 1 "so viel Sport war noch nie..." gibt einen ersten Hinweis darauf, dass bei so viel Sport natürlich auch die Sportmedizin präventiv, diagnostisch und therapeutisch gefragt ist - um die langfristige Belastbarkeit zu sichern, die Entwicklung der individuellen Leistungsfähigkeit entsprechend zu unterstützen und den Gesundheitszustand nach Krankheit oder Verletzung schrittweise wieder so zu entwickeln, dass der Sport aufgenommen und nachhaltig ausgeführt werden kann. Dies gilt in den Ländern des Westens genauso wie in China oder anderen asiatischen Ländern.
Und hier bieten sich für gut ausgebildete und erfahrene Mediziner vielfältige Aufgaben. Das vorliegende Buch macht sich zur Aufgabe, einen weit gefächerten Überblick sowohl zu
- den Therapieverfahren der chinesischen Medizin als auch
- zu deren Einsatz bei Sportverletzungen, internistischen und psychovegetativen Störungen
zu geben. Dabei "überrascht" die große Zahl von Verletzungen unterschiedlichster Körperregionen - von den Muskeln und Gelenken bis zur Wirbelsäule und den Knochen der Extremitäten - bei denen Methoden aus China sowohl in der alternativen Diagnostik als auch in der Therapie eingesetzt werden können. Und falls man erwartet, dass nur auf verschiedene Akupunkturmethoden gesetzt wird, um Verletzungen und Schäden zu therapieren, erlebt man seine nächste "Überraschung". Die Autoren präsentieren ebenso viele phytotherapeutische Rezepturen, die äußerlich zur Anwendung kommen können und erläutern, wann und an welchen Stellen die Methode der Moxibustion hilfreich sein kann. Dies passiert auf dem Hintergrund einer genauen Kenntnis der Ätiologie und einer ausdiagnostizierten Befundlage sowie der Darstellung der therapeutischen Maßnahmen, die von der konventionellen Lehrmedizin im jeweiligen Fall ergriffen werden. Damit wird eine gute Zuordnung zum Lehrwissen möglich und die Entwicklung additiver Therapiekonzepte erleichtert. Gerade diese praktischen Therapievorschläge können erfahrenen Fachleuten in der Anwendung chinesischer Therapieverfahren hilfreich sein, wenn im Sport, und insbesondere im Leistungssport, schnelle Behandlungserfolge erwartet werden bzw. wenn die Lehrmedizin bisher nicht zu den erhofften Fortschritten geführt hat.
Inhalt
Grundlagen
1 Sportmedizinische Aspekte
1.1 Sport in der westlichen und östlichen Gesellschaft
1.1.1 Stellenwert des Sports in westlichen Gesellschaften
1.1.2 Stellenwert des Sports in der chinesischen Gesellschaft
1.1.3 Nutzen der Chinesischen Medizin für den westlichen Sportler
1.2 Sportverletzungen und Sportschäden
1.2.1 Sportverletzung: Definition und Ätiologie
1.2.2 Sportschaden: Definition und Ätiologie
1.2.3 Sportverletzungen und Sportschäden aus Sicht der Regulationsmedizin
1.3 Grundlagen der Chinesischen Medizin
1.3.1 Yin und Yang
1.3.2 Substanzenlehre
1.3.3 Fünf Wandlungsphasen
1.3.4 Funktionskreise
1.4 Sportverletzungen aus Sicht der Chinesischen Medizin
1.4.1 Ätiologie aus der Sicht der Chinesischen Medizin
1.4.2 Therapiemöglichkeiten der Chinesischen Medizin
1.5 Leistungssteigerung und Wettkampfvorbereitung aus Sicht der Chinesischen Medizin
1.5.1 Disharmoniemuster erkennen
1.5.2 Therapiemöglichkeiten der Chinesischen Medizin
2 Therapieverfahren der Chinesischen Medizin
2.1 Akupunkturspezifische Therapieverfahren
2.1.1 Körperakupunktur
2.1.2 Ohrakupunktur
2.1.3 Neue Schädelakupunktur
2.1.4 Laserakupunktur
2.1.5 Moxibustion
2.1.6 Injektions-Akupunktur
2.1.7 Elektroakupunktur nach Voll
2.1.8 Trockene Nadelung (Dry Needling)
2.1.9 Elektrostimulation der Akupunktur
2.2 Arzneimitteltherapeutische, diätetische und manuelle Verfahren
2.2.1 Chinesische Phytotherapie
2.2.2 Chinesische Diätetik
2.2.3 Tuina
2.2.4 Schröpfen
2.2.5 Akupunktmassage nach Penzel
Praxis: Therapie und Prävention von Sportverletzungen
3 Läsionen verschiedener Körpergewebe
3.1 Verletzungen der Muskulatur
3.1.1 Ätiologie und Einteilung
3.1.2 Heilungsphasen
3.1.3 Diagnostik
3.1.4 Muskelverletzungen aus Sicht der Chinesischen Medizin
3.1.5 Muskelprellung (Muskelkontusion)
3.1.6 Muskelkater
3.1.7 Muskelkrampf
3.1.8 Muskelverhärtung (Myogelose)
3.1.9 Muskelzerrung
3.1.10 Muskelfaserriss
3.1.11 Muskelbündelriss
3.1.12 Muskelriss
3.1.13 Myositis ossificans (circumscripta posttraumatica)
3.1.14 Akutes Kompartmentsyndrom (Muskellogen-Syndrom)
3.1.15 Funktionelles Kompartmentsyndrom
3.2 Verletzung der Sehnen, Ligamente und Bursen
3.2.1 Periartikuläre Blutungen
3.2.2 Periartikuläre Blutungen aus Sicht der Chinesischen Medizin
3.2.3 Tendinitis
3.2.4 Bursitis
3.3 Verletzungen der Gelenke
3.3.1 Gelenke: Einteilung und Funktion
3.3.2 Gelenkprellungen (Gelenkkontusionen)
3.4 Knorpel- und Knochenverletzungen
3.4.1 Verletzungen des Kapsel-Band-Apparats
3.4.2 Luxationen (Verrenkungen)
3.4.3 Chronische Synovitis
3.4.4 Osteochondrosis dissecans
3.4.5 Arthrose (Arthrosis deformans)
3.5 Verletzungen der Haut
3.5.1 Differenzialdiagnose: Wunden
3.5.2 Schnitt-, Riss-, Schürfwunden und Blasenbildung
4 Läsionen nach Lokalisation
4.1 Wirbelsäule
4.1.1 Anamnese
4.1.2 Inspektion und Untersuchung
4.1.3 Palpation
4.1.4 Funktionsprüfung
4.2 Läsionen der Halswirbelsäule (HWS)
4.2.1 HWS: Anamnese und klinische Untersuchung
4.2.2 Akute Verletzungen der HWS (Prellung/Distorsion)
4.2.3 Akutes Zervikalsyndrom (funktionell)
4.2.4 Chronisches Zervikalsyndrom (degenerativ)
4.2.5 Zerviko-Brachialgie
4.2.6 Bandscheibenvorfall (radikuläres zervikales Kompressionssyndrom)
4.3 Läsionen der Brustwirbelsäule (BWS)
4.3.1 BWS: Anamnese und klinische Untersuchung
4.3.2 Akute Verletzungen der BWS (Prellung/Distorsion)
4.3.3 Dorsalgie (funktionell/Blockade der Costo-Transversalgelenke)
4.4 Läsionen der Lendenwirbelsäule (LWS)
4.4.1 LWS: Anamnese und klinische Untersuchung
4.4.2 Prellung/Distorsion der LWS
4.4.3 Lumbago (funktionell)
4.4.4 Lumboischialgie
4.4.5 Facettengelenksarthrose (Spondylarthrose)
4.4.6 Spondylolisthese (Synonym: Wirbelgleiten)
4.4.7 Bandscheibenvorfall (radikuläre Symptomatik)
4.5 Läsionen der Schulter und oberen Extremitäten
4.5.1 Schulter und obere Extremitäten: Anamnese und klinische Untersuchung
4.5.2 Akute Weichteilverletzung der Schulter (Prellung/Distorsion)
4.5.3 Tendinosis calcarea (Verkalkung der Supraspinatussehne)
4.5.4 Impingement-Syndrom
4.5.5 Rotatorenmanschettenruptur
4.5.6 Klavikulaverletzungen (Akromioklavikulargelenksdistorsion/-sprengung, Klavikulafraktur)
4.6 Läsionen des Ellenbogens, Unterarms und der Hand
4.6.1 Ellenbogen, Unterarm und Hand: Anamnese und klinische Untersuchung
4.6.2 Akute Weichteilverletzung des Ellenbogens und Unterarms
4.6.3 Epicondylopathia humeri radialis, Epicondylopathia humeri ulnaris
4.6.4 Styloiditis radii
4.6.5 Karpaltunnelsyndrom
4.6.6 Tendovaginitis stenosans de Quervain
4.6.7 Ulnare Seitenbandverletzung des Daumens (Skidaumen, Torhüterdaumen)
4.7 Läsionen von Becken, Hüfte und Oberschenkel
4.7.1 Hüftregion: Anamnese und klinische Untersuchung
4.7.2 Kapsel-Band-Verletzungen, traumatische Hüftluxationen
4.7.3 Coxarthrose
4.7.4 Hüftkopfnekrose
4.7.5 Coxitits fugax ("Hüftschnupfen")
4.7.6 Morbus Perthes (Juvenile Hüftkopfnekrose, Perthes-Legg-Calvé-Krankheit)
4.7.7 Epiphysiolysis captitis femoris juvenilis (juveniles Hüftkopfgleiten)
4.7.8 Extrinsische knöcherne Verletzungen
4.7.9 Intrinsische knöcherne Verletzungen
4.7.10 Ermüdungsfrakturen ( Stressfrakturen)
4.7.11 Coxa saltans (Schnappende Hüfte)
4.7.12 Bursitiden
4.7.13 Symphysensyndrom
4.7.14 Hernien
4.7.15 Nervenschäden
4.8 Läsionen des Kniegelenks
4.8.1 Kniegelenk: Anamnese und klinische Untersuchung
4.8.2 Knieverletzungen und Kniebeschwerden aus Sicht der Chinesischen Medizin
4.8.3 Akute Verletzungen des Kniegelenks
4.8.4 Vordere Kreuzbandruptur (Ruptur des Lig. cruciatum anterius)
4.8.5 Hintere Kreuzbandruptur (Ruptur des Lig. cruciatum posterius)
4.8.6 Mediale Seitenbandruptur (Ruptur des Lig. collaterale mediale)
4.8.7 Laterale Seitenbandruptur (Ruptur des Lig. collaterale laterale)
4.8.8 Meniskusschäden
4.8.9 Knorpelschäden
4.8.10 Patellaluxation
4.8.11 Osteochondrosis dissecans
4.8.12 Tendopathien und Bursitiden
4.8.13 Hoffaitis (Hoffa-Krankheit)
4.8.14 Plicasyndrom
4.8.15 Aseptische Knochennekrosen (Morbus Osgood-Schlatter, Morbus Sinding-Larsen-Johannsson)
4.8.16 Frakturen im Bereich des Kniegelenks
4.9 Läsionen im Unterschenkel, Sprunggelenk und Fuß
4.9.1 Unterschenkel, Sprunggelenk und Fuß: Anamnese und klinische Untersuchung
4.9.2 Äußere Kapsel-Band-Verletzungen (Außenbandrupturen)
4.9.3 Innere Kapsel-Band-Verletzungen (Innenbandrupturen)
4.9.4 Syndesmosenverletzungen
4.9.5 "Fußballergelenk"
4.9.6 Arthrose des oberen und unteren Sprunggelenks (OSG und USG)
4.9.7 Peritendinitis der Achillessehne
4.9.8 Schleimbeutelentzündungen und Ansatzbeschwerden der Achillessehne
4.9.9 Achillessehnenriss
4.9.10 Beschwerden der Tibialis-posterior-Sehne
4.9.11 Beschwerden der Peronealsehnen
4.9.12 Schienbeinkantensyndrome (shin splints)
4.9.13 Kompartmentsyndrome (Muskellogensyndrome)
4.9.14 Kompressionssyndrom des N. peroneus (N. fibularis communis)
4.9.15 Kompressionssyndrom des N. tibialis (Tarsaltunnelsyndrom)
4.9.16 Morton-Neuralgie
4.9.17 Chronische Fersenreizung (Fersenbeinperiostose)
4.9.18 Plantare Fasziitis
4.9.19 Metatarsalgie
4.9.20 Hallux valgus, Hallux rigidus
4.9.21 Sesambein-Beschwerden
4.9.22 Frakturen im Unterschenkel- und Fußbereich
4.9.23 Frakturen des oberen Sprunggelenks (Knöchelfrakturen)
5 Syndrome und Therapiemaßnahmen der Chinesischen Medizin bei internistischen und psychovegetativen Störungen
5.1 Gastrointestinale Störungen
5.1.1 Ätiologie aus Sicht der westlichen Medizin
5.1.2 Ätiologie und Pathogenese aus Sicht der Chinesischen Medizin
5.1.3 Epigastrischer Schmerz und relevante Syndrome der Chinesischen Medizin
5.1.4 Bauchschmerz, abdominale Distension und relevante Syndrome der Chinesischen Medizin
5.1.5 Obstipation und relevante Syndrome der Chinesischen Medizin
5.2 Allergien
5.2.1 Allergische Rhinitis und relevante Syndrome der Chinesischen Medizin
5.2.2 Asthma bronchiale und relevante Syndrome der Chinesischen Medizin
5.2.3 Neurodermitis (atopisches Ekzem) und relevante Syndrome der Chinesischen Medizin
5.2.4 Nesselsucht (Urtikaria)
5.3 Psychovegetative Befindlichkeitsstörungen
5.3.1 Kopfschmerzen und relevante Syndrome der Chinesischen Medizin
5.3.2 Schlafstörungen und relevante Syndrome der Chinesischen Medizin
5.4 Übertrainingssyndrom (Erschöpfungszustände) und relevante Syndrome
der Chinesischen Medizin
5.4.1 Ätiologie aus Sicht der westlichen Medizin
5.4.2 Ätiologie und Pathogenese aus Sicht der Chinesischen Medizin
5.4.3 Qi-Mangel-Syndrome
5.4.4 Yang-Mangel-Syndrome
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| Schlagworte: | |
|---|---|
| Notationen: | Biowissenschaften und Sportmedizin |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Stuttgart
Haug
2011
|
| Ausgabe: | Stuttgart: Haug, 2011.- 260 S. |
| Seiten: | 260 |
| Dokumentenarten: | Buch |
| Level: | hoch |