Der Trainer als Wissensexperte. Eine Studie zum Informationsverhalten, -bedarf und -angebot im Spitzensport

Trainer im modernen Nachwuchs- und Hochleistungssport sind längst nicht mehr allein Trainingsmethodiker, sie sind Manager von interdisziplinären Expertenteams. Oftmals gehören Sportmediziner und Physiotherapeuten, Sportpsychologen, Trainingswissenschaftler, Biomechaniker und Techniker zum "Supportteam" erfolgreicher Individualsportler und Mannschaften, und das sowohl im langfristigen Trainingsprozess in Vorbereitung auf eine Wettkampfsaison als auch während der Wettkämpfe selbst. Von Trainerinnen und Trainern wird dabei sowohl von den von ihm betreuten Sportlerinnen und Sportler, als auch von den anderen Mitgliedern des Expertenteams erwartet, dass sie/er den aktuellen Wissensstand in all den Wissenschaftsdisziplinen und Fachgebieten zumindest überblicksweise kennt und ihn auf die Aufgaben, Anforderungen und Ziele seiner Trainingsgruppe anwenden kann. Sie/Er soll gemeinsam mit seinem Team die Probleme erkennen, Lösungsvorschläge entwickeln und in die Sportpraxis umsetzen. Dafür steht aber nur ein endliches Maß an Zeit zur Verfügung, um all diese Informationen, dieses Wissens zu finden und zu dokumentieren, um es dann wieder in den kreativen Prozess der Trainingsplanung einfließen zu lassen. Hier setzen bereits in vielen Fällen die ersten Probleme ein, da für diese Prozesse der Informationsgewinnung nur sehr wenig Zeit zur Verfügung steht und die Wege zu qualitativ hochwertigem Wissen nicht immer einfach zu finden und zu gehen sind. In der vorliegenden Berichterstattung zum Projekt Informationsversorgung von Trainern der Universität Göttingen wird anhand von Expertengesprächen, Tagebuchstudien und einer quantitativen Befragung von mehr als 1.500 Trainerinnen und Trainern der wissenschaftliche Informationsbedarf von Trainern im deutschen Nachwuchs- und Hochleistungssport erforscht, Barrieren für die Verbreitung von wissenschaftlichen Erkenntnissen beschrieben und der Frage nachgegangen, wie aktuelle Angebote zur Versorgung dieser Klientengruppe mit Fachinformationen aussehen, welche Vorschläge für eine Optimierung sich aus der Analyse ergeben und wo deutliche Defizite oder auch Fehlstellen konstatiert wurden, die es in nächster Zukunft zu bearbeiten gilt. Dazu wurden Informationsquellen analysiert und ermittelt, welchen Nutzen die Trainerinnen und Trainer den einzelnen Quellen zuordnen. Im Zuge der Arbeit ergaben sich typische Informationsprofile von Trainern, die sehr deutlich durch ihr individuelles Tätigkeitsspektrum, ihre beruflichen Erfahrungen und ihr Ausbildungsniveau geprägt waren. Deutlich wurde auch die große Bedeutung, die einer engen und kontinuierlichen Zusammenarbeit von Trainern mit Einrichtungen, die wissenschaftliche Forschungs-, Betreuungs- und Entwicklungsleistungen in der jeweiligen Sportart erbringen, zukommt.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Sozial- und Geisteswissenschaften
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Schorndorf Hofmann Verlag 2009
Ausgabe:Schorndorf: Hofmann, 2009.- 238 S.
Schriftenreihe:Reihe Sportsoziologie
Seiten:238
Dokumentenarten:Buch
Level:hoch